
Beta-Caryophyllen: das Terpen, das wie ein Cannabinoid wirkt
Pfeffrig, holzig und am CB2-Rezeptor aktiv: was Caryophyllen ist, wie es riecht und was die Forschung bisher dazu sagt.
Beta-Caryophyllen ist ein Terpen, also ein Aromastoff, der in Cannabis, schwarzem Pfeffer, Nelken und Hopfen steckt und für den würzig-pfeffrigen Geruch sorgt. Das Besondere: Es dockt am CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems an, wirkt also ein Stück weit wie ein Cannabinoid, ohne high zu machen. Deshalb wird es intensiv auf mögliche medizinische Anwendungen untersucht.
Wer neu ins Growen einsteigt, wird im Netz von Infos regelrecht erschlagen. Das verwirrt und kann sogar ein bisschen Angst machen – vor allem, weil man nicht weiß, was davon stimmt.
Einer der Begriffe, der Anfänger am meisten ins Grübeln bringt – und ehrlich gesagt auch manchen alten Hasen –, ist Caryophyllen.
Wahrscheinlich hast du das Wort schon mal irgendwo aufgeschnappt. Der Name klingt sperrig und schreckt eher ab. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Hinter dem Zungenbrecher steckt eines der spannendsten Terpene im Cannabis.
Was ist Caryophyllen bzw. Beta-Caryophyllen?
Chemisch gesehen ist Caryophyllen eine organische Verbindung aus der Gruppe der bizyklischen Sesquiterpene. Ja, viele sperrige Wörter auf einmal. Aber bleib dran.
Dieses Terpen steckt in den ätherischen Ölen vieler Pflanzen, Blüten und Früchte, etwa in Pfeffer, Nelken, Thymian, Oregano, Hopfen – und eben auch in Cannabis. Es hat drei eng verwandte Verbindungen:
1. Alpha-Caryophyllen (Humulen), das in großen Mengen in Pflanzen wie Hopfen vorkommt.
2. Beta-Caryophyllen, das in großen Mengen im ätherischen Öl von schwarzem Pfeffer steckt.
3. Caryophyllenoxid, das reichlich in Pflanzen wie Eukalyptus vorkommt. Angeblich ist genau diese Verbindung das, was Polizeihunde erschnüffeln, wenn sie auf Cannabis trainiert werden.
Wie riecht und schmeckt Beta-Caryophyllen?
Caryophyllen gehört zu den Terpenen, die den Geruch und Geschmack einer Cannabissorte – und jeder anderen Pflanze – am stärksten prägen.
Sein Aroma wird meist als trocken und pfeffrig-scharf beschrieben, teils aber auch als süßlich und holzig. Im Geschmack ist es eher scharf, mit Noten von Holz, Kampfer und Zitrone, manchmal sogar Richtung Diesel.
Welche Eigenschaften hat Caryophyllen?
Caryophyllen ist ein wichtiges Terpen, weil es ein paar Besonderheiten mitbringt. Es wird zum Beispiel angenommen, dass es mit verschiedenen Cannabinoiden zusammenwirkt und deren medizinische Wirkung über den bekannten Entourage-Effekt verstärkt.
Außerdem ist es ein Agonist des CB2-Rezeptors in unserem Körper. Agonist heißt: Es kann an einen Rezeptor einer Zelle binden und dort eine bestimmte Reaktion auslösen. Damit verhält sich dieses Terpen wie ein Cannabinoid. Weil es am CB2- und nicht am CB1-Rezeptor ansetzt, wirkt es nicht psychoaktiv, sondern nur auf möglicherweise therapeutischer Ebene. Genau deshalb wurde und wird Caryophyllen so intensiv für medizinische Zwecke erforscht.
Auch die Pflanze selbst profitiert von dem Terpen. Seine ursprüngliche Aufgabe ist, die Pflanze zu schützen, in der es gebildet wird. Man kann Caryophyllen also als natürliches Mittel gegen Pilze und Insekten sehen, das unerwünschte Eindringlinge auf Abstand hält.
