Kälte im Outdoor-Grow: Wie kühle Herbstnächte deinem Cannabis schaden – und nützen
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Kälte im Outdoor-Grow: Wie kühle Herbstnächte deinem Cannabis schaden – und nützen

Je nach Wachstumsphase verträgt deine Pflanze Kälte unterschiedlich gut – und richtig genutzt bringt der Herbst sogar mehr Harz und Aroma.

VON CosechaLibre Redaktion7 MIN LESEZEIT

Kälte ist für Cannabis Fluch und Segen zugleich: Kühle Herbstnächte am Ende der Blüte gelten unter Growern als Booster für Harz, Aroma und Geschmack. Unter etwa 8 bis 9 °C arbeiten die Wurzeln aber langsamer, und unter 0 °C gefriert der Pflanzensaft. Wer seine Pflanze und sein Klima kennt, kann die Kälte zum eigenen Vorteil nutzen, statt sich von ihr den Grow vermasseln zu lassen.

Für Cannabispflanzen gilt wie für alle anderen: Zu viel Kälte ist genauso schlecht wie zu viel Hitze. Und je nach Wachstumsphase solltest du wissen, was deiner Pflanze guttut und wie viel Kälte sie verträgt. 

Kälte in den verschiedenen Phasen: Wie viel Kälte hält eine Cannabispflanze aus?

In der Wachstumsphase steckt die Pflanze ihre ganze Energie in die Produktion von Zellulose, also in kräftige Pflanzenmasse – unter der Erde an den Wurzeln genauso wie oben. 

Startest du den Grow früh im Frühjahr, haben die Pflanzen vier Monate Zeit, eine stabile Struktur aufzubauen: große, tiefe Wurzeln mit Tausenden Wurzelhaaren, den feinen weißen Würzelchen, die am meisten Nährstoffe aufnehmen.

Wenn die Blüte beginnt, auf der Nordhalbkugel Mitte Juli (auf der Südhalbkugel gegen Januar oder Februar), steht die Pflanze schon gefestigt da und kommt mit vielen Arten von Stress klar – auch mit Temperaturstress, um den es hier geht. 

Rückt die Ernte näher und du hast das Gefühl, dass die Kälte deiner Pflanze ständig zusetzt, keine Panik: Das ist das klassische Zeichen, dass sich ihr Zyklus dem Ende zuneigt. Die gängige Erklärung unter Growern: Als Reaktion darauf, und um Pollen einer männlichen Pflanze einzufangen, fährt sie die Harzproduktion hoch. Diese Phase ist entscheidend, denn die Pflanze will jetzt ihre Lebensaufgabe erfüllen: Samen bilden, um die Art zu erhalten.

Je mehr Harz sie bildet, desto größer ihre Chance, männlichen Pollen zu erwischen – so jedenfalls die Theorie. Weil am Ende des Zyklus sonst nicht mehr viel zu tun ist, steckt sie ihre ganze Energie da hinein: Du siehst, wie die Buds von Tag zu Tag fester werden und die noch gesunden Blätter anfangen zu schrumpeln, wie bei Laubbäumen im Herbst. Dazu überzieht sich die Pflanze mit einer dicken, satten Harzschicht, bei deren Anblick dir das Herz aufgeht.

Aber Achtung: Das alles passiert nur, wenn die Pflanze schon voll ausgereift ist und in ihre Schlussphase geht. Kommt die Kälte aus irgendeinem Grund früher, passiert das Gegenteil: Die Buds, die sich gerade noch bilden, werden nicht mehr fest, die Pflanze baut ab, und das ganze Potenzial, das sie noch hatte, ist dahin.

Dazu kommt: Hitze lässt Terpene verfliegen, Kälte nicht. Geschmack und Aroma einer Pflanze, die es kühl hatte, sind deutlich reiner und intensiver.

Kälte als Vorteil: Wie gut kennst du dein Klima?

Kälte ist, wie gesagt, gut für die Pflanzen – unter den genannten Bedingungen. Aber Vorsicht: Wir reden von kühlem Wetter, nicht von extrem niedrigen Temperaturen unter 8 bis 9 °C. Wird es kälter, arbeiten die Wurzeln langsamer, und die Pflanze nimmt weniger Nährstoffe auf. Fällt das Thermometer unter 0 °C, wird es richtig ernst: Der Pflanzensaft gefriert, die Lebensfunktionen stehen still, und bis sie wieder anlaufen, vergeht eine Zeit, die für die Pflanze fatal ist.

Keine Sorge, das heißt nicht, dass die Pflanze gleich stirbt – jedenfalls nicht, wenn sie schon gut entwickelt ist. Aber extreme Kälte schadet ihr, da gibt es nichts zu beschönigen. 

Die Natur hat trotzdem ihre Überraschungen parat: Wer alles richtig gemacht und dazu ungewöhnliches Glück hatte, hat schon recht große Sativa-Pflanzen Anfang Dezember (auf der Nordhalbkugel) unter Schnee gesehen, die zwei Wochen später problemlos geerntet wurden. Das gilt aber nur für Pflanzen, die direkt im Boden stehen, denn im Topf trifft die Kälte sie deutlich härter.

Deshalb ist es so wichtig, dein eigenes Klima zu kennen, bevor du dich für eine bestimmte Genetik entscheidest. 

