
Cannabis-Samen selbst gewinnen: Bestäuben, ernten, keimen
Wie Züchter Kreuzungen machen, warum Buds plötzlich Samen haben und wie du reife Samen erkennst, aus der Blüte holst und wieder zum Keimen bringst.
Samen aus der eigenen Cannabispflanze gewinnst du, indem du ein Weibchen gezielt mit Pollen bestäubst, die Samen in der Blüte reifen lässt, bis sie dick und dunkel sind und oft ein Tigermuster zeigen, und sie nach dem Trocknen aus den Buds bröselst. Früher steckten fast in jedem Bud ein paar Samen. Mit der Entwicklung des Anbaus wuchs aber die Nachfrage nach „Sinsemilla“, also hochwertigem Gras ohne Samen – und Züchter begannen, eigene Sorten zu entwickeln und sich auf die gezielte Samenproduktion zu spezialisieren. Diese Samen dienen sowohl der weiteren Zucht als auch dem Vertrieb der neuen Sorte.
Die perfekte Sorte zu züchten verlangt eine kontrollierte Samenproduktion. Züchter bringen ihre Lieblingspflanzen dazu, Pollen zu bilden, und bestäuben damit andere Favoriten. So entstehen „Kreuzungen“ aus zwei ausgewählten Elternpflanzen. Samenproduktion ist Präzisionsarbeit: Sie braucht saubere, kontrollierte und komplett abgedichtete Räume, damit kein fremder Pollen hineinkommt.
Stehen die Kreuzungen fest, können die Pflanzen erst noch „vegetieren“, also in der Wachstumsphase bleiben, wenn sie vor der Samenbildung größer werden sollen – nötig ist das aber nicht. Sind sie groß genug, kommen sie in den Blüte-Lichtzyklus: 12 Stunden Licht, 12 Stunden komplette Dunkelheit.
Nach ein paar Wochen bildet das Männchen Pollensäcke, die bald aufplatzen. Der Pollen fliegt durch die Luft und bestäubt die Weibchen. Die bilden dann Samen, die du weiter für die Zucht verwenden oder ernten kannst.
Wie Cannabis auf natürlichem Weg Samen bildet
Cannabis ist unglaublich zäh und braucht nicht zwingend ein Männchen, um Samen zu bilden. Die Evolution hat der Pflanze die erstaunliche Fähigkeit mitgegeben, sich selbst zu bestäuben, wenn keine Männchen in der Nähe sind. Ob gestresst oder alt (etwa ein Weibchen, das weit über den besten Erntezeitpunkt hinaus stehen bleibt): Merkt ein Weibchen, dass die Bedingungen für langfristiges Wachstum schlecht sind, bildet es Samen, damit seine Gene weiterleben.
Genau so entstehen feminisierte Samen. Züchter setzen eine gesunde weibliche Pflanze gezielt unter Stress und „täuschen“ ihr vor, ihr Leben oder ihre Sicherheit sei in Gefahr.
Warum sind Samen in deinen Buds?
Klar willst du Buds ohne Samen, aber passieren kann immer was. Die Frage ist also: Warum hat meine Ernte Buds mit Samen? Dafür gibt es meist mehrere Gründe. Grundsätzlich gilt: Sobald Pollen eines Männchens auf die Eintrittspforte der weiblichen Pflanze trifft, die Narbe, beginnen sich Samen in den Buds zu bilden.
Als Grower musst du, sobald du das bemerkst, die Männchen und die Zwitter aussortieren, damit dein Gras möglichst viele Cannabinoide hat.
Wie holst du die Samen aus der Pflanze?
Die meisten Grows sollen samenfreie „Sinsemilla“ liefern, aber manchmal wollen Züchter eben Samen. Ob für den eigenen Anbau oder für anspruchsvolle Kund:innen: Wer Samen produziert, will gesunde, kräftige Samen statt großer, schöner Buds. Was passiert also, wenn du die Samen aus deiner Pflanze holst?
Samenpflanzen werden geerntet, wenn die Samen dick und dunkel sind, oft mit einem Tigermuster (etwa nach sechs bis acht Wochen Blüte).
Nach der Ernte wird der Bud getrocknet und dann werden die Samen eingesammelt. Im kleinen Maßstab zerbröselst du einfach die Blüte und sammelst die Samen, die herausfallen.
Kommerziell laufen dafür meist spezielle Maschinen, die die trockenen Blüten zerkleinern und Pflanzenreste und Samen in getrennte Behälter befördern. Danach kommen die Samen in lichtdichte, luftdichte Behälter, damit sie nicht faulen oder zu früh keimen.
Cannabisblüten werden meist ohne Samen angebaut, aber manchmal stehen eben die Samen im Mittelpunkt. Wer gezielt für Samen growt, achtet besonders auf Bestäubung, Erntezeitpunkt und Trocknung – das erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Samenernte.
Wie keimst du Cannabissamen?
Cannabissamen zu keimen ist relativ einfach und geht schnell. Ein paar Punkte solltest du aber beachten, damit möglichst viele Samen aufgehen.
Legst du den Samen in ein feuchtes Anzuchtmedium, startet eine Reihe von Reaktionen, und nach ein paar Stunden oder Tagen keimt er.
Egal auf welchem Substrat du keimst: Es darf nie komplett austrocknen. Spürt der Samen keine Feuchtigkeit mehr um sich herum, stellt er höchstwahrscheinlich seine Aktivität ein und keimt nie.
Check deshalb jeden Tag, ob das Keimmedium noch feucht ist – so ersparst du dir böse Überraschungen. Im Hydro-Grow keimst du am besten in Steinwollwürfeln, die natürlich ebenfalls immer feucht bleiben müssen.
Um Probleme zu vermeiden, setzt du die Samen am besten ein, wenn die Wurzel 1 cm lang ist, höchstens 2 cm.
Erde oder Küchenpapier?
Steckst du den Samen direkt in die Erde, riskierst du, dass er zu tief landet – vor allem, wenn du nach dem Einsetzen gießt.
Sicherer geht es so:
Viel bessere Ergebnisse bekommst du, wenn du in Küchenpapier oder gepressten Torfquelltöpfen keimst. Sind die Keimlinge da, setzt du sie ins Substrat um.
Cannabissamen keimen am besten bei relativ hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Vor allem in manchen Jahreszeiten brauchst du deshalb eine Wärmequelle, um auf etwa 26 bis 28 °C zu kommen.
Ideal hältst du das Keimmedium bei etwa 26 bis 28 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit.
Für die Küchenpapier-Methode baust du ein Sandwich aus Teller und Papier wie auf dem Bild. Sobald der Samen aufgeht und die Wurzel ein bis zwei Zentimeter lang ist, kommt er ins Substrat. Die Methode ist sicher, weil du jederzeit nachschauen kannst – einfach das Papier anheben.
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