
Was sind Terpene? Die wichtigsten Cannabis-Terpene von Myrcen bis Nerolidol
Warum dein Gras nach Zitrone, Pinie oder Pfeffer riecht und was die Forschung den einzelnen Terpenen bisher zutraut.
Terpene sind organische Duftstoffe, die in vielen Pflanzen vorkommen, auch in jeder Cannabissorte. Sie bestimmen, wie eine Sorte riecht und schmeckt, und sie spielen bei der Wirkung mit, weil sie mit Cannabinoiden wie THC und CBD zusammenwirken.
Terpene liefern also nicht nur Noten von Zitrus, Blumen, Holz oder Pfeffer, sondern können den Effekt von THC und CBD auch verstärken oder abschwächen. Jede Sorte hat ihr eigenes Terpenprofil, und das prägt, wie sich das High anfühlt, von entspannt bis euphorisch.

Was sind Cannabis-Terpene genau?
Cannabis-Terpene sind aromatische Verbindungen, die in vielen Pflanzen stecken, auch im Hanf, und hinter den unterschiedlichsten Gerüchen von Gras stehen. Zwischen 10 und 30 % der Inhaltsstoffe im Cannabisharz sind Terpene. Gebildet werden sie vor allem in den Trichomen, den winzigen Harzdrüsen auf Blüten und Blättern.
Sie geben dem Weed nicht nur seinen Duft, sondern sind auch Teil der natürlichen Abwehr der Pflanze. Anders als die Cannabinoide, die weder riechen noch schmecken, sind die Terpene für die zitrusartigen, blumigen, erdigen und holzigen Nuancen von Cannabis verantwortlich.
Wozu braucht die Pflanze Terpene in ihren Buds?
Pflanzen können nicht weglaufen, wenn Fressfeinde oder miese Bedingungen anrücken. Also setzen sie auf chemische Kriegsführung. Terpene helfen auf mehreren Wegen: Manche schrecken Fressfeinde ab, andere bremsen ihr Wachstum oder bringen ihren Stoffwechsel durcheinander.
Manche Cannabis-Terpene locken außerdem Bestäuber an oder sogar die natürlichen Feinde der Schädlinge, die der Pflanze zusetzen. Andere entstehen als Reaktion auf Stress, etwa extreme Hitze, und helfen der Pflanze, mit ihrer Umgebung klarzukommen.
Terpene in der Aromatherapie: Was steckt dahinter?
Terpene sind die Hauptbestandteile der ätherischen Öle vieler Pflanzen. Diese Öle werden in der Aromatherapie eingesetzt, weil man ihnen wohltuende Eigenschaften zuschreibt. Lavendelöl, reich an Terpenen, gilt zum Beispiel als entspannend, Rosmarinöl soll die Konzentration fördern und für ein gutes Gefühl sorgen.
Auch aus Cannabis lässt sich ätherisches Öl gewinnen, und zwar per Wasserdampfdestillation. Es landet in Parfums, Kosmetik, Kerzen und Seifen und wird als Aroma für Lebensmittel und Getränke verwendet.
Wie viele Terpene hat Cannabis?
In Cannabis wurden über 100 verschiedene Terpene nachgewiesen, und jedes kommt in unterschiedlicher Zusammensetzung und Menge vor. Der typische Zitrus-Duft zum Beispiel stammt vom Limonen, aber wie viel davon drinsteckt, schwankt von Pflanze zu Pflanze.
Das Limonen aus Zitronen und das aus Orangen sind chemisch zwar sehr ähnlich, doch kleine Unterschiede in der Molekülstruktur und in der Konzentration sorgen für jeweils eigene Gerüche.
Was passiert mit den Terpenen beim Trocknen?
Bei frisch geerntetem Cannabis sativa besteht das ätherische Öl zu 80 bis 90 % aus Monoterpenen. Die sind extrem flüchtig und verdunsten beim Trocknen schnell. Ist die Pflanze durchgetrocknet, sinkt der Gehalt an ätherischen Ölen auf etwa 0,1 %, und dann dominieren die Sesquiterpene, die deutlich weniger flüchtig sind.
Wer die Terpene der Buds kennt, versteht nicht nur besser, warum jede Sorte anders riecht und wirkt. Die Stoffe sind auch für die Aromatherapie, die Kosmetikindustrie und die Küche interessant. Terpene sind also weit mehr als ein netter Bonus beim Kiffen.

Die wichtigsten Terpene in Cannabis
Myrcen
Myrcen ist das häufigste Terpen in Cannabis und macht bei manchen Sorten bis zu 60 % der ätherischen Öle aus. Auch im Nutzhanf kommt es vor, meist aber in geringerer Menge.
Außerhalb von Cannabis findest du Myrcen zum Beispiel im Hopfen und im Westindischen Lorbeer (Pimenta racemosa). Sein Duft erinnert an Gewürznelke und gibt manchen Sorten ihren typisch erdig-würzigen Geruch.
In Laborstudien werden Myrcen schmerzlindernde, entzündungshemmende und antibiotische Eigenschaften zugeschrieben. Einige Laborarbeiten deuten außerdem darauf hin, dass es die Wirkung krebserregender Stoffe wie Aflatoxin B blockieren könnte.