Bevor deine Pflanzen ernsthaften Schaden nehmen: Ist es bei dir Anfang Herbst schon sehr kalt, setz am besten auf früh blühende Indicas aus Bergregionen. Diese Genetiken sind darauf eingestellt, die kalten Nächte am Ende des Sommers und Anfang des Herbstes wegzustecken. Sie bewähren sich auch dort, wo es tagsüber sehr heiß ist, nachts aber so stark abkühlt, dass die meisten Sorten mit diesem Temperaturstress kaum klarkommen.

Ein paar Tipps für kalte Herbsttage

Hast du gegen Ende der Saison mit Kälte gegrowt oder rechnest damit, dass noch etwa eine Woche bis zur Ernte bleibt, lohnt es sich, die großen Fächerblätter und fast alle kleinen Blätter zu entfernen. Im Grunde ist das eine Maniküre für deine Pflanze eine Woche vor der Ernte. Ohne die Blätter, die sie für die Photosynthese und ihre normalen Abläufe braucht, kann sich die Pflanze ganz auf Harz und Trichome konzentrieren. 

Sobald kalte Tage und Nächte kommen, hörst du auf zu gießen. Der Grund: Derselbe Frost, der auf die Blätter fällt, kann auch das Wasser im Substrat gefrieren lassen, und das kann deine Pflanze umbringen. Die Theorie dahinter: Eine längere Trockenheit plus ein nicht allzu harter Frost bringen eine Ernte in Topqualität.

Wie du siehst, verträgt die Pflanze Kälte oben ziemlich gut, an den Wurzeln aber deutlich schlechter. Schützen kannst du sie am besten mit einer Mulchschicht aus frisch gemähtem Gras, Laub oder sogar einer Plane oder einem Sack. Gras und Laub werden beim Kompostieren richtig warm. Der Prozess läuft langsam ab, schadet der Pflanze also nicht, die du in ein paar Tagen ohnehin erntest. 

Eine Plane wiederum sorgt dafür, dass sich das Substrat tagsüber stärker aufheizt als ohne. Nachts kühlt es dann langsamer ab und hält die Temperatur fast bis zum nächsten Tag.

Trocknung und Curing in der Kälte

Trockene Kälte ist die beste Wahl, um deine Ernte zu trocknen. Und wenn du sie danach unter ähnlichen Bedingungen curst, umso besser. 

Wärme beschleunigt zwar die Trocknung, kostet das THC aber Wirkung. Kälte tut das nicht, solange sie trocken und nicht feucht ist – die Trocknung dauert dann nur etwas länger. 

Siehst du also Anfang Herbst einen starken Temperatursturz kommen, solltest du über deine Pflanzen Bescheid wissen: Sind es Sativas oder Indicas, sind sie fast erntereif oder brauchen sie noch Wochen, und stammt die Genetik aus kalten Regionen oder nicht? Mit diesen Antworten kannst du im nächsten Jahr gezielter Sorten auswählen.

Wie oben gesagt: Zu viel Kälte oder Hitze tut niemandem gut, deiner Pflanze schon gar nicht. Wenn du aber weißt, womit du es zu tun hast, kannst du das Beste aus beidem herausholen – für kräftige Pflanzen und eine richtig starke Ernte. 

Ab welcher Temperatur leidet eine Cannabispflanze?

Cannabispflanzen vertragen etwas Kälte, wie viel genau, hängt aber von Sorte und Bedingungen ab. Im Allgemeinen kann alles unter 10 °C das Wachstum beeinträchtigen. Manche Sorten sind allerdings genetisch besser an niedrige Temperaturen angepasst, vor allem solche aus kälteren Regionen oder Bergen. Sie sind kälteresistenter und halten auch Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt aus. Rechnest du mit längeren Kälteperioden, kannst du die Pflanzen schützen: mit einem Gewächshaus, Plastikabdeckungen oder Vlies als Kälteschutz oder sogar mit einer Heizung, die die Temperatur um die Pflanzen hält. Starker Frost ist aber besonders gefährlich, weil er Zellen und Gewebe der Pflanze unwiderruflich schädigen kann. Schütz deine Pflanzen deshalb vor Frost und vermeide lange Kälteperioden, damit sie gesund wachsen.

Welches Klima ist ideal für Cannabis?

Am besten gedeiht Cannabis in warmen bis gemäßigten Regionen. In der Wachstumsphase sind 20 bis 30 °C ideal, damit die Pflanzen gesund und kräftig wachsen. In der Blüte hilft es, die Temperatur etwas auf etwa 18 bis 26 °C zu senken, damit sich die Buds gut entwickeln.

Manche Sorten vertragen Hitze besser als andere. Solche angepassten Genetiken halten auch Temperaturen über 30 °C aus, ohne nennenswerten Schaden zu nehmen. Growst du in einer heißen Gegend, sind hitzeresistente Sorten die bessere Wahl für einen guten Ertrag.

Umgekehrt sind Cannabispflanzen zwar empfindlicher gegen Kälte als gegen Hitze, aber auch hier gibt es kälteresistente Sorten, die niedrigere Temperaturen wegstecken. Lebst du in einer Region mit kalten Wintern, such gezielt nach Sorten für kühles Klima, die auch Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt aushalten.

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