Cannabis kreuzen: Mit Pinsel, Sprühflasche oder Beutel zur eigenen Kreuzung
ANBAU

Cannabis kreuzen: Mit Pinsel, Sprühflasche oder Beutel zur eigenen Kreuzung

Männchen isolieren, Pollen sammeln, einen Bud bestäuben: So kreuzt du zwei Sorten, ohne dir die ganze Ernte zu versauen.

VON CosechaLibre Redaktion8 MIN LESEZEIT

Cannabis kreuzen: Wie funktioniert das in der Praxis?

Cannabis kreuzt du, indem du die Buds einer weiblichen Pflanze gezielt mit dem Pollen eines ausgewählten Männchens bestäubst: Pollen sammeln, mit Pinsel, Sprühflasche oder Beutel auf ein, zwei Buds bringen, fertig. Der beste Zeitpunkt ist die dritte bis vierte Blütewoche der Weibchen, und nach etwa sechs bis sieben Wochen sind die Samen reif. Entscheidend ist, dass das Männchen vorher isoliert wird, damit es nicht den ganzen Garten bestäubt.

Ideal ist es, wenn die Pflanzen mitten in der Blüte stehen, bei den frühesten Sorten aber noch mehr als ein Monat bis zur Ernte bleibt. Genau dann lohnt es sich, wenn dir ein Männchen untergekommen ist oder du jemanden kennst, der dir etwas Pollen abgibt. 

Hybride, also das Ergebnis einer Kreuzung zweier Cannabissorten, sind neue Strains mit eigenen Qualitäten: neue Aromen, andere Wirkungen, andere Wuchsformen. Das Schöne daran: Was am Ende rauskommt, kann völlig überraschen und richtig gut schmecken. 

Moderne Hybride sind das Ergebnis langer, harter Zucht- und Selektionsarbeit. Das Ziel ist immer eine neue Sorte mit anderen oder besseren Eigenschaften. Kurz gesagt: Man will genau das verstärken, was man am Cannabis schätzt, sei es Geschmack, Wirkung, Wirkdauer, Anpassung an das Klima, Lebenszyklus oder etwas anderes.

Die meisten Grower wollen nur Weibchen, damit die Ernte samenfrei bleibt. Steht irgendwo im Grow oder in der Nähe ein Männchen, kann dessen Pollen einige oder alle weiblichen Blüten befruchten, und dann wartet eine eher unschöne Überraschung: Samen in den Buds. 

Besamte Blüten zu rauchen macht keinen Spaß. Sichtbare Samen lassen sich leicht rauspulen, aber wenn du einen übersiehst und er im Grinder landet, wird es eklig: Die zerdrückte Samenschale schmeckt furchtbar und versaut dir einen eigentlich leckeren Bud.

Der erste Schritt ist deshalb, Männchen rechtzeitig zu erkennen und rauszunehmen, es sei denn, du willst ganz bewusst ein paar Samen für die nächsten Grows. Wie das klappt, ohne dass du dir die Ernte ruinierst, liest du hier. 

Vorbereitung: Männchen auswählen und isolieren

Sobald du mindestens eine Pflanze von jedem Geschlecht hast, musst du das Männchen isolieren. Männliche Blüten entwickeln sich schnell und öffnen sich nach wenigen Tagen, um ihren ganzen Pollen freizulassen, und genau das willst du verhindern. Für ein paar Samen reicht es völlig, ein oder zwei Buds zu bestäuben. 

Such dir zuerst das beste Männchen aus. Männchen gehen meist früher in die Blüte als Weibchen und zeigen früher ihre Vorblüten. Die Natur hat das so eingerichtet: Wenn sich ihre Blüten öffnen und die Staubbeutel den Pollen freigeben, sollen die Weibchen schon voll in der Blüte stehen und möglichst viele Kelche haben. 

Natürlicherweise passiert das ab der dritten oder vierten Blütewoche der Weibchen. Damit das Männchen seinen Pollen aber nicht im ganzen Garten verteilt, stell es in einen geschlossenen Raum, zum Beispiel ins Haus hinter ein Fenster, ohne viel Luftzug. Das Licht muss in dieser Phase nicht perfekt sein, die Blüten entwickeln sich trotzdem weiter. Sobald du etwas Pollen gesammelt hast, kannst du dich vom Männchen verabschieden: abschneiden, in eine gut verschlossene Plastiktüte stecken und ab in die Tonne.

Es kann passieren, dass das Männchen den Weibchen davonläuft und die noch nicht bei Woche drei oder vier der Blüte sind und noch keine ordentlichen Buds haben. Dann hilft es, das Männchen etwas zurückzuschneiden: Nimm die am weitesten entwickelten Blüten, die kurz vor dem Aufgehen stehen, weg und lass immer ein paar halb entwickelte stehen. 

Los geht’s: Pollen sammeln und die vier Bestäubungsmethoden

Frischer Pollen hält etwa 3 bis 4 Tage, nachdem du ihn aus den männlichen Blüten geholt hast, dann lässt die Keimfähigkeit nach. Du kannst ihn auch einfrieren. Der Vorteil: 

Er hält so deutlich länger, und wenn du ihn bei Zimmertemperatur auftauen lässt, ist er wieder voll einsatzfähig für deine Kreuzungen. 

Pollen zu sammeln ist kein Hexenwerk: Sobald du eine offene Blüte siehst, halt ein kleines Döschen darunter und klopf leicht dagegen, dann rieselt ein gelbliches Pulver heraus. Alternativ pflückst du ein paar noch geschlossene Blüten und legst sie an einen trockenen Ort. Nach etwa 24 bis 48 Stunden haben sie sich geöffnet und du klopfst den Pollen einfach raus. 

