Kann Cannabis Diabetes vorbeugen? Was die Forschung wirklich sagt
GESUNDHEIT

Kann Cannabis Diabetes vorbeugen? Was die Forschung wirklich sagt

Niedrigeres Nüchterninsulin in der einen Studie, mehr Prädiabetes in der anderen: Warum Ärzte Cannabis trotz spannender Hinweise nicht zur Diabetes-Vorbeugung empfehlen.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Cannabis als vorbeugende Medizin?

Einen belastbaren Beweis, dass Cannabis Diabetes vorbeugt, gibt es nicht. Einige Beobachtungsstudien bringen aktuellen Konsum mit niedrigerem Nüchterninsulin und geringerer Insulinresistenz in Verbindung, eine andere große Studie dagegen mit einem höheren Prädiabetes-Risiko. Die Cannabispflanze enthält chemische Verbindungen namens Cannabinoide, die unter anderem den Appetit steigern und Schmerzen und Entzündungen lindern können. Klingt super, aber was weiß man tatsächlich?

Zwar deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass medizinisches Cannabis bei der Blutzuckerkontrolle und bei Insulinresistenz helfen könnte, doch Ärzte empfehlen Cannabis in der Regel nicht zur Diabetes-Vorbeugung. Der Grund: Die meisten Studien erfüllen nicht die Standards medizinischer Forschung. Medizinisches Cannabis wurde bisher nicht in großen kontrollierten Studien an Menschen mit Typ-2-Diabetes getestet, es handelt sich eher um Beobachtungen.

Was sagen die Studien?

Solche Beobachtungsstudien können trotzdem Hinweise liefern, wie Cannabis Diabetes beeinflussen könnte. So untersuchte eine im Juli 2013 im American Journal of Medicine veröffentlichte Studie knapp 600 erwachsene Männer und Frauen, die aktuell Cannabis konsumierten, und rund 2.000, die es früher getan hatten. Nach einer Nacht ohne Essen wurde ihnen Blut abgenommen, außerdem wurden weitere Gesundheitswerte wie Blutdruck und Body-Mass-Index (BMI) erhoben. Im Vergleich zu Teilnehmern, die nie gekifft hatten, lagen bei den aktuellen Konsumenten der Nüchterninsulinspiegel um 16 Prozent und die Werte für Insulinresistenz um 17 Prozent niedriger.

Aus diesen ersten Ergebnissen schlossen die Autoren, dass bestimmte Cannabinoid-Rezeptoren im Körper die Insulinempfindlichkeit verbessern könnten. Wer kifft, isst im Schnitt mehr Kalorien, hat aber tendenziell einen niedrigeren BMI. Eine mögliche Erklärung liefern ältere Tierversuche: Als übergewichtige Mäuse Cannabis bekamen, nahmen sie ab, und ihre insulinproduzierenden Betazellen arbeiteten besser. Und schließlich könnte Cannabiskonsum auch ein Protein namens Adiponektin beeinflussen, das mit einer besseren Insulinempfindlichkeit zusammenhängt.

Eine im Dezember 2015 in Diabetologia veröffentlichte Studie kam dagegen zu einem ganz anderen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Diabetesrisiko. Dort hatten Menschen, die als junge Erwachsene aktuell konsumierten, ein um 65 Prozent höheres Risiko, im mittleren Alter einen Prädiabetes zu entwickeln, als Menschen, die nie konsumiert hatten. Wichtig: Beide Studien beruhen darauf, dass die Teilnehmenden ihren Konsum genau und ehrlich angeben. Das kann die Ergebnisse verzerren.

Einer der ersten großen Berichte der American Alliance for Medical Cannabis (AAMC) behauptete, dass Cannabis Menschen mit Diabetes folgende Vorteile bringen könnte:

-Stabilisierung des Blutzuckerspiegels.

-Entzündungshemmende Wirkung, die einen Teil der bei Diabetes häufigen Entzündungen in den Arterien dämpfen könnte.

-„Neuroprotektive“ Effekte, die bei Nervenentzündungen helfen könnten.

-Wirkung als „Vasodilatator“, der die Blutgefäße weit hält und die Durchblutung verbessert.

-Hilfe dabei, den Blutdruck langfristig zu senken.

-Einsatz in Cremes zum Auftragen, um Nervenschmerzen und Kribbeln in Händen und Füßen zu lindern.

Fazit: Die Studien werden zwar größer und genauer, aber die Medizin traut sich noch nicht, eine Wirkung von Cannabis bei Diabetes zu garantieren. Das zeigt vor allem eins: Es braucht noch mehr Forschung, damit Patienten sich bei Behandlungen mit Cannabis und Cannabinoiden sicher fühlen können.