Abseits der Pflanze taucht Caryophyllen als Wirkstoff in Kosmetik auf. Du findest es in vielen Cremes, Body Lotions und Duschgels, in Seren, in Pflegeprodukten für trockene und gereizte Haut und in Produkten gegen Akne oder fettige Haut.
Wofür wird Beta-Caryophyllen therapeutisch untersucht?
Wie oben schon angedeutet, hat Caryophyllen einige Eigenschaften, die für den medizinischen und therapeutischen Einsatz interessant sind. Das sind die wichtigsten:
Entzündungshemmend: Labor- und Tierstudien deuten darauf hin, dass Beta-Caryophyllen entzündungshemmend wirkt, weil es am CB2-Rezeptor ansetzt, der an der Regulierung von Entzündungen und Schmerzen beteiligt ist.
Schmerzlindernd: In Tierstudien zeigte es eine Wirkung auf Schmerzen, vor allem auf Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen).
Antidepressiv: Tierstudien deuten darauf hin, dass es antidepressiv wirken könnte, auch in Stresssituationen, und negative Reaktionen abschwächt.
Angstlösend: Einige Studien, vor allem an Tieren, deuten darauf hin, dass es Angst und Stress verringern könnte. Es ersetzt aber keine Medikamente wie Benzodiazepine.
Insektizid: Es wirkt stark gegen Insekten und wird gegen Mücken untersucht, die Malaria und andere Tropenkrankheiten übertragen: Es hält sie fern und stört den Stoffwechsel von Larven und erwachsenen Tieren.
Gegen Krebs: In Laborstudien beeinflusste es Signalwege von Krebszellen und hemmte ihr Wachstum. Es wird als mögliche Ergänzung zur Chemotherapie untersucht, ist aber keine zugelassene Behandlung.
Bei welchen Krankheiten wird Caryophyllen erforscht?
Vieles davon ist noch Zukunftsmusik und wäre, wenn überhaupt, eine Ergänzung zu anderen Medikamenten oder Therapien. Es gibt aber Studien, überwiegend an Tieren, die es bei diesen Krankheiten und Beschwerden untersuchen:
1. Multiple Sklerose
2. Kolitis
3. Alzheimer
4. Als Antioxidans
Was spricht für Caryophyllen?
Caryophyllen scheint nicht nur nützlich, sondern auch gut verträglich zu sein. Bisherige Studien kommen zu diesen Ergebnissen:
1. Wirkt auf das Nervensystem: Manche Untersuchungen berichten von einem schnellen Wirkungseintritt; je nach gewünschtem Effekt wird die orale oder rektale Einnahme als besser beschrieben.
2. Wenige bekannte Nebenwirkungen: Nach derzeitigem Forschungsstand sind kaum gesundheitliche Nebenwirkungen bekannt – außer beim Rauchen, aber da liegt das Problem bei der Verbrennung und nicht beim Caryophyllen.
3. Lässt sich oral einnehmen: Jeder kennt Leute, die Probleme mit Tabletten haben, weil sie zu groß sind oder sich schwer schlucken lassen. Caryophyllen soll gut über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, was für Kinder oder Menschen, die nicht rauchen können, praktisch sein kann.
4. Nicht psychoaktiv: Deshalb eignet es sich gut für den medizinischen Einsatz und als Baustein in speziellen Therapien.
Rund um Cannabis gibt es noch jede Menge zu erforschen. Caryophyllen ist eine dieser Verbindungen, die kaum jemand kennt, die aber die oben beschriebenen Vorteile bieten könnte.
Zum Schluss ein Rat, der nie schadet: Wenn du Caryophyllen gezielt in deinen Konsum einbauen willst, sprich vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt, der sich mit Cannabis auskennt, damit du die richtige Dosis für deinen Körper findest.
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