Cannabis und Fußball: Was Gras mit Kopf und Leistung auf dem Platz macht
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Cannabis und Fußball: Was Gras mit Kopf und Leistung auf dem Platz macht

Weniger Angst vor der Grätsche, aber auch weniger Biss: Was über Cannabis im Mannschaftssport bekannt ist, was Spekulation bleibt und was du vor und nach dem Training beachten solltest.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis und Fußball passen besser zusammen, als viele denken: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Gras Spieler:innen ruhiger, konzentrierter und weniger ängstlich machen könnte, gleichzeitig kann es aber den Biss nehmen, das Herz hochjagen und ist im Wettkampf verboten. Kiffen und Sport wirken auf den ersten Blick wie Gegensätze, deshalb taucht oft die Frage auf, was passiert, wenn man trainiert und kifft. Hier zeigen wir, wie beides zusammenhängt, speziell beim Fußball.

Klar ist bisher nur eins: Fußball ist der beliebteste Sport der Welt und Cannabis die beliebteste Droge der Welt. Man könnte also meinen, dass Gras und Fußball nur das gemeinsam haben.

Weit gefehlt: Einige Untersuchungen legen nahe, dass Cannabis und Bewegung die sportliche Leistung unterstützen könnten, vor allem in taktischen Mannschaftssportarten wie Fußball. Natürlich pusht Gras nicht direkt die Muskeln und lässt dich nicht stundenlang schmerzfrei rennen, aber die psychischen Effekte können genauso stark sein. 

Wie könnte Cannabis im Sport helfen?

Wer je Mannschaftssport gemacht hat, weiß: Der Kopf ist genauso wichtig wie die Muskeln, und genau hier könnte Cannabis dir als Spieler:in einen Vorteil verschaffen. Gras kann dazu beitragen, dass Spieler:innen beim Training und im Spiel ruhiger, konzentrierter und weniger gestresst sind. So treffen sie womöglich bessere taktische Entscheidungen, trainieren effektiver, lernen mehr über die eigenen Stärken und Schwächen und die des Teams und spielen mit weniger Angst. Gerade dieser letzte Punkt hat in den letzten Jahren in der Sportwissenschaft einiges Interesse geweckt.

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, entwickeln wir Angst davor. Diese Angst ist eine völlig natürliche Reaktion, die verhindern soll, dass sich das wiederholt. Sie kann aber auch extrem hartnäckig sein. Ein Spieler, der sich bei einer Grätsche das Bein gebrochen hat, kann deshalb bei späteren Grätschen gehemmter sein, so sehr er das bewusst auch vermeiden will. Dass das die Leistung ziemlich beeinträchtigen kann, muss man nicht extra erklären. Hier könnten Cannabinoide eine wichtige Rolle spielen.

Welche Rolle spielt Cannabis im Sport?

Cannabis könnte solche erlernten Angstreaktionen dämpfen, sodass Spieler:innen alles geben können, ohne dass ihnen die lästige instinktive Anspannung in die Quere kommt. Das ist aber noch nicht alles. Manche spekulieren, dass die richtige Menge Cannabis helfen könnte, mehr Sauerstoff in die Muskeln zu bringen.

Außerdem wird Cannabis eine bronchienerweiternde Wirkung zugeschrieben. Vereinfacht gesagt könnte es den Widerstand in den Atemwegen senken, sie also öffnen, sodass Sportler:innen ordentlich Luft bekommen. Das könnte Ausdauer und Herz-Kreislauf-Leistung theoretisch verbessern. Manche glauben sogar, dass die bessere Sauerstoffversorgung im Spiel die Regeneration der Muskeln beschleunigen könnte.

Cannabis kann auch Aggressionen verstärken, aber die meisten, die es nutzen, werden dir sagen, dass es eher „weich“ macht. Und „weich“ hören Trainer:innen gar nicht gern. Klar, ein Spieler soll ruhig und konzentriert sein, aber „weich“ heißt: kein Siegeswille. 

Eine Geschichte über Fußball und Gras

Genau das nutzte die portugiesische Polizei aus, als englische Fußballfans, berüchtigt für ihre Lust auf Prügeleien, für ein Spiel der englischen Nationalmannschaft nach Portugal kamen. Die Polizei kündigte an, bei Alkoholproblemen hart durchzugreifen, bei Gras aber beide Augen zuzudrücken. Ergebnis: Die englischen Fans verließen das Stadion in einer zahmen Grasswolke und verbrachten den Rest der Nacht erstaunlich friedlich. Auf dem Platz ist diese Sanftheit allerdings weniger gefragt. Um erfolgreich zu sein, braucht ein Fußballer Drive, Motivation und den Ehrgeiz, gegen den Gegner alles zu geben. Er muss außerdem wachsam sein und immer wissen, wo seine Mitspieler stehen. Alles ruhige, konzentrierte Denken der Welt nützt auf dem echten Platz wenig, wenn es nicht schnell geht. 

Dazu kommt: Wer weniger gehemmt ist, trifft womöglich leichtsinnige Entscheidungen oder wird überheblich, und das kann dem Team schaden. Und ohnehin gilt: Heute ist Cannabis im Fußball von den Sportbehörden verboten.

Kiffen vor dem Training

Wenn du zum ersten Mal vor dem Sport Cannabis konsumierst, fang mit einer minimalen Menge an. Cannabis kann den Puls hochtreiben oder Herzrasen (Tachykardie) auslösen. Hast du ein Herzproblem, kann Cannabis das Risiko für Herzkomplikationen erhöhen, denn Sport treibt den Puls ohnehin schon nach oben.

In Befragungen berichtet ein Teil der Konsument:innen, beim Sport nach dem Kiffen einen höheren Puls als sonst zu haben. Wer konsumiert, kann auf weniger intensive Trainingsformen ausweichen, um das zu vermeiden. 

Unter Ausdauersportler:innen wird Cannabis immer beliebter. Mehrere Ausdauerläufer:innen erzählen, dass sie 30 Minuten vor einem Trainingslauf etwas Gras nehmen.

Kiffen nach dem Training

Der Hauptgrund, nach dem Sport zu Cannabis zu greifen, ist die Regeneration. Ob Gras wirklich bei der Erholung hilft, dazu gibt es nicht viele Daten, aber Studien deuten darauf hin, dass Cannabis entzündungshemmend wirken kann. Es könnte auch Schwellungen lindern, die mit Entzündungen einhergehen. Einige Studien legen nahe, dass Cannabis nach dem Training gegen Muskelkater helfen kann. So kommst du womöglich schneller wieder ins Training.

Bei Cannabis und Sport lassen sich nur schwer klare Schlüsse ziehen. Dafür gibt es schlicht zu wenig gezielte Forschung. Was wir sagen können: Wenn du vor oder nach dem Sport Cannabis konsumierst, dann lieber als Öl oder Edible. Beim Rauchen kann die Verbrennung die Lunge belasten und deine Trainingsleistung drücken. Manche meinen außerdem, Rauchen direkt nach dem Training sei noch schädlicher, weil die Lunge dann besonders gefordert ist. 

Egal, wann oder wie du Cannabis und Sport kombinierst: Trink viel Wasser. THC sorgt oft für einen trockenen Mund, also regelmäßig nachtrinken.