
Frauen und Cannabis: Von alten Heilmitteln bis zur Growerin von heute
Seit Jahrhunderten nutzen Frauen Cannabis gegen Krämpfe, bei der Geburt und zum Genuss – heute growen sie, kämpfen dafür und kiffen, wie sie wollen.
Frauen nutzen Cannabis seit Jahrhunderten – gegen Regelschmerzen, bei der Geburt, in den Wechseljahren und einfach, weil sie gern kiffen. Auch wenn die moderne Cannabis-Szene lange Männersache war, haben Frauen die Pflanze immer genutzt, wegen ihrer lindernden Wirkung bei Schmerzen, aber auch aus purer Liebe zum Kraut. Heute growen sie, kämpfen für die Legalisierung und konsumieren so, wie sie es selbst wollen.
Cannabis und Menstruation: wie Frauen die Pflanze früher nutzten
Schon in der Antike setzten Frauen Cannabis gegen Beschwerden rund um Menstruation und Mutterschaft ein. Im 19. Jahrhundert war in Deutschland und Österreich eine Cannabissalbe verbreitet, die bei stillenden Frauen Schwellungen und Schmerzen in der Brust lindern sollte. Die Verbindung von Stillen und Cannabis reicht also weit zurück (auch wenn heute, wie weiter unten erklärt, davon abgeraten wird, in der Stillzeit Cannabis zu konsumieren).
Im alten Ägypten nutzten Frauen eine Salbe aus Cannabis und Honig, um Wehen auszulösen und die Geburt zu erleichtern. Auch bei Menstruationskrämpfen hat die Pflanze eine lange Geschichte: Früher kamen Salben und Tränke zum Einsatz, heute gibt es sogar Tampons mit Cannabisextrakt gegen die Schmerzen.
Außerdem heißt es, dass Cannabis in Russland verwendet wurde, um jungen Frauen das erste Mal angenehmer zu machen, und weltweit galt die Pflanze als Aphrodisiakum.

Frauen und Weed heute: Wie sieht es aktuell aus?
Heute hat sich die Beziehung zwischen Frauen und Cannabis verändert. Die Pflanze wird weiter therapeutisch genutzt, aber auch der Freizeitkonsum ist sichtbar geworden – und zeigt, dass die Cannabiswelt längst nicht nur Männern gehört.
Viele Frauenvereinigungen kämpfen heute an vorderster Front für das Recht auf Eigenanbau, um daraus Medizin für ihre Kinder, Angehörigen oder sich selbst herzustellen. Growerinnen ziehen Monsterpflanzen hoch und beweisen: Cannabis-Anbau war lange Männerdomäne, ist es aber nicht mehr.
Frauen und Cannabis – die Verbindung bleibt stark. Frauen kämpfen hier wie in anderen Bereichen und Branchen um Gleichberechtigung und erobern sich Schritt für Schritt ihren Platz in der Cannabiswelt: als Growerinnen, Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und mehr.
Und ganz klar: Kiffen zum Spaß gehört heute für viele Frauen einfach dazu. Was früher fast nur der Linderung diente, ist heute auch für sie ein Lebensstil.
Wofür Frauen Cannabis nutzen
Cannabis bei der Periode: gegen Regelschmerzen
Für eine Umfrage im „Journal of Pain Research“ wurden über 400 Frauen befragt: Rund 84 % gaben an, unter Regelschmerzen zu leiden, 43 % hatten bei jeder Periode Schmerzen.
Einigen Erhebungen zufolge haben 5 bis 10 % der Frauen so starke Schmerzen, dass ihr Alltag darunter leidet. Aber was sagt die Wissenschaft zu Cannabisöl gegen Regelschmerzen? Kontrollierte Studien zu Cannabis und Menstruation gibt es bislang keine.
