
Cannabis und Klimawandel: Wie groß ist der CO2-Fußabdruck von Gras?
Indoor-Grows fressen Strom, illegale Plantagen fressen Wald – und legaler Hanf könnte Teil der Lösung sein.
Cannabisanbau trägt zum Klimawandel bei – vor allem Indoor, weil Lampen, Lüftung und Klimatechnik viel Energie verbrauchen, und dort, wo illegale Plantagen Wald und Wasser fressen. Gleichzeitig bindet die Pflanze beim Wachsen CO2, und legal angebauter Hanf kann nachhaltiger produziert werden als viele andere Kulturen. Die spannende Frage ist also: Wie groß ist der Fußabdruck wirklich, und wie kann die Branche vom Problem zum Teil der Lösung werden?
Cannabis wird seit Jahrhunderten als Heil- und Genussmittel geschätzt und ist lange im Schatten von Verbot und Stigma gewachsen. Mit der Legalisierung in immer mehr Ländern wächst jetzt auch die Branche – und mit ihr neue Chancen, neue Probleme und die ziemlich berechtigte Frage, wie umweltverträglich das alles ist.
Deshalb schauen wir uns an, wie der Cannabisanbau zu Treibhausgasemissionen, zur Übernutzung von Wasser und zu anderen Umweltschäden beiträgt. Und wir zeigen, wie Grower und die Branche insgesamt ökologischer arbeiten und ihren CO2-Fußabdruck verkleinern können.

Was der UN-Weltdrogenbericht über Drogen und Umwelt sagt
Der Weltdrogenbericht 2022 des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) stellt einen Zusammenhang her, den kaum jemand auf dem Schirm hatte: Drogenkonsum und Klimawandel. Das Thema ist wenig erforscht, gewinnt aber an Gewicht – und auch der Joint taucht darin als Teil des globalen Umweltproblems auf.
Der Bericht geht nicht nur auf die üblichen Themen wie Gesundheit, Kriminalität und Wirtschaft ein, sondern auch auf die direkten Folgen für Ökosysteme. Er betont, dass die Umweltzerstörung vor allem ärmere Länder trifft, und macht klar: Auch scheinbar private Entscheidungen wie einen Joint zu rauchen oder Koks zu ziehen haben Folgen, die weit über die eigene Person hinausgehen.
Wie viel CO2 entsteht bei der Drogenproduktion?
Besonders krass ist der Unterschied bei den CO2-Emissionen zwischen verschiedenen Drogen. Kokain etwa verursacht pro Kilo 30-mal mehr CO2 als Kakaobohnen. Jedes Jahr setzt die Kokainproduktion 8,9 Millionen Tonnen CO2 frei – so viel wie fast zwei Millionen Autos.
Auch Cannabis steht beim Thema Umwelt im Fokus, vor allem der Indoor-Anbau, der deutlich mehr Emissionen verursacht als Outdoor-Plantagen. Schuld sind die energiehungrige Klimatechnik und die starken Lampen, die eine Growbox oder eine Indoor-Halle braucht.
Der Bericht stellt zwar klar, dass die Drogenwirtschaft global betrachtet nicht mit Branchen wie der legalen Landwirtschaft oder der Pharmaindustrie mithalten kann. Vor Ort sind die Folgen aber erheblich: Abholzung, verschmutztes Wasser, belastete Böden und schlechte Luft, vor allem in Ländern mit wenig Ressourcen.
Die Studie bringt damit einen Zusammenhang ans Licht, der bisher kaum beachtet wurde, und zeigt, wie sehr unsere individuellen Entscheidungen das empfindliche Gleichgewicht des Planeten beeinflussen können.

Illegaler Anbau für den Drogenhandel: Abholzung und Klimawandel
Illegale Plantagen für den Drogenhandel – Koka, aber auch Cannabis – sind nicht nur ein Problem für die öffentliche Gesundheit. Sie hinterlassen auch tiefe Spuren in der Umwelt, vor allem durch Abholzung und ihren Beitrag zum Klimawandel.
