
Wie schädlich ist Cannabisrauch? Gefäße, Lunge und Augen
Die Stanford-Studie zu THC und Arterien, was der Rauch in der Lunge anrichtet und warum dein Sehen im Rausch schlechter ist, als du denkst.
Cannabisrauch wirkt auf drei Bereiche im Körper besonders: Studien (viele davon an Tieren) deuten darauf hin, dass er Blutgefäße und Herz ähnlich belasten kann wie Tabakrauch, er reizt die Atemwege und die Lunge, und im Rausch wird das Sehen messbar schlechter. Das gilt nicht nur für die, die selbst rauchen, sondern auch fürs Passivrauchen. Viele Menschen kiffen heute – zum Runterkommen, als Ersatz für Tabak oder einfach mit Freund:innen –, und entsprechend viel wird über die Pflanze geforscht, der auch viele positive Wirkungen zugeschrieben werden.
Gleichzeitig kursieren Mythen. Einer davon: Wer mit jemandem im Raum sitzt, der einen Joint raucht, hat gesundheitlich nichts zu befürchten. Das gilt inzwischen als widerlegt.
Einigen Studien zufolge (meist an Tieren) kann Cannabisrauch für Herz und Kreislauf genauso schädlich sein wie Tabakrauch – und zwar für aktive wie für passive Raucher:innen. Welche Krankheiten kann Kiffen also begünstigen?
Folgen des Kiffens für Herz und Gefäße
Eine Studie der Stanford University in den USA fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen häufigem Cannabiskonsum und einem höheren Risiko für einen frühen Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Cell“.

Außerdem zeigte die Forschung in Laborversuchen mit Mäusen, dass Tetrahydrocannabinol (THC), einer der psychoaktiven Wirkstoffe der Pflanze, die Zellen entzündet, die die Blutgefäße von innen auskleiden, und Arteriosklerose (Verhärtung oder Verdickung der Arterien) fördert.
Für die Studie wurden Daten von 500.000 Teilnehmenden zwischen 40 und 69 Jahren aus der britischen UK Biobank ausgewertet. Knapp 35.000 gaben an, Cannabis zu rauchen; rund 11.000 davon mehr als einmal im Monat.
Die Forschenden berichten, dass die Gruppe, die mehr als einmal im Monat rauchte, eher einen Herzinfarkt erlitt als andere – auch nachdem Faktoren wie Alter, Body-Mass-Index und Geschlecht herausgerechnet waren. Zudem hatten sie häufiger als Nicht-Konsumierende ihren ersten Herzinfarkt vor dem 50. Lebensjahr.
Warum passiert das?
Beim Kiffen bindet THC an einen Rezeptor namens CB1 in Zellen von Gehirn, Herz und Gefäßsystem. Dieser Rezeptor erkennt die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide), die Stimmung, Schmerzempfinden, Immunsystem und Stoffwechsel regulieren. Häufiger Konsum kann CB1 aber übermäßig aktivieren, was Entzündungen und Arteriosklerose auslösen kann. Das wiederum wird mit Übergewicht, Krebs und Diabetes in Verbindung gebracht.
Deshalb arbeiten Forschende an sogenannten Antagonisten, also Molekülen, die CB1 blockieren, wenn der Rezeptor überaktiv ist – etwa bei Übergewicht.
Laut der Zeitung El Economista durchsuchten die Studienautor:innen deshalb eine große Datenbank mit Proteinstrukturen nach Molekülen, die CB1-Antagonisten ähneln und die entzündlichen und arteriosklerotischen Effekte von THC blockieren könnten, ohne psychische Nebenwirkungen.
Gefunden haben sie ein kleines Molekül aus Soja und Ackerbohnen namens Genistein, das die durch Cannabis ausgelöste Entzündung und Arteriosklerose bremsen könnte. Weil Genistein die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet, hebt es die anderen Effekte von THC nicht auf – Appetit anregen, Schmerzen lindern, Übelkeit dämpfen –, die für Patient:innen mit medizinischem Cannabis interessant sind.
Als die Forschenden Genistein auf menschliche Endothelzellen (die innere Zellschicht der Gefäße) gaben, die mit THC behandelt waren, oder Mäusen mit hohem Cholesterin verabreichten, denen THC injiziert worden war, blockierte Genistein die Herz-Kreislauf-Effekte von THC, ohne psychoaktiv zu wirken.
Über das Molekül ist aber noch vieles unbekannt. Joseph Wu, Hauptautor der Studie und Direktor des Stanford Cardiovascular Institute, verweist darauf, dass in der Öffentlichkeit immer mehr die Ansicht verbreitet ist, Cannabis sei harmlos oder sogar gesund. Cannabis habe zwar eindeutig wichtige medizinische Anwendungen, so Wu, aber wer es zum Spaß nutzt, solle sich übermäßigen Konsum gut überlegen.