Myrcen gilt außerdem als entspannend und beruhigend, manche sagen sogar sedierend, weshalb es bei Leuten beliebt ist, die nach Stress runterkommen wollen. Unter Konsumenten hält sich zudem die Idee, dass Myrcen die Wirkung von THC verstärkt. Belastbare Belege für diese Synergie gibt es aber nicht.
Limonen
Limonen ist ein weiteres wichtiges Terpen in Cannabis und liegt im Harz oft auf Platz zwei, drei oder vier der Konzentrationen. Es sorgt für den frischen Zitrusduft, den man von Zitronen und Orangen kennt. In Laborstudien zeigte Limonen außerdem pilzhemmende, antibakterielle und krebshemmende Eigenschaften.
Untersucht wird, ob es Schäden am RAS-Gen vorbeugen kann, das mit der Entstehung von Tumoren in Verbindung steht, und ob es gegen den Schimmelpilz Aspergillus und gegen krebserregende Stoffe im Rauch schützt.
Limonen kann außerdem schnell die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so zügig im Körper wirken. In Studien zu Limonen berichteten die Teilnehmenden von mehr Aufmerksamkeit, besserer Konzentration, mehr Wohlbefinden und sogar mehr Lust auf Sex.
Erforscht wird auch, ob Limonen als Duftspray bei Depressionen und Angst Linderung bringen kann. Einige Studien deuten zudem darauf hin, dass es Sodbrennen mindert und das Immunsystem anregt.
Caryophyllen
Caryophyllen steckt vor allem in Gewürzen wie schwarzem Pfeffer, Gewürznelken und anderen Kräutern. Es riecht würzig und scharf, und in Cannabis wird es vor allem mit entzündungshemmender und schmerzlindernder Wirkung in Verbindung gebracht.
Spannend ist Caryophyllen, weil es gezielt die CB2-Cannabinoidrezeptoren aktivieren kann. Das macht es zu einem vielversprechenden Kandidaten für die medizinische Forschung. Es ist kein Cannabinoid, aber über die CB2-Rezeptoren könnten sich therapeutische Anwendungen bei Schmerzen und Entzündungen ergeben.
Pinen
Pinen ist das Terpen hinter dem frischen, harzigen Duft, den wir mit Kiefern und Tannen verbinden. Es kommt auch in Salbei und Rosmarin vor. Man schreibt ihm schleimlösende, bronchienerweiternde, entzündungshemmende und lokal antiseptische Eigenschaften zu.
Das Bemerkenswerte: Pinen passiert die Blut-Hirn-Schranke und könnte laut ersten Untersuchungen das Enzym Acetylcholinesterase hemmen und so dem Gedächtnis helfen. In der traditionellen Heilkunde stehen Rosmarin und Salbei seit Jahrhunderten im Ruf, den Kopf klar zu machen, und das hat viel mit ihrem Pinen zu tun.
Terpineol
Terpineol riecht blumig, nach Flieder, Apfelblüte und Linde. Beobachtet wurde eine beruhigende Wirkung, was zum Teil erklären könnte, warum manche Sorten so entspannend wirken.
In Versuchen mit Mäusen sank deren Bewegungsaktivität nach Kontakt mit Terpineol um 45 %, ein Hinweis auf ein deutliches entspannendes Potenzial, zumindest im Tierversuch.
Borneol
Borneol hat einen frischen, minzigen Duft, ähnlich wie Kampfer. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird es gegen Erschöpfung und Stress eingesetzt und um nach Krankheiten schneller wieder auf die Beine zu kommen. Manche Sorten wie Super Silver Haze sind für viel Borneol bekannt. Konsumenten beschreiben ihre Wirkung als entspannend und leicht psychedelisch.
Linalool
Linalool duftet sanft blumig, ähnlich wie Lavendel. Es ist für seine beruhigende und angstlösende Wirkung bekannt, und manche Menschen nutzen es bei Angst und Schlafproblemen.
In Versuchen mit Mäusen sank die Aktivität der Tiere um 75 %, was auf ein starkes entspannendes Potenzial hindeutet. Außerdem werden mögliche schmerzlindernde und krampflösende Eigenschaften untersucht, und auch zu bestimmten Krebsarten laufen Forschungen.
Eukalyptol
Eukalyptol, auch 1,8-Cineol genannt, ist der Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. In Cannabis kommt es nur in kleinen Mengen vor. Man schreibt ihm schmerzlindernde, konzentrationsfördernde und ausgleichende Effekte zu.
Nerolidol
Nerolidol riecht holzig und erdig und kommt unter anderem in Ingwer und Zitronengras vor. In Laborstudien zeigte es pilzhemmende Eigenschaften sowie Wirkung gegen Malaria- und Leishmaniose-Erreger. Außerdem gilt es als deutlich beruhigend.
Weitere Terpene: Warum das Zusammenspiel zählt
Im Cannabisharz stecken noch viele weitere Terpene, etwa Phellandren, Humulen und Bisabolen. Jedes bringt seine eigene Mischung aus Aromen und Effekten mit. Manche wirken in Synergie mit anderen Stoffen, andere können deren Wirkung eher abschwächen.
Wie Terpene und Cannabinoide wie THC zusammenspielen, beeinflusst direkt, wie sich Cannabis anfühlt und welche therapeutischen Effekte es haben könnte.
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