CBD bei therapieresistenter Epilepsie: Was es kann, wenn Antiepileptika versagen
GESUNDHEIT

CBD bei therapieresistenter Epilepsie: Was es kann, wenn Antiepileptika versagen

Von Charlotte Figi bis zur Dosisfrage: was Studien zu CBD bei Epilepsie zeigen, welche Nebenwirkungen es gibt und warum der Weg über die Ärztin oder den Arzt führt.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Bei therapieresistenter Epilepsie, also Formen, die auf herkömmliche Antiepileptika nicht ansprechen, gehört CBD zu den wenigen Alternativen mit echter Forschung dahinter. Studien deuten darauf hin, dass es bei manchen Patienten Häufigkeit und Stärke der Anfälle senken kann, ohne high zu machen. Neu ist die Idee übrigens nicht: Cannabis wird seit Tausenden von Jahren gegen Krankheiten wie Epilepsie eingesetzt. Berichten zufolge nutzte man in China schon um 2700 v. Chr. Zubereitungen mit Cannabis gegen rheumatische Schmerzen, Verstopfung und Menstruationsbeschwerden. Im Mittelalter setzten islamische Ärzte die Pflanze gegen Epilepsie, Fieber und als Schmerzmittel ein. Heute wird Cannabis und vor allem das Cannabinoid CBD unter anderem bei Angst, chronischen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Epilepsie eingesetzt. Dank moderner Züchtung gibt es inzwischen Sorten, die fast nur CBD bilden. Patienten müssen also kein THC aufnehmen, das psychoaktive Cannabinoid. CBD und andere Therapien auf Cannabisbasis haben in Studien krampflösende Effekte gezeigt, die die Lebensqualität von Betroffenen verbessern können. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass CBD bei einigen Epilepsieformen gute Ergebnisse liefert, vor allem beim Dravet- und beim Lennox-Gastaut-Syndrom. Dass es nicht berauscht, hat seiner Verbreitung enorm geholfen. CBD wirkt auf das Endocannabinoid-System, das eine zentrale Rolle dabei spielt, wie lange und wie oft Anfälle auftreten. Einige Mediziner, angestoßen vom Cannabisforscher Dr. Ethan Russo, vertreten die These, dass bestimmte Epilepsieformen durch eine Störung des Endocannabinoid-Systems entstehen. Die schwerste Form ist der sogenannte Status epilepticus: ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, oder Anfälle, die so dicht aufeinander folgen, dass sich der Patient dazwischen nicht erholt. Das ist ein Notfall. Wird nicht sofort behandelt, kann der lange Ausfall der normalen Hirnfunktion zu bleibenden Hirnschäden führen und sogar tödlich enden.

Der Fall Charlotte Figi hat die Welt des medizinischen Cannabis und die USA aufgerüttelt: Gegen ihre seltene Epilepsie bekam sie eine Behandlung mit CBD-Öl, die ihre Lebensqualität deutlich verbesserte. Charlotte litt am Dravet-Syndrom, für das es damals kein spezifisches Medikament gab. Schon mit drei Monaten hatte sie heftige Krampfanfälle, die ihr nach und nach das Sprechen, Laufen und sogar das Essen unmöglich machten, sodass sie über eine Sonde ernährt werden musste. Nachdem die Familie Figi medizinisch alles ausprobiert hatte, wandte sie sich an die Cannabis-Abgabestelle von Joel Stanley. Er und seine Brüder hatten eine nicht psychoaktive Sorte mit hohem CBD-Gehalt gezüchtet. Charlotte begann mit einem Öl daraus, und ihre Anfälle gingen schnell zurück. Sie lernte wieder laufen und konnte ohne Sonde essen. Ihr zu Ehren bekam das Öl den Namen Charlotte's Web. Ihr Fall war ein Meilenstein für die Forschung zu medizinischem Cannabis und bleibt unvergessen.

Cannabispflanze für medizinisches CBD

Was hilft bei therapieresistenter Epilepsie?

Therapieresistente (auch pharmakoresistente) Epilepsie ist eine Form, bei der Patienten auf herkömmliche Behandlungen nicht ansprechen. Heilbar ist Epilepsie nicht, aber es gibt Therapien, die die Symptome kontrollieren und die Lebensqualität von Betroffenen verbessern können. Eine Alternative, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat, ist CBD. Studien deuten darauf hin, dass CBD krampflösend wirkt und Häufigkeit und Stärke der Anfälle bei therapieresistenter Epilepsie senken kann. Neben CBD gibt es weitere alternative und ergänzende Ansätze, die manchen Patienten helfen können, etwa die ketogene Ernährung oder die Vagusnervstimulation. Auch klassische Medikamente können bei einigen Betroffenen wirken. Wichtig: CBD kann Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Erschöpfung und Durchfall haben und mit bestimmten Medikamenten in Wechselwirkung treten. Deshalb sollten Patienten vor jeder Behandlung mit CBD oder Cannabis mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen. Unterm Strich: Therapieresistente Epilepsie ist schwer zu behandeln, aber es gibt alternative und ergänzende Optionen, die manchen Patienten helfen können, CBD eingeschlossen, zusammen mit der klassischen medizinischen Versorgung. Entscheidend ist, mit einem qualifizierten Behandlungsteam die passende Therapie für jeden einzelnen Patienten zu finden.

Wie viele Tropfen CBD bei Epilepsie?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn die passende CBD-Dosis hängt von der Person und vom Schweregrad der Erkrankung ab. Sprich vor dem Start unbedingt mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Fachperson für medizinisches Cannabis: Sie können eine passende Dosis festlegen und den Verlauf begleiten. In der Regel beginnt man bei Epilepsie mit kleinen Mengen und steigert die Dosis langsam. Manche CBD-Produkte haben eigene Dosierungsangaben, lies also das Etikett genau, bevor du sie verwendest.

Die häufigsten Epilepsieformen im Überblick

  1. Fokale Epilepsie: Auch partielle Epilepsie genannt. Sie beginnt in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Die Symptome hängen davon ab, welche Region betroffen ist, und können unwillkürliche Bewegungen, seltsame Empfindungen oder Veränderungen von Stimmung und Denken umfassen.
  2. Generalisierte Epilepsie: Diese Form betrifft das ganze Gehirn und kann tonisch-klonische Anfälle, Absencen und Myoklonien auslösen.
  3. Idiopathische Epilepsie: Eine Form ohne bekannte Ursache, die meist im Kindes- oder Jugendalter beginnt.
  4. Kryptogene Epilepsie: Hier vermutet man eine zugrunde liegende Ursache, kann sie aber nicht nachweisen.
  5. Symptomatische Epilepsie: Die Ursache ist bekannt, etwa eine Hirnverletzung, eine genetische Erkrankung oder eine Infektion des Gehirns.
  6. Temporallappenepilepsie: Sie entsteht im Schläfenlappen des Gehirns und kann Anfälle und Stimmungsveränderungen verursachen.
Das sind nur einige Beispiele für die vielen verschiedenen Epilepsieformen.