
Dronabinol, Nabilon & Co.: Was Cannabinoide bei Chemo-Übelkeit, Appetit und Krebsschmerz leisten
Gegen Übelkeit nach der Chemo gibt es solide Daten, bei Schmerz und Appetit wird es dünn – ein nüchterner Blick auf die Studien.
Für Patient:innen in der Palliativversorgung ist die Studienlage zu Cannabis gemischt: THC-Präparate wie Dronabinol und Nabilon zeigen in Studien Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen durch die Chemo, wenn Standardmittel nicht reichen. Bei Krebsschmerz und Appetitlosigkeit ist die Evidenz dagegen dünn, und CBD-Tropfen ersetzen keine herkömmlichen Schmerzmittel. Hier fassen wir zusammen, was die Forschung tatsächlich hergibt, wenn es darum geht, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Von den Ergebnissen der Studien bis zu dem, was sie nicht beantworten: Du bekommst ein ehrliches Bild davon, was Cannabinoide im Alltag von Krebspatient:innen ausrichten können – und was nicht.
Helfen CBD-Tropfen und Cannabis-Medikamente bei Krebsschmerzen?
In der Palliativversorgung taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Sind Medikamente auf Cannabisbasis eine wirksame Lösung gegen Krebsschmerz? Die zentrale Aussage der Studienauswertung ist ernüchternd: Bei Schmerzen, die auf morphinähnliche Mittel nicht ansprachen, brachten die Cannabis-Medikamente keine Linderung.

Außerdem lieferten die ausgewerteten Studien keine klare Antwort darauf, wo diese Medikamente im Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Krebsschmerz stehen. Das Fazit: Es braucht besser angelegte Studien, um die Rolle von Cannabis-Medikamenten in der Krebstherapie sauber zu bewerten.
Schmerzen gehören für viele Menschen mit Krebs zum Alltag, und sie werden oft stärker, je weiter die Krankheit fortschreitet. Die WHO empfiehlt bei mittleren bis starken Krebsschmerzen morphinähnliche Medikamente. Trotzdem bekommt etwa eine von sechs bis zehn Personen mit Krebsschmerzen damit keine ausreichende Linderung.
Wie werden Cannabis-Medikamente gegen Schmerzen eingenommen?
Für genau diese Lücke werden verschiedene Cannabisprodukte als Alternative ins Spiel gebracht: die Pflanze selbst, inhaliert oder geschluckt, aber auch Öle, Sprays oder Tabletten mit Cannabis-Wirkstoffen.
Manche Patient:innen berichten, dass ihnen das gegen die Schmerzen hilft. Die aktuelle Forschung zeigt aber vor allem, dass die Studien besser gemacht werden müssen, um die Wirksamkeit von Cannabis-Medikamenten bei Krebsschmerz verlässlich zu beurteilen.
Was zeigt die Studienauswertung zu Cannabis bei Krebsschmerzen?
Das Hauptziel der Auswertung: herauszufinden, ob Cannabis-Medikamente Menschen mit Krebs Schmerzlinderung bringen. Außerdem sollte geklärt werden, ob sie mit unerwünschten oder schädlichen Wirkungen verbunden sind.
Dafür wurden klinische Studien gesichtet, die Cannabis-Medikamente bei Erwachsenen mit Krebsschmerz mit anderen Behandlungen verglichen. Die Ergebnisse wurden ausgewertet und zusammengefasst, wobei auch Methodik und Größe der Studien berücksichtigt wurden.
Gefunden wurden 14 Studien mit insgesamt 1.823 Personen. Sie liefen in verschiedenen Ländern, die meisten in Nordamerika. Manche gaben die Cannabis-Medikamente nur kurz, andere über mehrere Wochen.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Ein Mundspray mit pflanzlichem THC und CBD war bei mittleren bis starken Krebsschmerzen trotz Opioidbehandlung nicht wirksamer als ein Placebo. Die Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich.
- Ein synthetisches Cannabinoid, das die Wirkung von THC nachahmt, brachte offenbar keinen nennenswerten Vorteil gegen Schmerzen durch Chemo- oder Radiochemotherapie bei Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren und bestimmten Formen von Lungenkrebs.