Gut sieht man das in Kolumbien: In den Regionen Putumayo und Catatumbo hängt rund 50 % der Abholzung direkt mit dem Anbau von Kokasträuchern zusammen, dem Rohstoff für Kokain.
In Catatumbo ist die Anbaufläche in den Bergregionen zwischen 2015 und 2020 um 272 % gewachsen. Ein Geschäft, das außer Kontrolle läuft: Pro Kilo Kokain entstehen etwa 590 Kilo Kohlendioxid – so viel wie beim Verbrennen von 220 Litern Treibstoff.
Und das betrifft nicht nur Kolumbien. In Ländern wie Marokko und Nigeria hat der Cannabisanbau ohnehin fragile Ökosysteme schwer belastet. Neben der Abholzung beobachtet man dort deutlich mehr Wasserknappheit und einen Verlust an Artenvielfalt – ein klares Zeichen, wie eng Drogenproduktion und Umweltzerstörung zusammenhängen.
Diese Zahlen zeigen: Es reicht nicht, nur über die sozialen und gesundheitlichen Folgen von Drogen zu reden. Es braucht auch wirksame Maßnahmen gegen die Umweltzerstörung, die mit Produktion und Vertrieb illegaler Substanzen einhergeht. Ökosysteme schützen, den Klimawandel bremsen und den Drogenanbau weltweit in geregelte Bahnen lenken – das hängt alles zusammen.
Kann Cannabis nachhaltig sein? Die Perspektiven
Im Kampf gegen den Klimawandel sucht die Menschheit nach neuen, nachhaltigen Lösungen. Und ausgerechnet der legale Anbau von Cannabis taucht dabei als unerwarteter, aber potenziell positiver Mitspieler auf.
Nachhaltiger Hanfanbau
Hanf, eine Varietät von Cannabis sativa L., wird seit Jahrhunderten nachhaltig angebaut und erlebt gerade dank des CBD-Booms ein Comeback.
Mit einem THC-Gehalt unter 0,2 % (der genaue gesetzliche Grenzwert hängt vom Land ab) macht Hanf nicht high und ist deshalb aus Nachhaltigkeitssicht besonders interessant. Die vielseitige Pflanze lässt sich komplett verwerten – von den CBD-reichen Blüten und den Samen bis zu Fasern und Stängel. So bleibt kaum Abfall übrig, und aus jeder Pflanze wird das Maximum rausgeholt.
Bio-Anbau und regenerative Landwirtschaft
Der Cannabisanbau kann nachhaltigere Methoden wie Bio-Anbau und regenerative Landwirtschaft voranbringen. Organischer Dünger, Kompost und Fruchtwechsel verbessern die Bodenqualität und die Artenvielfalt und senken gleichzeitig die Treibhausgase, die bei der Herstellung von Mineraldünger entstehen. Dazu kommt: Die Wurzeln von Cannabis nehmen Schwermetalle und andere Schadstoffe auf und können so belastete Böden verbessern.
Wie viel CO2 bindet Cannabis?
Wie jede Pflanze nimmt auch Cannabis bei der Photosynthese große Mengen Kohlendioxid (CO2) auf. Damit hat der Anbau das Potenzial, CO2 aufzunehmen und zu speichern und so einen Teil der Treibhausgasemissionen auszugleichen.
Manche Sorten wachsen sehr schnell und binden viel Kohlenstoff – sie könnten bei Aufforstungsprojekten und bei der Renaturierung von Ökosystemen eine wertvolle Rolle spielen.
Das Feld ist noch wenig erforscht, aber erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabisanbau einen Weg zu nachhaltigeren Methoden öffnen und im Kampf gegen den Klimawandel helfen könnte – vorausgesetzt, er wird klug betrieben.
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