
Cannabis und Menstruationszyklus: 5 Wege, wie THC deine Periode beeinflusst
Eisprung, Regelschmerzen, PMS, Zykluslänge und Einnistung: was die Forschung bisher weiß und wo sie noch im Dunkeln tappt.
Cannabis kann den Menstruationszyklus auf mehreren Ebenen beeinflussen: Studien deuten darauf hin, dass THC den Eisprung hemmen, die Zykluslänge verändern und die Einnistung eines Embryos stören könnte, und viele Frauen berichten, dass Gras Regelschmerzen und PMS-Beschwerden lindert. Vieles davon stammt allerdings aus Tierversuchen oder kleinen, älteren Studien. Weil Cannabis heute, ob zum Spaß oder als Medizin, deutlich häufiger konsumiert wird als noch vor ein paar Jahren, wächst auch das Interesse daran, was es im Körper alles beeinflusst.
Frauen, die kiffen, berichten oft von Veränderungen in ihrem Zyklus, und die Forschung fängt gerade erst an, diesen Beobachtungen auf den Grund zu gehen.
Wer diese Zusammenhänge versteht, bekommt ein klareres Bild davon, wie Cannabis auf die weibliche Gesundheit wirkt, und Frauen können besser informiert entscheiden, ob und wie sie konsumieren.

1. Kann THC rund um den Eisprung die Fruchtbarkeit senken?
Zahlreiche Studien haben sich mit dem Zusammenspiel von Endocannabinoid-System und weiblichem Fortpflanzungszyklus beschäftigt. Ein Ergebnis: Der Spiegel von Anandamid, dem wichtigsten körpereigenen Cannabinoid, schwankt im Lauf des Zyklus deutlich.
Am höchsten ist er beim Eisprung, also dann, wenn der Eierstock die Eizelle freigibt. Weil Anandamid die Cannabinoid-Rezeptoren aktiviert (ein sogenannter Agonist), könnte man erwarten, dass auch viel THC, ebenfalls ein Agonist, dem Eisprung nicht schadet.
Forschungsergebnisse aus den 1970er- und 1980er-Jahren deuten aber darauf hin, dass Cannabis, vor allem das THC, bei verschiedenen Säugetieren einschließlich Primaten den Eisprung blockieren kann. Beim Menschen wurde das allerdings nie gezielt untersucht. Offenbar unterdrückt THC die Bildung des luteinisierenden Hormons (LH), das für den Eisprung entscheidend ist.
Wichtig: Wer regelmäßig kifft, entwickelt gegen diesen eisprunghemmenden Effekt möglicherweise eine Toleranz. Wie genau Cannabiskonsum und Eisprung bei Frauen zusammenhängen, muss aber noch besser erforscht werden.
2. Hilft Cannabis gegen Regelschmerzen?
Cannabis wird in der traditionellen Medizin vieler Kulturen gegen Dysmenorrhoe, also schmerzhafte Regelblutungen, eingesetzt. Einer berühmten Anekdote zufolge soll die britische Königin Victoria Cannabis gegen ihre Regelschmerzen genommen haben, unter Aufsicht ihres Leibarztes John Russell Reynolds, der schon früh für den medizinischen Einsatz von Cannabis eintrat.
Auch heute greifen viele Frauen bei Regelschmerzen zu Cannabis und berichten von spürbarer Erleichterung.
Formale Studien, die die Wirksamkeit belegen, gibt es zwar nicht, und die genauen biologischen Abläufe sind noch unklar. Bekannt ist aber, dass THC schmerzlindernd und antinozizeptiv wirken kann.
Schmerzmittel (Analgetika) dämpfen Schmerzen allgemein, während antinozizeptive Stoffe verhindern, dass die Nerven Schmerzsignale überhaupt registrieren. Dazu kommt, dass sowohl THC als auch CBD entzündungshemmende Eigenschaften haben, was die Beschwerden zusätzlich mildern könnte.
Wer Linderung sucht, aber kein High will, kann es mit CBD versuchen.
3. Cannabis und PMS: Wie THC die Hormone vor der Periode beeinflusst
In der Phase vor der Periode, der sogenannten Lutealphase, können Hormonschwankungen jede Menge Beschwerden auslösen: Schmerzen, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Blähungen.
In dieser Phase steigt der Spiegel bestimmter Hormone wie Progesteron deutlich an, während andere, etwa die Östrogene, absinken.
Sind die Beschwerden ungewöhnlich stark, spricht man vom prämenstruellen Syndrom (PMS). Traditionell haben Ärzt:innen bei schwerem PMS zusätzliches Progesteron verschrieben, neuere Untersuchungen zeigen aber, dass das nicht immer hilft.