Das Gute an diesem Schritt: Es gibt mehrere Bestäubungsmethoden, und alle funktionieren gleich gut. Nimm einfach die, die dir am bequemsten ist. Hier ein kurzer Überblick: 

Pinsel: Du sammelst den Pollen in einem Döschen. Wenn möglich, deckst du die ganze Pflanze mit einem Plastiksack ab und lässt nur einen unteren Ast frei, mit dem du arbeitest. Dann tunkst du vorsichtig den Pinsel in den Pollen und streichst und tupfst ihn über den Bud.

Sprühflasche: Den gesammelten Pollen mischst du mit destilliertem Wasser und füllst ihn in eine kleine Sprühflasche. Wie beim Pinsel deckst du die Pflanze ab, lässt einen Ast draußen und sprühst den Bud ein, bis er komplett benetzt ist.

Beutel: Du gibst den Pollen in einen Beutel, am besten einen Zipbeutel, weil der sich leicht verschließen lässt. Dann steckst du vorsichtig einen Bud hinein, verschließt den Beutel eng um den Ast und schüttelst ihn leicht, damit sich der Pollen auf dem Bud verteilt.

Natürliche Bestäubung: Dafür brauchst du von Anfang an ein paar spät angesetzte, kleine weibliche Stecklinge von etwa 30 bis 40 cm, die du komplett bestäubst. Du lässt sie ein paar Tage drinnen direkt neben dem Männchen stehen und die Natur erledigt den Rest.

Wenn du die Pflanze abdecken musst, mach das in den kühlen Stunden des Tages, denn die Abdeckung bleibt ein paar Stunden drauf. Danach braust du den bestäubten Bud mit einer Sprühflasche Wasser ab, um die Pollenreste zu entfernen. Und markier den Bud mit einem Etikett oder was dir sonst einfällt, damit du ihn später nicht verwechselst.

Hat die Kreuzung geklappt? Daran erkennst du es

Schon bald siehst du, dass die Narben, also die Stempel oder weißen Härchen, wie auch immer du sie nennen willst, welken und eintrocknen. Sie verlieren das typische Weiß, das man aus der laufenden Blüte kennt. Das ist das eindeutige Zeichen, dass es geklappt hat. 

Ab jetzt bilden die Kelche in ihrem Inneren Samen. Sie schwellen an und zeigen einen Längsstreifen auf der Oberseite, der aufreißt und den Samen freigibt, sobald er seine endgültige Größe erreicht hat.

Die Samen brauchen ungefähr sechs bis sieben Wochen, um sich vollständig zu entwickeln. Eine Pflanze, die Samen produzieren soll, hat laut der Quelle etwas andere Nährstoffbedürfnisse als eine, die nur Blüten liefern soll: Samen brauchen viel Stickstoff, Blüten vor allem Phosphor und Kalium. 

Mit einem normalen Blütedünger hast du in der Regel keine Probleme. Bestäubst du aber eine kleine Pflanze oder einen ganzen Steckling, kann es sich lohnen, das zu berücksichtigen, um bessere Samen zu bekommen.

Manchmal sind die Buds schon erntereif, die Samen aber noch nicht dunkel gefärbt. Dann kannst du die Pflanze abschnittsweise ernten und den Ast mit dem oder den bestäubten Buds noch ein bis zwei Wochen stehen lassen. Achte in der Zeit aber besonders auf Regen und zu hohe Luftfeuchtigkeit. 

Die besamten Buds trocknest du ganz normal, legst aber etwas darunter, falls Samen beim Trocknen herausfallen. Profi-Tipp: Ein Pappkarton ist dafür perfekt.

Zum Schluss holst du die Samen aus den Buds, das kann etwas dauern. Du packst sie in ein Döschen und lagerst sie wie alle anderen Samen: kühl und trocken. 

Nach fünf bis sechs Monaten sind sie perfekt zum Keimen. Ein bisschen Nachreifen schadet aber nie. 

Die übrigen Blütenreste sind voller Harz und eignen sich super für eine Trockenextraktion mit einem Hash Shaker. Du kannst sie auch so rauchen, aber pass beim Mahlen gut auf, es könnte noch ein verirrter Samen drin sein.

Männliche Pflanze

Wie wird Cannabis bestäubt? Die Grundlagen

Zum Bestäuben brauchst du eine weibliche und eine männliche Pflanze. Bei der Bestäubung werden die weiblichen Blüten befruchtet, damit sie Samen bilden. Wenn deine Weibchen keine Samen machen sollen, müssen die Männchen raus aus dem Grow, sonst kommt es zu ungewollter Bestäubung.

Dabei wird der Pollen des Männchens während der Blüte auf die Buds des Weibchens gebracht. Für die besten Ergebnisse wartest du, bis das Weibchen mindestens 4 bis 6 Wochen alt ist und in der Blüte steht.

In Argentinien, wo diese Anleitung herkommt, gibt es viele Sorten mit unterschiedlicher Genetik, darunter Hybride aus verschiedenen Linien. Informier dich über die Eigenschaften jeder Sorte und wähl die, die zu deinem Grow passt. Übrigens lässt sich auch das Geschlecht einer weiblichen Pflanze umkehren, etwa mit kolloidalem Silber, damit sie Pollen bildet und du feminisierte Samen bekommst.

Wie du siehst, ist das Ganze ein langer Prozess, aber er lohnt sich für Grower und Genießer gleichermaßen. Wer gern experimentiert, hat hier eines der spannendsten Projekte, die das Growen zu bieten hat.