- Eine Einzeldosis eines synthetischen THC-ähnlichen Cannabinoids könnte etwas Schmerzlinderung bringen, unterschied sich aber nicht wesentlich von einer vergleichbaren Dosis eines morphinähnlichen Medikaments.
- CBD brachte bei Menschen mit fortgeschrittenem Krebs in der Palliativversorgung offenbar keinen zusätzlichen Nutzen gegen Schmerzen.
- Wichtig: Es wurde keine Studie gefunden, die direkt die medizinische Cannabispflanze selbst in diesem Zusammenhang untersucht hat. Hier fehlt schlicht Forschung.
Cannabinoide gegen Nebenwirkungen der Krebstherapie: Übelkeit, Appetit und Schmerz
Cannabis und Cannabinoide werden auch als mögliche Helfer gegen die Nebenwirkungen von Krebs und seiner Behandlung untersucht – und gegen die Schmerzen, die damit einhergehen. Das sagt die Forschung dazu.
Übelkeit und Erbrechen durch die Chemo
- Delta-9-THC, geschluckt in Form von Medikamenten wie Dronabinol und Nabilon, zeigte in Studien Wirkung gegen chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen bei Patient:innen, denen die Standardbehandlung nicht hilft.
- Nabiximols, ein Cannabisextrakt als Mundspray, zeigte in einer klinischen Studie ebenfalls Vorteile gegen Übelkeit und Erbrechen durch die Chemo.
Auch inhaliertes Cannabis wurde gegen diese Beschwerden untersucht, aber um einen Nutzen zu belegen, braucht es noch mehr Forschung.
Appetitlosigkeit bei fortgeschrittenem Krebs
In klinischen Studien war Delta-9-THC (Dronabinol) bei fortgeschrittenem Krebs nicht besser als andere Medikamente, um den Appetit anzuregen.
Zur Wirkung von inhaliertem Cannabis auf den Appetitverlust bei Krebspatient:innen gibt es bisher keine veröffentlichten Studien.

Schmerzen: Vaporizer, Mundspray, Kapseln
Laut einer Studie brachte verdampftes Cannabis zusammen mit Opioiden bei chronischen Schmerzen eine bessere Linderung als Opioide allein.
Randomisierte kontrollierte Studien deuten außerdem darauf hin, dass inhaliertes Cannabis neuropathische Schmerzen lindern kann, auch bei Krebspatient:innen.
Einige Studien mit Cannabisextrakten unter der Zunge zeigten Schmerzlinderung bei fortgeschrittenem Krebs – die oben zitierte Auswertung fand allerdings keinen klaren Nutzen.
Geschlucktes Delta-9-THC zeigte in mehreren klinischen Studien eine Linderung krebsbedingter Schmerzen.
Trotzdem hat die US-Arzneimittelbehörde FDA weder Dronabinol noch Nabilon zur Behandlung von Krebsschmerzen zugelassen.
In einer randomisierten kontrollierten Studie zeigten nicht näher bestimmte Cannabisprodukte bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium keine nennenswerten Veränderungen bei Symptomen oder Nebenwirkungen.
Das Interesse an Cannabis und Cannabinoiden für Krebspatient:innen wächst, aber um Wirksamkeit und Sicherheit wirklich zu verstehen, braucht es mehr Studien. Sprich jede Änderung deiner Therapie mit deinem Behandlungsteam ab.
DER CLUB
Werde Teil der Community
Grower mit Namen und Gesicht, rückverfolgbare Chargen, eine echte Community. Kein Gerede, keine leeren Versprechen.
Dem Club beitretenWEITERLESEN
GESUNDHEITMigräne: Auslöser meiden, Attacken lindern und die Rolle von Cannabis
Was Migräne ist, welche Trigger du kennen solltest, was bei einer Attacke hilft und warum Cannabis nicht bei allen gleich wirkt.
GESUNDHEITWie medizinisches Cannabis das Kiffer-Stigma abbaut
Von der Propaganda zur Patientenversorgung: warum das Bild vom kriminellen Kiffer langsam verschwindet.