Die 2.500 Jahre alte Bong: In China wurde bei Beerdigungen gekifft
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Die 2.500 Jahre alte Bong: In China wurde bei Beerdigungen gekifft

Holzbecken voller CBN-Rückstände aus einem Friedhof im Pamir zeigen: Schon vor 2.500 Jahren wurde zur Trauerfeier Gras verbrannt.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT
Auf einem 2.500 Jahre alten Friedhof im Westen Chinas haben Archäolog:innen Holzbecken gefunden, in denen Trauernde bei Beerdigungen Cannabis verbrannt haben – einer der ältesten handfesten Belege dafür, dass Menschen sich mit Gras berauschten. Dass Cannabis schon in der Antike genutzt wurde, wussten Historiker längst: Es gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Ostasiens und taucht ab etwa 1000 v. Chr. in schriftlichen Quellen auf. Jetzt hat ein Team der Chinesischen Akademie der Wissenschaften der Geschichte ein spannendes Fundstück hinzugefügt: eine 2.500 Jahre alte Bong.    
Antikes Holzbecken mit Brandspuren aus dem Jirzankal-Friedhof
Foto: Milenio
 

Die Archäolog:innen, die das uralte Rauchgerät entdeckt haben, nennen es wissenschaftlich korrekt „Kohlebecken aus Holz“. Auf gut Deutsch: eine große Gemeinschaftsbong, mit der bei Beerdigungen die Zeremonienhütte beheizt wurde. (Eine Anmerkung für unsere erfahreneren Leser:innen: Ja, wir wissen, dass eine Bong technisch gesehen eine Wasserpfeife ist und hier kein Wasser im Spiel war. Wir sagen trotzdem „Bong“, weil das Wort am klarsten rüberbringt, worum es geht: Hier wurde Cannabis geraucht.) 

   
Hölzerne Kohlebecken aus den Gräbern im Pamir
Foto: Archäologisches Institut, China
Die Studie unter Leitung des Archäologen Meng Ren analysierte verbrannte Rückstände vom Jirzankal-Friedhof im östlichen Pamir in China. Die chemischen Analysen zeigen: Bei den Bestattungsritualen wurden Cannabispflanzen in hölzernen Kohlebecken verbrannt. 
Damit sei belegt, dass im Westen Chinas schon vor mindestens 2.500 Jahren Cannabis bei rituellen und/oder religiösen Handlungen geraucht wurde, schreiben die Forschenden, und dass die verwendeten Pflanzen hohe Mengen psychoaktiver Verbindungen enthielten.
   
Illustration: Cannabiskonsum im alten China
Illustrationen zu Cannabis in China vor 2.500 Jahren
  Insgesamt wurden zehn hölzerne Kohlebecken gefunden. In das Holz war jeweils eine tiefe, runde Mulde geschnitzt. Die Holzschalen waren leicht verkohlt, und an einigen der Steine klebten verbrannte Cannabinol-Rückstände. Die Becken stammen aus acht Gräbern auf dem Jirzankal-Friedhof, einer Grabstätte, die auf etwa 500 v. Chr. datiert wird. In allen verbrannten Rückständen in den Gefäßen und auf einigen Steinen wiesen die Tests CBN nach. CBN (Cannabinol) ist ein oxidatives Abbauprodukt von THC – einfach gesagt das, was vom THC übrig bleibt, wenn es verbrennt.         Der Fund liefert einige der ersten handfesten Belege für die berühmten Berichte des griechischen Geschichtsschreibers Herodot. In seinen Historien beschrieb er, wie die Bewohner der kaspischen Steppe im ersten Jahrtausend v. Chr. Cannabis rauchten.     Grafik zur Geschichte von Cannabis     Meng Ren und sein Team fassen das in ihrer Arbeit sinngemäß so zusammen: Herodot beobachtete, dass die Menschen in einem kleinen Zelt saßen und die Pflanzen in einem Gefäß mit heißen Steinen verbrannt wurden. Die Skythen nutzten den Cannabisrauch außerdem als Reinigungsritual (ähnlich einem Bad) nach einer Bestattung. Im Pamir, wie diese Studie zeigt, und im Altai-Gebirge wurde dagegen offensichtlich während der Bestattung geraucht – möglicherweise ein anderes Ritual, vielleicht um mit dem Göttlichen oder mit den Verstorbenen in Kontakt zu treten. Oder sie haben einfach ihren Schmerz gelindert und das Leben ihrer Liebsten gefeiert, indem sie ein bisschen Gras auf die glühenden Steine gelegt haben.     Shennong, legendärer Kaiser der chinesischen Pflanzenheilkunde