
Kann Cannabis Krankheiten auslösen? Risiken, Nutzen und was die WHO sagt
Psychosen, Abhängigkeit, Lunge: welche Krankheiten Cannabis auslösen oder verschlimmern kann, wo es medizinisch eingesetzt wird und was die WHO dazu sagt.
Ja, Cannabis kann bei manchen Menschen Krankheiten auslösen oder verschlimmern – vor allem psychische Störungen wie Psychosen, dazu Abhängigkeit, Atemwegsprobleme und, bei Jugendlichen, Einbußen beim Lernen und Gedächtnis. Gleichzeitig wird die Pflanze seit Jahrhunderten zum Genuss, als Medizin und in spirituellen Ritualen genutzt, und viele Länder haben sie inzwischen für therapeutische Zwecke legalisiert. Entscheidend sind wie so oft Dosis, Häufigkeit und wer konsumiert.
Welche Krankheiten werden mit Cannabiskonsum in Verbindung gebracht?
Cannabis gilt im Vergleich zu manch anderen Substanzen als relativ sicher, ist aber nicht frei von Risiken – besonders bei bestimmten Gruppen und bei übermäßigem Konsum. Diese Krankheiten und Probleme werden mit dem Kiffen in Verbindung gebracht:
- Psychosen und psychische Störungen: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychosen, also Zuständen mit Halluzinationen oder Paranoia. Bei manchen Menschen kann Cannabis psychische Erkrankungen wie Schizophrenie auslösen oder verschlimmern.
- Abhängigkeit: Wer häufig kifft, kann eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Manche haben Mühe, ihren Konsum zu kontrollieren, und bekommen Entzugserscheinungen, wenn sie aufhören wollen.
- Atemwegsprobleme: Gras zu rauchen kann ähnliche Probleme machen wie Tabak: chronischen Husten, Bronchitis und Schäden an der Lunge.
- Kognitive Probleme: Vor allem Konsum im Jugendalter wird mit Einbußen bei den geistigen Fähigkeiten in Verbindung gebracht, was Lernen und Gedächtnis beeinträchtigen kann.
- Fahren unter Einfluss: Cannabis kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen und erhöht damit das Unfallrisiko im Straßenverkehr.
Hat Cannabis auch gesundheitliche Vorteile?
Genauso wichtig: Für medizinisches Cannabis gibt es bei bestimmten Krankheiten Hinweise auf einen Nutzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkennt das therapeutische Potenzial einiger Cannabis-Wirkstoffe an und spricht sich für Forschung und einen kontrollierten medizinischen Einsatz aus.
Bei diesen Krankheiten und Symptomen wird medizinisches Cannabis häufig eingesetzt:
- Schmerzen: Patient:innen berichten von Linderung bei chronischen Schmerzen, besonders bei Krebs oder anderen Erkrankungen mit starken Schmerzen.
- Übelkeit und Erbrechen: Cannabis kann helfen, Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie und andere Behandlungen zu verringern.
- Neurologische Erkrankungen: Einige neurologische Erkrankungen wie Epilepsie und das Dravet-Syndrom, eine seltene und schwere Epilepsieform im Kindesalter, sprechen in Studien teilweise gut auf medizinisches Cannabis an.

Das Verhältnis zwischen Cannabis und Gesundheit ist kompliziert. Die Pflanze hat ein mögliches medizinisches Potenzial, bringt aber auch Risiken mit, vor allem bei übermäßigem Konsum und bei besonders gefährdeten Gruppen. Gerade der medizinische Einsatz gehört in ärztliche Begleitung und muss sich an die Gesetze vor Ort halten. Wie bei jeder Substanz gilt: informiert entscheiden und Nutzen wie Risiken ehrlich abwägen.
Was sagt die WHO zu Cannabis?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich mit Cannabis und seinen Wirkstoffen beschäftigt und dazu mehrere Berichte und Stellungnahmen veröffentlicht. Das Wichtigste im Überblick:
- Medizinischer Nutzen: Die WHO erkennt das therapeutische Potenzial einiger Cannabis-Wirkstoffe an. Besonders hebt sie Cannabidiol (CBD) hervor, einen nicht berauschenden Wirkstoff, der bei verschiedenen Erkrankungen vielversprechend erscheint. Laut WHO scheint CBD weder ein Missbrauchspotenzial zu haben noch ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darzustellen.
