Woher kommt 420? Die wahre Geschichte der Waldos
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Woher kommt 420? Die wahre Geschichte der Waldos

Keine Wirkstoffzahl, keine Teezeit in Holland: Hinter 420 stecken fünf Schüler aus Kalifornien, eine verschollene Hanfpflanze und die Grateful Dead.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Was bedeutet 420?

420 ist der weltweit bekannteste Code fürs Kiffen, und er stammt von fünf Schülern aus Kalifornien, die sich 1971 regelmäßig um 16:20 Uhr trafen, um zu kiffen und eine verschollene Hanfpflanze zu suchen. Trotzdem wissen viele Kiffer nicht, woher die Zahl kommt, und erinnern sich nur dunkel an Geschichten, die sie mal gehört haben. Manche glauben, es sei die Zahl der Wirkstoffe in Cannabis, andere tippen auf die Teezeit in Holland. Wieder andere bringen Hitlers Geburtstag (20. April 1889) ins Spiel oder Bob Dylans legendäre Zeile „Everybody must get stoned“ aus seinem Hit „Rainy Day Women #12 & 35“ (12 mal 35 ergibt 420).

In Wahrheit geht alles auf eine Clique von fünf Teenagern aus Kalifornien zurück, die vor ihrer Schule in San Rafael an einer Mauer abhingen. Nach diesem Treffpunkt, der „wall“, nannten sie sich „die Waldos“.

Warum ist 4:20 die Uhrzeit zum Kiffen?

Im Herbst 1971 bekamen die Waldos mit, dass ein Mitglied der Küstenwache eine Cannabispflanze angebaut hatte und sich nicht mehr um sie kümmern konnte. Mit einer Schatzkarte (manche sagen, vom Besitzer der Pflanze selbst gezeichnet), die angeblich zur verlassenen Ernte führte, trafen sie sich mindestens einmal pro Woche an der Louis-Pasteur-Statue vor ihrer Highschool, um auf die Suche zu gehen. Die Uhrzeit? 16:20 Uhr, nach dem Training (alle waren Sportler). Die Waldos quetschten sich in ein Auto, rauchten erst mal einen und durchkämmten dann die Wälder am nahen Point Reyes nach der kostenlosen Pflanze, die sich partout nicht finden ließ. 

Gefunden haben sie die Pflanze nie, dafür aber vielleicht etwas Beständigeres. So entstand der Begriff 420, mit dem die Schüler übers Kiffen reden konnten, ohne dass Eltern oder Lehrer etwas merkten.

Bud von CosechaLibre.com

Aber wie hat es eine Clique schatzsuchender Schüler aus Kalifornien geschafft, ihr Codewort in die ganze Welt zu tragen? Dafür müssen wir über die US-Band Grateful Dead reden.

Die Waldos hatten einen direkten Draht zur Band. Der Vater von Mark Gravich, einem der Waldos, verwaltete Immobilien für einige Bandmitglieder. Der ältere Bruder von Dave Reddix, einem weiteren Waldo, war gut mit Dead-Bassist Phil Lesh befreundet. Und so griff die Band, die vor allem in Kalifornien eine riesige Reichweite hatte, den Begriff auf. 

Richtig bekannt wurde er durch einen Flyer, den Fans auf einem Dead-Konzert verteilten. Darauf stand: „Wir treffen uns um 4:20 am 4/20 zum 420-ing im Marin County, am Sonnenuntergangsplatz am Bolinas Ridge auf dem Mt. Tamalpais.“ Ab da verbreitete sich der Begriff per Mundpropaganda erst in Kalifornien, dann in den ganzen USA und schließlich auf der ganzen Welt. 

Heute wird der inoffizielle Feiertag weltweit gefeiert. Die Verantwortlichen der University of Colorado in Boulder und der University of California in Santa Cruz (zwei Unis, die sich rühmen, die meisten Kiffer zu haben) versuchten 2009, die immer beliebteren Feiern auf ihrem Campus einzudämmen. Sie baten (oder besser: flehten) ihre Studierenden, nicht mitzumachen – ohne Erfolg. 

Es gibt noch viele andere Legenden über den Ursprung von 420, die es in die Geschichtsbücher der Cannabiskultur geschafft haben, aber die Waldos können beweisen, dass sie das Wort schon in den 70ern benutzt haben. In einem Banktresor in San Francisco liegen ihre originale 420-Batikfahne, ein Zeitungsausschnitt, in dem einer von ihnen erzählt, dass er seine Abschlussrede an der Highschool am liebsten nur mit „420“ bestritten hätte, und abgestempelte Briefe der Clique voller 420-Anspielungen.

Weil der Begriff 420 so populär wurde, feiern manche Orte auf der Welt den 20. April (4/20) als „Internationalen Tag des Cannabis“. Der Tag ist zu einem Aktionstag für Aufklärung und für die Legalisierung oder Entkriminalisierung von Cannabis geworden. Einen einzigen klaren Ursprung gibt es zwar nicht, aber seine Popularität ist mit der Zeit gewachsen, angetrieben von allerlei urbanen Legenden und kulturellen Events.

Mit der Zeit verbreitete sich „420“ immer weiter und wurde zum allgemein bekannten Code für Gras und fürs Kiffen. In der Cannabiskultur wurde die Zahl zum Erkennungszeichen und zum Ausdruck von Zusammengehörigkeit.

In den 1990ern fing das bekannte Cannabis-Magazin High Times an, den 20. April als besonderen Feiertag rund ums Gras zu bewerben, und machte den „Internationalen Tag des Cannabis“ damit noch bekannter.

Seitdem finden an diesem Datum weltweit Demos, Märsche und Cannabis-Events statt, die sich für Legalisierung, Entkriminalisierung oder Regulierung einsetzen.

Mit dem Internet und den sozialen Medien wurden Cannabis-Themen, inklusive des „Internationalen Tags des Cannabis“ und des Begriffs „420“, noch populärer und trenden weltweit. An diesem Tag werden Hunderte Memes, Nachrichten und Posts rund ums Gras geteilt. Und genau diese Reichweite stößt in vielen Ländern Debatten über Legalisierung, Konsum und Regulierung von Cannabis an.

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