Die verbreitete Annahme lautet, dass starke prämenstruelle Beschwerden mit zu niedrigem Progesteron zusammenhängen, und zwar genau dann, wenn es eigentlich hoch sein sollte. Manche PMS-Symptome scheinen allerdings eher mit zu viel Progesteron und zu wenig Östrogen verbunden zu sein.
Was Cannabis in der Lutealphase bewirken kann
Klar ist: Starke prämenstruelle Beschwerden, die als PMS gelten, gehen auf Hormonschwankungen und ein hormonelles Ungleichgewicht zurück. Und es gibt Hinweise darauf, dass Cannabis in der Lutealphase, also zwischen Eisprung und Beginn der Periode, einiges bewirken kann.
Cannabiskonsum kann:
- den Progesteronspiegel senken.
- den Spiegel anderer wichtiger Hormone wie Prolaktin und Cortisol verändern.
- die Ausschüttung des luteinisierenden Hormons (LH) hemmen.
Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig beschrieben, aber das Endocannabinoid-System spielt offensichtlich eine wichtige Rolle. Frauen mit starken Beschwerden in dieser Phase könnten deshalb womöglich von Therapien auf Cannabinoid-Basis profitieren.

Tatsächlich berichten weltweit viele Frauen, dass Cannabis ihnen vor der Periode spürbar guttut. Das könnte aber eher an der bekannten entspannenden und angstlösenden Wirkung liegen als an einem direkten Einfluss auf die Hormone.
4. Verkürzt THC den Menstruationszyklus?
Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass THC den Menstruationszyklus verkürzen könnte. In einer Studie von 1986 zur Wirkung von THC auf das luteinisierende Hormon hatten Frauen, die Cannabis bekamen, insgesamt kürzere Zyklen als die Frauen in der Placebogruppe.
Was Studien an Affen zeigen
Spannend: Ältere Studien an Primaten zeigen, dass THC die Zykluslänge zwar verändern kann, aber nicht unbedingt verkürzt. In einer Studie von 1980 an Rhesusaffen hatten die mit THC behandelten Weibchen deutlich längere Zyklen. Bei einem Tier dauerte der Zyklus 145 Tage statt der üblichen 30.
Warum es mehr Forschung braucht
Ob und wie THC die Zykluslänge bei Frauen beeinflusst, muss noch deutlich genauer erforscht werden. Wie beim eisprunghemmenden Effekt ist es möglich, dass regelmäßige Konsumentinnen schnell eine Toleranz gegen mögliche Effekte auf die Zykluslänge entwickeln.
5. Kann THC die Einnistung des Embryos stören?
In den letzten zehn Jahren haben mehrere Studien untersucht, wie das Endocannabinoid-System zentrale Abläufe rund um Empfängnis und Frühschwangerschaft beeinflusst.
Sie zeigen, dass der Anandamid-Spiegel im Lauf des Zyklus stark schwankt und während des sogenannten „Implantationsfensters“ am niedrigsten ist.
Was ist das Implantationsfenster?
Das Implantationsfenster ist der Zeitraum, in dem sich ein Embryo erfolgreich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann. Es öffnet sich meist 6 bis 10 Tage nach dem Eisprung und bleibt etwa drei Tage offen.
Wie THC die Einnistung beeinflussen könnte
In Studien, in denen Anandamid in dieser Phase künstlich erhöht wurde, kam es zu keiner Einnistung. Da Anandamid und THC beide die Cannabinoid-Rezeptoren aktivieren, liegt die Vermutung nahe, dass THC im Implantationsfenster einen ähnlichen Effekt haben könnte. Das ist allerdings eine vereinfachte Vorstellung, die auf ein so komplexes System wie das Endocannabinoid-System nicht unbedingt zutrifft.
Was das für dich bedeutet
Ob THC-reiches Cannabis die Einnistung einer befruchteten Eizelle im Implantationsfenster tatsächlich verhindert, muss noch genauer erforscht werden.
Bis dahin gilt: Wenn du kiffst und schwanger werden willst, hör auf Nummer sicher mit dem Konsum auf und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Einen Zeitraum, der als sicher gilt, kennt man nicht, und in Schwangerschaft und Stillzeit wird vom Konsum abgeraten.
Fazit: Wie Cannabis deinen Zyklus beeinflusst
THC kann den Menstruationszyklus auf verschiedene Weise beeinflussen, etwa indem es ihn möglicherweise verkürzt oder die Einnistung des Embryos stört. Die Forschung läuft noch, und es braucht mehr Belege. Wer schwanger werden möchte, sollte diese möglichen Folgen des Cannabiskonsums aber im Hinterkopf behalten.
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