Medizinisches Cannabis beim Arzt ansprechen: Warum das Gespräch so oft scheitert
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Medizinisches Cannabis beim Arzt ansprechen: Warum das Gespräch so oft scheitert

Viele Ärzt:innen halten Cannabis für eine echte Therapieoption, fühlen sich aber nicht gerüstet, darüber zu reden, weil es ihnen nie beigebracht wurde.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Über medizinisches Cannabis zu reden ist wichtig, weil Ärzt:innen und Patient:innen im Sprechzimmer oft nicht wissen, wie sie das Thema überhaupt anfangen sollen. Viele Mediziner:innen halten Cannabis zwar für eine legitime Therapie, doch in einer neueren Umfrage aus den USA gab die Hälfte der befragten Hausärzt:innen an, nicht bereit oder nicht willens zu sein, Fragen ihrer Patient:innen dazu zu beantworten. Andere sagten, sie tun es durchaus.

Eins ist klar: Es gibt jede Menge Wissenslücken, unter anderem bei diesen Punkten:

  • Die Funktionsweise des Endocannabinoid-Systems
  • Wie gut Cannabis, Hanf und Marihuana jeweils bei unterschiedlichen Beschwerden wirken
  • Dosierung und Darreichungsformen: Einen offiziellen Konsens zu Sorten oder Anfangsdosen gibt es nicht, am häufigsten hört man aber die Regel „niedrig anfangen, langsam steigern“
  • Mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und toxische Effekte
Medizinisches Cannabis in der Arztpraxis

Diese Fragen waren so drängend, dass die US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine eine umfassende, vorrangige Auswertung der medizinischen Fachliteratur zu den gesundheitlichen Effekten von Cannabis und Cannabinoiden durchgeführt und 2017 einen Bericht dazu veröffentlicht haben. Der Bericht deckte elf Bereiche ab, darunter therapeutische Wirkungen, Krebsrisiko, kardiometabolisches Risiko, Atemwegserkrankungen, Verletzungen und Todesfälle sowie problematischen Konsum. Außerdem benannte das Komitee eine Reihe von Hürden für die Forschung und brachte sie in eine Rangfolge.

Dazu kommt: Im Medizinstudium lernen angehende Ärzt:innen oft schlicht nichts über Cannabinoide wie Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC) als Medizin.

Zwei Drittel der befragten Dekan:innen US-amerikanischer medizinischer Fakultäten gaben an, dass ihre Absolvent:innen nicht darauf vorbereitet seien, medizinisches Cannabis zu verschreiben, und ein Viertel sagte, ihre Absolvent:innen könnten nicht einmal Fragen dazu beantworten.

Trotz fehlender Ausbildung müssen Ärzt:innen damit rechnen, dass Patient:innen sie auf Cannabinoide ansprechen, zumal immer mehr Länder den medizinischen und den Freizeitkonsum legalisieren.

Wer sich nicht fit genug fühlt, um solche Fragen zu beantworten, sollte zumindest wissen, welche Kolleg:innen oder Praxen in der Nähe sich mit Cannabinoid-Medizin auskennen.

Die Unis haben sich zwar Zeit gelassen, Cannabinoid-Medizin in den Lehrplan aufzunehmen, aber es gibt Organisationen, die Fortbildungen und weitere Ressourcen für Ärzt:innen anbieten, die mehr über medizinisches Cannabis, Marihuana und Hanf lernen wollen. Dazu gehören die International Cannabinoid Research Society, die Society of Cannabis Clinicians, die International Association for Cannabinoids as Medicine (IACM) und die American Academy of Cannabinoid Medicine.

In Argentinien hat die Medizinische Fakultät der Universidad Nacional de La Plata als Vorreiterin einen Aufbaustudiengang zur Verschreibung und Erforschung von medizinischem Cannabis geschaffen. Er richtet sich vor allem an Ärzt:innen und Tierärzt:innen und vermittelt rechtliche und wissenschaftliche Grundlagen.

Es macht Hoffnung zu sehen, wie Hochschulen ihren Studierenden nach und nach mehr Möglichkeiten geben, sich zum Thema Cannabis zu informieren und weiterzubilden. Wir brauchen mehr Kurse, Studiengänge und Weiterbildungen zu diesen Themen und Problemen, um eine Branche zu stärken, die ständig wächst.

Wissen ist Macht, und nur durch Forschung und Aufklärung können Ärzt:innen und Konsument:innen das volle Potenzial einer Pflanze ausschöpfen, der viele medizinische und therapeutische Effekte zugeschrieben werden. Viele Patient:innen berichten, dass sie Symptome verschiedener Erkrankungen bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern lindern kann, immer unter ärztlicher Begleitung.

Fehlinformation bei Ärzt:innen wie bei Patient:innen fördert den falschen Umgang mit Cannabis, schafft Stigma und Probleme für die, die es nutzen, und für den Rest der Gesellschaft.

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