Eine 2014 veröffentlichte Studie fragte allerdings 192 Frauen, ob sie Cannabis gegen Periodenschmerzen genutzt hatten. Das Ergebnis ist bemerkenswert: 85 % sagten ja, und 90 % davon gaben an, dass es ihnen geholfen habe. Deshalb gilt das Thema Cannabis und Menstruationszyklus als eines, das dringend mehr Forschung verdient.
Cannabis beim prämenstruellen Syndrom (PMS)
Viele Frauen haben in den Wochen vor der Periode Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, empfindliche Brüste, Müdigkeit und Gereiztheit. Zusammen nennt man diese Symptome prämenstruelles Syndrom (PMS).
Zu Cannabis und PMS gibt es kaum Studien am Menschen. Untersucht wird aber, ob Cannabis bei PMS-Beschwerden wie Schlafproblemen, Gereiztheit, depressiver Stimmung und Gelenkschmerzen etwas bewirkt.
Cannabis bei Endometriose
Endometriose kann Frauen jeden Alters treffen. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, an anderen Stellen im Körper, etwa an den Eierstöcken. Das kann Beckenschmerzen, Schmerzen beim Sex, Unfruchtbarkeit und sehr starke Blutungen verursachen.
In einer Studie gaben 252 Frauen an, dass inhaliertes oder oral eingenommenes Cannabis ihre Endometriose-Symptome beeinflusst habe – vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Schmerzen und Stimmung. Solche Berichte könnten weitere Studien anstoßen, die diese Ergebnisse überprüfen.
Frauen, Weed und Sex
Sex soll Spaß machen und guttun, aber so empfindet es nicht jede – oder zumindest nicht jedes Mal. Angst, Scheidentrockenheit und wenig Lust können dazu führen, dass Frauen Sex mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin lieber vermeiden.
Kann Cannabis bei Frauen und Männern das Sexleben verbessern? Daran wird gerade geforscht. Eine Studie von 2019 in der Fachzeitschrift Sexual Medicine untersuchte zum Beispiel, ob Kiffen vor dem Sex mit besserer sexueller Funktion bei Frauen und befriedigenderen Orgasmen zusammenhängt.
Während die Forschung noch läuft, haben einige Firmen schon Cannabisprodukte speziell für Frauen entwickelt, die den Sex verbessern sollen, etwa Gleitgele.

Wechseljahre
Wenn es um Frauen und Cannabis geht, gehören die Wechseljahre dazu: die Phase, in der die Periode wegen sinkender Hormonspiegel ausbleibt. Das passiert meist zwischen 45 und 55. Der Rückgang von Hormonen wie Östrogen löst eine ganze Reihe von Beschwerden aus, etwa Hitzewallungen, Schlafprobleme, Herzklopfen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Gewichtszunahme, weniger Lust und Migräne.
Kann Cannabis gegen Wechseljahresbeschwerden helfen? Aussagekräftige klinische Studien stehen noch aus. Eine veröffentlichte Umfrage zeigte aber, dass die meisten befragten Frauen medizinisches Cannabis bei Wechseljahresbeschwerden wie Schlafproblemen, Stimmungstiefs und Angst befürworten.
Kiffen in der Stillzeit: Geht das?
Viele Frauen fragen sich: „Darf ich stillen, wenn ich kiffe?“ Die Stillzeit ist ein weiteres großes Thema, wenn es um Frauen und Cannabis geht.
Stillen tut vielen Frauen mehr oder weniger weh, und manche greifen deshalb zu Cannabis als natürlicher Linderung. Cannabis nach der Geburt kann aber Folgen für das Baby haben.
Kiffen und Stillen hängen eng zusammen. Warum? Cannabinoide wie THC sind fettlöslich und werden im Fettgewebe gespeichert. So können sie in die Muttermilch gelangen und beim gestillten Baby Müdigkeit und Schwäche auslösen. Deshalb rät die US-Gesundheitsbehörde CDC, in der Stillzeit auf jede Form von Cannabis zu verzichten.
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