
Cannabis und Psyche: Was Kiffen mit Gefühlen, Gedächtnis und Denken macht
THC greift in Dopamin, Glutamat und GABA ein. Was Studien zu Gedächtnis, Entscheidungen, Motivation und Lustlosigkeit bei regelmäßigem Konsum zeigen.
Cannabis wirkt über THC auf das Endocannabinoid-System im Gehirn und verändert dort die Signale von Dopamin, Glutamat und GABA, die Stimmung, Motivation, Lernen und Gedächtnis steuern. Studien zeigen bei Menschen mit problematischem Konsum schlechtere Gedächtnisleistungen und Entscheidungen, und täglicher Konsum wird mit Lustlosigkeit (Anhedonie) bei Jugendlichen in Verbindung gebracht. Seit Jahrtausenden bauen Menschen diese Pflanze an und konsumieren sie, und heute untersucht die Wissenschaft immer genauer, wie die Cannabinoide, die aktiven Wirkstoffe von Cannabis, in unsere Psyche eingreifen.
Hier geht es um die komplexe Beziehung zwischen Cannabis und Kopf, mit ihren positiven und negativen Seiten. Von der Wirkung auf die Stimmung bis zu dem, was Gras im Gehirn anstellt, vor allem bei Gedächtnis und Denken: Schritt für Schritt wird klarer, wie die Pflanze mit ihrer Vielfalt an Cannabinoiden beeinflussen kann, wie wir denken, fühlen und die Welt wahrnehmen.
Dabei schauen wir auf aktuelle Forschungsergebnisse und auf die Erfahrungen von Leuten, die ihren Kopf mit Cannabis erkundet haben. Außerdem geht es darum, wie Cannabis mit seinen vielen Sorten und Terpenprofilen nicht nur das Bewusstsein verändert, sondern auch bei verschiedenen psychischen Erkrankungen erforscht und eingesetzt wird.

Wie wirkt Cannabis im Gehirn? Was Wissenschaft und Psychologie sagen
Die Menschheitsgeschichte ist eng mit der Pflanze Cannabis sativa verbunden, die die meisten einfach als Gras oder Marihuana kennen. Über die Jahrhunderte wurde sie vom einfachen Gewächs zum Kulturphänomen, genutzt als Genussmittel und als Medizin in allen möglichen Ecken der Welt.
Als Genussmittel wird Cannabis von Millionen geraucht oder gegessen, und in immer mehr Ländern wird es auch therapeutisch eingesetzt. Das zeigt, wie viele Rollen die Pflanze in unserer Gesellschaft spielt. Aber was macht sie wirklich mit unserem Kopf?
Drei wichtige Studien, erschienen im Journal of Psychopharmacology, in Neuropsychopharmacology und im International Journal of Neuropsychopharmacology, haben in letzter Zeit Licht in die komplexe Beziehung zwischen Cannabis und unserer Kognition gebracht.
Laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) konsumieren weltweit rund 192 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren Cannabis als Genussmittel. Das zeigt, wie verbreitet es ist. Auffällig: Etwa 35 % davon sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, ein großer Teil der Konsumierenden sind also junge Erwachsene, deren Gehirn sich noch entwickelt.
Wie THC auf das Gehirn wirkt
Der wichtigste psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, Tetrahydrocannabinol (THC), wirkt auf das Endocannabinoid-System des Gehirns, in dem Rezeptoren sitzen, die auf die Inhaltsstoffe der Pflanze reagieren. Diese Rezeptoren finden sich vor allem im präfrontalen Kortex und im limbischen System. Sie steuern Belohnung und Motivation und regulieren die Signale wichtiger Botenstoffe wie Dopamin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und Glutamat.
Das hat weitreichende Folgen. Dopamin, bekannt für seine Rolle bei Motivation, Belohnung und Lernen, wird direkt von THC beeinflusst. Auch Glutamat und GABA, die für Gedächtnis und Lernen wichtig sind, spielen mit.
Auf dieser Reise durch Wissenschaft und Psychologie schauen wir uns an, wie Cannabis mit seiner Mischung aus Cannabinoiden unser Erleben formt: vom Endocannabinoid-System bis zu den Feinheiten der Signalübertragung zwischen Nervenzellen.

