Cannabis gegen Schmerzen: Zwei Irrtümer, die du vermeiden solltest
GESUNDHEIT

Cannabis gegen Schmerzen: Zwei Irrtümer, die du vermeiden solltest

Ein Joint ist kein Medikament, und die Studienlage zu Cannabis als Schmerzmittel ist dünner, als viele glauben. Was du wissen solltest, bevor du loslegst.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Wer Cannabis gegen Schmerzen einsetzen will, macht häufig zwei Fehler: Er hält einen Joint für ein Medikament, und er überschätzt, was die Forschung bisher belegt. Die Evidenz für eine starke Schmerzlinderung durch Cannabinoide ist schwach, deshalb gehört die Anwendung in ärztliche Begleitung. Schon der Begriff „Cannabinoide“ sorgt oft für Verwirrung: Gemeint sind hier Arzneimittel, die aus der Cannabispflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt und therapeutisch eingesetzt werden.

Sie lassen sich oral, über die Nase, unter der Zunge (sublingual) oder äußerlich anwenden, denn man kann sie rauchen, inhalieren, ins Essen mischen oder als Tee aufgießen.

Cannabis ist ein Naturprodukt mit Hunderten aktiven Stoffen, deren genaue Zusammensetzung oft schwer zu bestimmen ist, und es wird seit Tausenden von Jahren als Heilmittel mit vielen möglichen Vorteilen genutzt. Wenn es darum geht, Beschwerden zu behandeln oder Cannabis therapeutisch einzusetzen, sollte man deshalb eigentlich vom CBD sprechen, einem der spannendsten Wirkstoffe der Pflanze. 

Cannabidiol (kurz CBD) ist ein Stoff aus der Pflanze Cannabis sativa, die als Cannabis oder Hanf bekannt ist. Eine verschreibungspflichtige Form von CBD wird bei Krampfanfällen (Epilepsie) eingesetzt. Darüber hinaus wird CBD bei Angst, Schmerzen, einer Muskelerkrankung namens Dystonie, Parkinson, Morbus Crohn und vielen anderen Erkrankungen genutzt, die weltweit noch erforscht werden.

Weil CBD nicht psychoaktiv ist, also nicht high macht, darf es zumindest in Argentinien unter bestimmten Auflagen und Vorgaben verkauft werden. Dass es nicht berauscht, ist einer seiner großen Vorteile.

Wer es nutzen will, sollte sich aber am besten von einer Fachperson für Cannabismedizin begleiten lassen, denn zwei Fehler passieren immer wieder. Hier sind sie. 

Erster Irrtum

Immer wieder verwechseln Leute Cannabis mit CBD, also mit dem Molekül, das als Wirkstoff in Medikamenten eingesetzt wird. Aus diesem Missverständnis entsteht der erste Irrtum: zu glauben, ein Joint sei ein Medikament. Das ergibt keinen Sinn, denn da gibt es weder Dosierung noch Kontrolle. 

Darum gilt: Unterscheide zwischen dem Freizeitkonsum von gerauchtem Cannabis ohne ärztliche Kontrolle und einem Medikament, das reguliert ist, im Labor hergestellt wird und dessen Wirkstoff in vielen Fällen eben CBD ist. 

Zweiter Irrtum

Cannabis ist seit Jahrtausenden bekannt, doch Verbote, falscher Gebrauch, der Schwarzmarkt und vieles mehr haben dazu geführt, dass es an klinischer Evidenz fehlt. 

Wir haben es mit einer uralten Pflanze zu tun, die bei vielen Leiden und Behandlungen eingesetzt wurde und bei der es noch viel zu erforschen gibt, auch was ihre weiteren Anwendungen und ihr Potenzial angeht. 

Es gibt zwar vernünftige Belege dafür, dass Cannabinoide (vor allem THC und seine Abkömmlinge) bei Krebspatient:innen gegen Übelkeit und Erbrechen helfen, bei manchen die Stimmung heben und eine gewisse schmerzlindernde Wirkung haben. Weil die Forschung aber so lückenhaft ist, ändern sich die Empfehlungen zur wirksamen Anwendung ständig.

Viele Menschen berichten, dass ihnen Cannabis gutgetan hat. Es gibt aber keine soliden wissenschaftlichen Belege dafür, dass Cannabinoide in irgendeiner Dosis oder Darreichungsform eine starke Schmerzlinderung bringen. Nach heutigem Stand ist die Wirksamkeit von Cannabinoiden, Cannabis oder CBD als Schmerzmittel gering bis sehr gering. Manche Studien zeigen sogar einen negativen Effekt.  

Weil es so wenig gesicherte Informationen gibt, dafür viele falsche oder noch unerforschte, empfehlen wir bei CosechaLibre einen vorsichtigen Umgang mit CBD: ärztlich verschrieben und unter professioneller Aufsicht, wenn es um Beschwerden und Erkrankungen geht. 

Unsere Vorfahren haben der Pflanze viel zu verdanken, aber Tradition ersetzt keine Evidenz. Wenn du Cannabis gegen Schmerzen nutzt, dann mit ärztlicher Begleitung. Und wir setzen uns dafür ein, dass in Argentinien mehr dazu geforscht wird, damit mehr Menschen Zugang bekommen und besser leben können.