- Risiken: Gleichzeitig weist die WHO darauf hin, dass Cannabiskonsum mit verschiedenen Gesundheitsrisiken verbunden ist, besonders bei hohem Konsum. Dazu gehören psychische Probleme wie Psychosen, problematischer Konsum und Atemwegsprobleme.
- Mehr Forschung: Die WHO fordert mehr wissenschaftliche Forschung zu Cannabis und seinen Wirkstoffen. Sie räumt ein, dass die Datenlage in vielen Punkten dünn ist und es mehr Studien braucht, um Nutzen und Risiken vollständig zu verstehen.
- Sinnvolle Regulierung: Die WHO betont außerdem, wie wichtig eine passende Regulierung ist, gerade beim medizinischen Einsatz. Regeln und Kontrolle sollen im Verhältnis zu den Risiken stehen und auf wissenschaftlichen Belegen beruhen.
- Unterschiede zwischen den Wirkstoffen: Die WHO unterscheidet zwischen den einzelnen Bestandteilen von Cannabis, denn nicht alle bringen dieselben Risiken oder Vorteile mit. CBD gilt zum Beispiel als weniger riskant als Tetrahydrocannabinol (THC), der Wirkstoff, der high macht.
Unterm Strich sieht die WHO in Cannabis und seinen Wirkstoffen mögliche Anwendungen für die Medizin, besteht aber auf vernünftiger Regulierung und Kontrolle. Und sie fordert mehr Forschung, um die gesundheitlichen Risiken und Vorteile besser zu verstehen.

Was ist schädlicher: Tabak oder Cannabis?
Tabak und Cannabis zu vergleichen, ist nicht ganz einfach, denn beide können der Gesundheit deutlich schaden. Ein grober Vergleich der wichtigsten Punkte:
- Lunge:
- Tabak: Rauchen ist eine der Hauptursachen für Lungenkrankheiten wie Lungenkrebs und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Tabakrauch enthält jede Menge giftige und krebserregende Stoffe.
- Cannabis: Auch Gras zu rauchen kann die Lunge schädigen, denn der Rauch enthält ebenfalls Reizstoffe und krebserregende Substanzen. Einige Studien deuten aber darauf hin, dass das Lungenkrebsrisiko geringer sein könnte als bei Tabak – vor allem, weil anders konsumiert wird: Kiffer rauchen meist weniger Joints am Tag als Raucher Zigaretten.
- Sucht:
- Tabak: Nikotin macht stark abhängig, und viele schaffen es nur mit Mühe, mit dem Rauchen aufzuhören.
- Cannabis: Cannabis macht zwar nicht so abhängig wie Nikotin, aber manche Menschen werden trotzdem abhängig, vor allem bei regelmäßigem Konsum.
- Psyche:
- Tabak: Nikotin wirkt kaum psychoaktiv, aber wer aufhört, bekommt oft Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit und Unruhe.
- Cannabis: Cannabis enthält den psychoaktiven Wirkstoff THC, der vor allem in hohen Dosen Denken und geistige Leistung beeinträchtigen kann. Bei manchen Menschen kann er psychische Probleme auslösen oder verschlimmern.
- Gesellschaft:
- Tabak: Tabak ist fast überall legal erhältlich, aber auch Passivrauchen kann den Menschen in deiner Umgebung schaden.
- Cannabis: Ob Cannabis legal und gesellschaftlich akzeptiert ist, hängt stark vom Ort ab. In manchen Ländern ist der Konsum als Genussmittel oder als Medizin erlaubt.
Fazit: Tabak und Cannabis bergen beide Gesundheitsrisiken, aber welche das sind und wie schwer sie wiegen, ist unterschiedlich. Am gesündesten ist es natürlich, auf schädliche Substanzen ganz zu verzichten. Ob jemand zu Tabak oder Cannabis greift, hängt von vielen Faktoren ab, auch von der Rechtslage und persönlichen Vorlieben – beide können aber Körper und Psyche schaden.
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