Macht Kiffen vergesslich? Was Studien zu Gedächtnis und Denken zeigen
Der Zusammenhang zwischen Cannabis und geistiger Leistung wurde in vielen Studien untersucht, besonders bei Menschen mit einer Cannabiskonsumstörung. Gemeint ist ein anhaltendes Verlangen nach Cannabis, das den Alltag durcheinanderbringt. Schätzungen zufolge betrifft das rund 10 % der Konsumierenden.
Eine Studie, über die die BBC berichtet hat, verglich 39 Menschen mit diagnostizierter Cannabiskonsumstörung mit einer Kontrollgruppe von 20 Personen, die selten oder nie kiffen. Am Testtag durften die Teilnehmenden nicht unter Cannabiseinfluss stehen. Ihr Gedächtnis wurde mit der Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery geprüft, die misst, wie gut das Gehirn Informationen behält.
Was kam heraus?
Die Gruppe mit Konsumstörung schnitt bei den Gedächtnistests schlechter ab, ein deutlicher Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen langjährigem Konsum und Gedächtnisproblemen. Auch die sogenannten exekutiven Funktionen litten, also geistige Prozesse wie flexibles Denken. Das deutet darauf hin, dass Cannabis die Fähigkeit beeinflussen kann, komplexe Denkaufgaben zu bewältigen.
Entscheidend war das Einstiegsalter: Wer früh mit dem Kiffen angefangen hatte, zeigte stärkere Einbußen bei den exekutiven Funktionen.
Und die Folgen für das Denken betreffen nicht nur regelmäßige Konsumierende: Selbst Gelegenheitskiffer:innen neigten zu riskanteren Entscheidungen und hatten mehr Mühe beim Planen.
Wirkt Cannabis bei Männern anders als bei Frauen?
Auch zwischen den Geschlechtern wurden Unterschiede beobachtet. Männer, die kiffen, hatten eher Probleme mit dem Gedächtnis und beim Wiedererkennen von Objekten, Frauen eher mit der Aufmerksamkeit und den exekutiven Funktionen. Diese Unterschiede blieben auch dann bestehen, wenn Faktoren wie Alter, IQ, Alkohol- und Nikotinkonsum, Stimmung, Angstsymptome und andere zwanghafte Verhaltensweisen herausgerechnet wurden.
Unterm Strich zeigen diese Ergebnisse deutlich, wie Cannabis das Denken beeinflussen kann, und machen klar, dass wir die Risiken des Konsums besser verstehen und ernster nehmen müssen.
Cannabis, Belohnungssystem und psychische Gesundheit
Neben den Effekten aufs Denken spielt Cannabis laut neueren Studien auch bei Motivation und psychischer Gesundheit eine wichtige Rolle. Das Thema wurde schon in vielen früheren Untersuchungen beleuchtet und zeigt, wie eng Cannabis mit den Belohnungs- und Motivationsprozessen im Gehirn verflochten ist.
Frühere Studien legten nahe, dass Cannabis die Hirnschaltkreise für Belohnung und Motivation beeinflussen kann. Das könnte deutliche Folgen für Leistung in Schule, Studium und Job haben und für die Motivation insgesamt.
In der jüngsten Studie, über die die BBC berichtete, lösten die Teilnehmenden im Hirnscanner eine Aufgabe mit blauen und orangen Quadraten. Bei den orangen Quadraten gab es je nach Antwort eine Geldbelohnung, so ließ sich messen, wie das Gehirn auf Belohnungen reagiert.
Im Fokus stand das ventrale Striatum, eine Schlüsselregion des Belohnungssystems. Dort zeigten sich leichte Effekte von Cannabis. Wichtig: Die Teilnehmenden waren moderate Konsumierende, bei Dauerkiffer:innen könnten die Effekte also stärker ausfallen.
Fazit
Es gibt Hinweise, dass tägliches Kiffen mit psychischen Problemen zusammenhängen kann. Insbesondere wird es bei Jugendlichen mit ausgeprägter Anhedonie in Verbindung gebracht, also der Unfähigkeit, Freude zu empfinden.
Das alles zeigt, wie wichtig es ist, die komplexen Zusammenhänge zwischen Cannabis, Motivation und psychischer Gesundheit zu verstehen. Wer kifft, sollte die möglichen Risiken für Antrieb und seelisches Wohlbefinden kennen.
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