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Wie wirkt Cannabis auf Augen und Gehirn? Was Studien zeigen

Von roten Augen bis zum Belohnungssystem: was THC mit deinem Sehen und deinem Kopf macht, kurz- und langfristig.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis wirkt auf Augen und Gehirn: Kurzfristig rötet THC die Augen und kann Sehschärfe, Kontrastsehen, räumliches Sehen und Blendempfindlichkeit messbar verschlechtern; im Gehirn verändert es Wahrnehmung, Gedächtnis und Konzentration. Langfristig deuten Studien vor allem bei frühem Einstieg im Jugendalter auf Folgen für Denkleistung und Motivation hin. Der Grund: THC, der wichtigste psychoaktive Wirkstoff, dockt am Endocannabinoid-System an und verändert, wie dein Gehirn Sinneseindrücke verarbeitet.

Wie stark das ausfällt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und hängt von Dosis, Sorte und Toleranz ab. Wer versteht, wie Gras auf die Sinne wirkt, bekommt ein vollständigeres Bild davon, was es mit uns macht, und auch davon, wo es therapeutisch nützlich sein könnte.

Nebenwirkungen von Cannabis im Gehirn: kurz- und langfristig

Cannabis beeinflusst das Gehirn kurz- und langfristig und kann sowohl seine Funktion als auch seine Entwicklung verändern.

Kurzfristige Wirkung

Beim Konsum gelangt THC, der wichtigste psychoaktive Wirkstoff, schnell ins Blut und von dort ins Gehirn und in andere Organe. Geraucht spürst du die Wirkung nach wenigen Minuten (gegessen nach 30 bis 60 Minuten oder später), und dann verändern sich Wahrnehmung und Denken. Dazu gehören:

  • Veränderte Sinneswahrnehmung, zum Beispiel intensivere Farben.
  • Ein anderes Zeitgefühl.
  • Stimmungsschwankungen.
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen.
  • Probleme beim Lösen von Aufgaben und beim Denken.
  • Gedächtnislücken.
  • Bei hohen Dosen mögliche Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
  • Ein Psychoserisiko bei regelmäßigem Konsum von sehr starkem Gras.

Langfristige Wirkung von Cannabis

Cannabis kann auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, vor allem wenn der Konsum in der Jugend beginnt. In dieser entscheidenden Phase kann Gras Denkvermögen, Gedächtnis und andere kognitive Funktionen stören, ebenso die Bildung der Nervenverbindungen, die dafür nötig sind.

Studien deuten darauf hin, dass langjähriger Konsum von der Jugend bis ins junge Erwachsenenalter mit einem deutlichen IQ-Verlust einhergehen kann.

Was sagen Studien über die Folgen des Kiffens?

So deuten Untersuchungen darauf hin, dass Menschen, die als Jugendliche gekifft haben, einen IQ-Rückgang zeigten, der auch nach dem Aufhören bestehen blieb.

Zwillingsstudien legen allerdings nahe, dass dieser Rückgang neben dem Cannabis auch an gemeinsamen genetischen oder Umweltfaktoren liegen könnte.

Die Studie „Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD)“ des US-amerikanischen National Institute on Drug Abuse (NIDA) bringt gerade mehr Licht in die Frage, wie Cannabis und andere Substanzen die Gehirnentwicklung Jugendlicher beeinflussen, und soll ein vollständigeres Bild der Langzeitfolgen liefern.

Wie wirkt Cannabis auf die Augen und das Sehen?

Eine der auffälligsten Folgen des Cannabiskonsums sind rote Augen. Sie entstehen, weil THC, der psychoaktive Hauptwirkstoff, die Blutgefäße erweitert.

Dieser Effekt ist bekannt, aber andere mögliche Auswirkungen aufs Sehen werden noch erforscht, etwa Veränderungen beim peripheren Sehen, beim Augeninnendruck und bei der Verarbeitung visueller Reize.

Was sagen Studien darüber, ob Kiffen das Sehen verschlechtert?

Eine Studie in der Fachzeitschrift Scientific Reports (Nature) wollte diese Effekte untersuchen und mit dem vergleichen, was die Konsumierenden selbst wahrnehmen. Dafür testete ein Forschungsteam das Sehvermögen von 31 Cannabis-Konsumierenden gründlich, jeweils vor und nach dem Konsum.

Außerdem wurden die Teilnehmenden gefragt, wie sie ihr Sehen nach dem Konsum selbst einschätzen.

Das Ergebnis: Nach dem Konsum waren mehrere Sehfunktionen deutlich beeinträchtigt, darunter Sehschärfe, Kontrastempfindlichkeit, räumliches Sehen (Stereopsis), Scharfstellen und Blendempfindlichkeit.

Trotzdem gaben 30 % der Teilnehmenden an, ihr Sehen habe sich nicht verändert, und 65 % meinten, es sei nur leicht schlechter geworden.

Fazit: Verschlechtert Kiffen das Sehen?

Die Autor:innen betonen, wie wichtig es ist, über diese möglichen Nebenwirkungen aufs Sehen aufzuklären, weil sie bei alltäglichen Dingen zum Risiko werden können.

Dass die Konsumierenden diese Einschränkungen kaum selbst bemerken, zeigt, wie nötig Aufklärungskampagnen über die möglichen Gefahren sind.

Wie wirkt Cannabis auf Motivation und psychische Gesundheit?

Cannabis wirkt sich nicht nur auf Wahrnehmung und Denken aus, sondern auch auf Motivation und psychische Gesundheit.

Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabis die Schaltkreise im Gehirn beeinflussen kann, die für Belohnung und Motivation zuständig sind. Das kann die Lust auf Schule oder Arbeit dämpfen und dazu führen, dass wir mit dem Erreichten weniger zufrieden sind.

Nebenwirkungen von Cannabis: weitere Studien

In einer neueren Studie nutzten Forschende eine Aufgabe am Bildschirm und Gehirnscans, um zu sehen, wie Cannabis die Reaktion des Gehirns auf Belohnungen verändert. Die Teilnehmenden sahen blaue und orangefarbene Quadrate und konnten Geld gewinnen, wenn sie richtig auf die orangefarbenen reagierten.

Im Fokus stand das ventrale Striatum, eine Schlüsselregion des Belohnungssystems. Dort zeigten sich subtile Effekte von Cannabis auf die Reaktion auf Belohnungen. Wichtig: Die Teilnehmenden kifften nur mäßig, bei Dauerkonsumierenden könnten die Effekte also deutlicher ausfallen.

Außerdem gibt es Hinweise, dass Cannabiskonsum mit psychischen Problemen zusammenhängen kann. Einige Arbeiten brachten ihn bei Jugendlichen mit Anhedonie in Verbindung (der Unfähigkeit, Freude zu empfinden). Eine Studie der Universität Cambridge von 2022 fand bei konsumierenden Jugendlichen allerdings nicht mehr Anhedonie als bei nicht konsumierenden.

Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, die Wirkung von Cannabis auf Motivation und Psyche zu verstehen, gerade bei regelmäßigem Konsum. Und sie zeigen, dass es mehr Forschung braucht, um sauber über die Risiken aufklären zu können.