Wie schädlich ist Cannabisrauch?
Einigen Studien zufolge (meist an Tieren) kann Cannabisrauch für Herz und Kreislauf so schädlich sein wie Tabakrauch, und er trifft aktive wie passive Raucher:innen. Eine Studie der Stanford University fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen häufigem Kiffen und einem höheren Risiko für frühe Herzinfarkte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Häufiger Konsum kann außerdem den Rezeptor CB1 in Zellen von Gehirn, Herz und Gefäßsystem übermäßig aktivieren, was Entzündungen und Arteriosklerose auslösen kann. Das wird mit Übergewicht, Krebs und Diabetes in Verbindung gebracht.
Was ist schlimmer: Zigarette oder Joint?
Eine Zigarette gilt allgemein als schädlicher als ein Joint, vor allem wegen Menge und Häufigkeit des Konsums. Tabak enthält zahlreiche giftige und krebserregende Stoffe, die Lunge und andere Organe massiv schädigen. Im Joint-Rauch stecken zwar ebenfalls einige dieser Stoffe, aber die meisten kiffen seltener und weniger, als Raucher:innen Zigaretten rauchen – das senkt das Risiko für langfristige Lungenschäden. Trotzdem gilt: Jede Form von Rauchen kann der Gesundheit schaden, die Atmung beeinträchtigen und sich negativ auf Körper und Psyche auswirken.
Was macht Kiffen mit der Lunge?
Joints rauchen hat Folgen: Der Rauch kann die Lunge reizen und entzünden, was zu chronischen Atemwegserkrankungen und einer geringeren Lungenkapazität führen kann. Außerdem enthält Cannabisrauch viele der gleichen giftigen Chemikalien wie Tabakrauch, was das Risiko für Lungenprobleme und Krebs erhöht.
Welche Krankheiten kann Kiffen verursachen?
Cannabis rauchen kann der Lunge schaden: gereizte Atemwege, Entzündungen, weniger Lungenkapazität. Wer kifft, kann auch Symptome wie bei einer chronischen Bronchitis bekommen – Husten, Schleim und pfeifende Atmung. Dazu kann Cannabisrauch giftige und krebserregende Stoffe enthalten, die das Risiko für Lungenerkrankungen und Krebs erhöhen. Wichtig: Wie du Cannabis konsumierst – rauchen, verdampfen, essen –, macht für die Lunge einen Unterschied.
Weitere Effekte: Kiffen und Sehen
Ein Forschungsteam der Universität Granada in Spanien hat herausgefunden, dass Cannabisrauch das Sehen deutlich verändert – obwohl über 90 % der Konsumierenden glauben, dass Kiffen ihre Sicht gar nicht oder nur leicht beeinflusst. Berichtet hat darüber das Portal Filo.News.
Weltbekannt sind die roten Augen nach dem Kiffen. Sie entstehen, weil THC den Blutdruck senkt, die Kapillaren erweitert und die Durchblutung im ganzen Körper erhöht. Dadurch weiten sich auch die Blutgefäße in den Augen und sie werden rot. Wie Cannabis das periphere Sehen, den Augeninnendruck und die visuelle Verarbeitung beeinflusst, ist aber noch nicht vollständig verstanden.
Die Studie, erschienen in „Scientific Reports“ aus dem Nature-Verlag, wollte deshalb die Effekte aufs Sehen messen und mit dem vergleichen, was die Konsumierenden selbst wahrnehmen. Das Team testete das Sehvermögen von 31 Cannabis-Konsumierenden – einmal nüchtern, einmal unter Einfluss. Außerdem wurde abgefragt, wie die Teilnehmenden die Wirkung auf ihr Sehen selbst einschätzten.
Ergebnis: Nach dem Konsum verschlechterten sich Sehschärfe, Kontrastempfindlichkeit, räumliches Sehen (Stereopsis), Scharfstellen und Blendempfindlichkeit deutlich. Trotzdem gaben 30 % an, ihr Sehen habe sich überhaupt nicht verändert, und 65 % meinten, es sei nur ein bisschen schlechter geworden.
Über die Pflanze gibt es noch viel zu erforschen. Aber schon jetzt ist klar: Rauch schadet der Gesundheit, und viele Folgen hängen damit zusammen, dass Konsumierende zu wenig darüber wissen. Deshalb gilt, auch wenn vieles noch offen ist: Wenn du rauchst, dann mit Vorsicht und mit Bewusstsein.
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