
Skateboarding und Cannabis: Wie tief geht die Verbindung wirklich?
Vom Weed-Versteck im Schuh bis zum Dopingtest bei Olympia: Warum Skaten und Kiffen seit Jahrzehnten zusammengehören.
Die Verbindung zwischen Cannabis und Skate-Kultur ist alt und tief: Seit den Anfängen der Szene gehören Gras und Board für viele zusammen, und das Klischee vom „kiffenden Skater“ hält sich in der Popkultur bis heute, wenn auch schwächer als früher.
Seit Skateboarding 2020 sein Olympia-Debüt gefeiert hat und dadurch noch mehr Aufmerksamkeit bekommt, fragen wir uns: Wie tief geht die Verbindung zwischen Cannabis und Skateboarding wirklich?

Kiffen alle Skater?
Natürlich nicht. Aber unter Leuten, die gern kiffen, ist der Sport extrem verbreitet, so sehr, dass bei Olympia 2020, als Skateboarding endlich olympisch wurde, die größte Sorge vieler Skater die Dopingtests waren. Sogar Tas Pappas, einer der besten Skater der Welt, sagte in einem Interview, das werde ein Problem, weil viele Jungs ihre Tricks high stehen.
Skaten, Weed und ein Meilenstein:
In den 90ern entwarf der bekannte Skater Chad Muska zusammen mit einer Firma einen eigenen Skateschuh. Was daran revolutionär war? Tausende Skater standen Schlange für ein Paar, denn der Schuh hatte etwas, das es so noch nicht gab: ein geheimes Fach in der Zunge, um Gras zu verstecken.
Danach kam eine Flut von Weed-Produkten für Skater auf den Markt: Klamotten aller Art, Sticker, Boards mit Buds oder Pflanzen drauf, Griptapes und vieles mehr.
Skaten und Cannabis: die richtige Balance
Manche Patient:innen berichten, dass Cannabis, teils auch bestimmte Sorten, ihnen bei Erschöpfung, chronischen Schmerzen, Angst und manchen entzündlichen Beschwerden hilft, und erste Untersuchungen deuten in dieselbe Richtung. Deshalb interessiert es auch Leute, die Extremsport betreiben, zum Beispiel Skaten.
Beim Skaten geht es um Durchhaltevermögen. Dazu hat Skateboarding eine starke „Zen“-Seite, die manchmal näher an Meditation ist als an Sport. Skater haben schon immer gekifft, um runterzukommen und Schmerzen zu lindern, und viele berichten, dass Cannabis ihnen auch hilft, ganz „im Moment“ zu sein.
Manche erzählen auch, dass es ihnen hilft, negative oder pessimistische Gedanken loszulassen und tiefer in diesen „Zen“-Zustand zu kommen. Wenn die Angst zur Seite tritt, wird die Haltung stärker, dranzubleiben und nicht aufzugeben, wenn ein Trick mal nicht klappt.
Wie wirkt Cannabis im Sport?
Substanzen waren im Sport schon immer ein Thema, erst recht in Sportarten, die als Teil der Gegenkultur entstanden sind. Alkohol, Cannabis und Psychedelika waren in Szenen wie dem Skateboarding tief verwurzelt. Die Wirkung von Cannabis und die Vorteile, die ihm nachgesagt werden, plus die gute Zeit mit Freunden, kennt man aus allen Sportarten und Bewegungsformen. Aber was ist beim Skaten anders?
Skaten verbindet
Man darf nicht vergessen: Wie jeder Sport, der anfangs als „zu extrem“ galt, hat Skaten die Außenseiter, die Rabauken und die Radikalen zusammengebracht. Cannabis war den größten Teil der Skate-Geschichte über illegal und wurde in den großen Medien verteufelt. Und genau diese Verteufelung hat Skateboarding unglaublicherweise noch attraktiver gemacht.
Dank der Mischung aus rebellischem Skate-Spirit und Gras strömten in den 80ern und 90ern massenhaft Leute zu diesem Sport, und Skaten wurde genauso zum Lebensstil wie zur Freizeitbeschäftigung.
Was Skater über Kiffen und Skaten sagen
Viele Skater der Generationen aus den 90ern und 2000ern verteidigten Cannabis und machten keinen Hehl daraus, dass sie kiffen. Die Fürsprecher in der Skate-Community redeten immer offener über das, was ihnen Cannabis bringt.
Skateboard-Pionier Tony Alva hat sich dazu sinngemäß so geäußert: Viele hielten Gras für eine Droge, er sehe das anders. Ein großer Teil der Skate-Szene nutze Gras als Kraut, um das eigene Leben zu verbessern und körperlich wie geistig mit der Umgebung in Einklang zu kommen. Sobald das Stigma verschwinde, dass Gras eine Droge sei, würden Skater auch nicht mehr als Junkies abgestempelt. Er hoffe einfach, dass sich die Leute informieren und mehr darüber lernen, denn auf die Legalisierung habe die Welt lange gewartet.

Jetzt, wo legales Cannabis in vielen Bundesstaaten, Ländern und Regionen Realität ist, haben viele Skate-Firmen die Gelegenheit genutzt. Spezielles Equipment, angesagte Klamotten und Cannabis-Produkte kommen inzwischen in schier endlosem Angebot zu den Leuten.
Auf der Verbotsliste
Das IOC (Internationales Olympisches Komitee) setzte Cannabis auf die Liste verbotener Substanzen, nachdem Ross Rebagliati 1998 olympisches Gold im Snowboarden geholt hatte, während er „high“ war. Die Anti-Doping-Regeln behandeln Cannabis als Substanz, die die Leistung steigern kann, auch wenn es nicht bei allen Sportler:innen gleich wirkt. Die einen skaten vielleicht lockerer, die anderen setzen sich lieber aufs Board und grübeln über die Geheimnisse des Universums.
Ein paar Zugeständnisse gab es trotzdem:
- Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat 2013 den zulässigen THC-Grenzwert bei Kontrollen angehoben, gemessen im Urin. Das lässt bei den Tests mehr Spielraum: Wer außerhalb der Saison bei Events ohne Dopingkontrollen THC konsumiert, fällt nicht mehr so schnell auf.
- Außerdem wurde festgelegt, dass CBD-Produkte für die WADA kein Problem sind. Ihr möglicher Nutzen gegen Schmerzen bleibt damit für Skater und Sportler:innen allgemein ein wichtiges Thema. Es sieht so aus, als blieben manche Cannabisprodukte selbst mit Einschränkungen für aktive Olympia-Athlet:innen erlaubt.

Spannend zu sehen, wie diese Änderungen im Sportrecht die Beziehung zwischen Skateboarding und Cannabis noch enger machen. Und eins ist klar: Gras und Skaten sind gekommen, um zu bleiben, und ihre Freundschaft wird weiter wachsen, solange es Leute gibt, die gern kiffen und skaten.
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