RECHT

Warum ist Cannabis illegal? Die rassistischen Ursprünge des Verbots

Von mexikanischen Einwanderern in Texas bis zum Marihuana Tax Act: wie aus einer uralten Nutzpflanze eine verbotene Droge wurde.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Warum ist Cannabis illegal?

Cannabis wurde vor allem aus politischen und rassistischen Gründen verboten: In den USA diente das Verbot Anfang des 20. Jahrhunderts dazu, mexikanische Einwanderer zu kontrollieren, und gipfelte im Marihuana Tax Act von 1937. Dabei beschreiben schon die ersten chinesischen Agrarschriften Cannabis als eine der ältesten bekannten Nutzpflanzen, mit vielen Vorzügen und breiter Verwendung. Hanf wurde auf der ganzen Welt genutzt, für Papier, Stoffe und sogar als Nahrung. Viele Religionen setzten Cannabis jahrhundertelang in ihren Ritualen ein, und Hanfsamen gelten heute als Superfood.

Cannabis wurde im Lauf der Geschichte auf unzählige Arten genutzt, und heute ist es mehr denn je auf dem Weg, eine der wichtigsten Pflanzen der Welt zu werden. Warum also ist Marihuana in vielen Ländern verboten?

Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, muss man zurück in die USA Anfang des 20. Jahrhunderts, kurz nach der Mexikanischen Revolution. Damals zogen viele mexikanische Einwanderer in Bundesstaaten wie Texas und Louisiana. Die neuen Nachbarn brachten ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Bräuche mit. Dazu gehörte auch der Konsum von Cannabis, sowohl als Medizin als auch zur Entspannung oder zum Vergnügen.

Die mexikanischen Einwanderer nannten die Pflanze „Marihuana“. Mit „Cannabis“ waren die Amerikaner bestens vertraut, denn es steckte in fast allen Tinkturen und Arzneien jener Zeit. Das Wort „Marihuana“ dagegen klang fremd. Als die Medien anfingen, mit den Ängsten der Amerikaner vor den neuen Mitbürgern zu spielen, verbreiteten sich falsche Behauptungen über „unruhestiftende Mexikaner“ und ihre angeblich gefährlichen Bräuche, darunter der Konsum von Marihuana. Was der Rest des Landes nicht wusste: Das so gefürchtete „Marihuana“ war eine Pflanze, die man längst kannte und auf verschiedenste Weise nutzte.

Die Verteufelung der Cannabispflanze war eine Verlängerung der Verteufelung mexikanischer Einwanderer. Um diese neuen Bürger zu kontrollieren und zu überwachen, übernahm El Paso in Texas ein Vorgehen aus San Francisco: Dort hatte man Jahrzehnte zuvor Opium verboten, um chinesische Einwanderer zu kontrollieren. Die Idee dahinter war, einen Vorwand zu haben, um mexikanische Einwanderer zu durchsuchen, festzunehmen und abzuschieben.

Diese Methode, Menschen über ihre Bräuche zu kontrollieren, war so „erfolgreich“, dass sie zur landesweiten Strategie wurde, um bestimmte Bevölkerungsgruppen unter staatlicher Überwachung und Kontrolle zu halten.

Bei den Anhörungen zum Marihuana-Gesetz in den 1930er-Jahren wurde behauptet, Marihuana mache schwarze Männer gewalttätig und bringe sie dazu, weiße Frauen sexuell zu bedrängen oder zu vergewaltigen. Diese Bilder wurden zum Kern der Kampagne für den Marihuana Tax Act von 1937, der Konsum und Verkauf faktisch verbot.

Das Gesetz wurde Jahre später zwar für verfassungswidrig erklärt, aber in den 1970ern durch den Controlled Substances Act ersetzt. Der teilte Substanzen in Listen ein, je nachdem, wie gefährlich sie sind und wie stark sie abhängig machen. Cannabis landete in der strengsten Kategorie, Schedule I. 

1996 erlaubte Kalifornien als erster US-Bundesstaat Marihuana für medizinische Zwecke und beendete dort die 59 Jahre, in denen Cannabis als illegale Substanz ohne medizinischen Wert galt. Vor 1937 hatte Cannabis eine 5.000 Jahre lange Geschichte als Heilmittel in vielen Kulturen hinter sich. Mit diesem Gesetz trat das Bild von Cannabis als gefährlicher, illegaler Droge allmählich hinter seine medizinischen und therapeutischen Qualitäten zurück. Damit war wenigstens eine der vielen Schlachten gewonnen, die die Pflanze noch schlagen muss, bis sie als das gilt, was sie wirklich ist: eine nützliche Pflanze voller positiver Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten.

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