
Wie viele Cannabissorten gibt es? Triploide Genetik und CRISPR
Eine feste Zahl gibt es nicht, ständig kommen neue Sorten dazu. Die eigentliche Revolution steckt in der Zucht: von sterilen triploiden Pflanzen bis zur Genschere CRISPR.
Eine exakte, offizielle Zahl, wie viele Cannabissorten es weltweit gibt, existiert nicht – und sie wächst ständig, weil Züchter laufend neue Genetiken herausbringen. 2023 war da ein besonderes Jahr: Viele neue Sorten wurden bekannt, sind aber erst vor Kurzem in den Growshops gelandet oder kommen erst noch. Spannender als die Zahl ist ohnehin, wie gezüchtet wird: Mit triploider Genetik und CRISPR verändert sich gerade die Art, wie neue Sorten entstehen – und das sollte jeden Grower interessieren.
Wie hat sich die Cannabiszucht entwickelt?
Klassisch sind Cannabisgenetiken diploid, das heißt, sie haben zwei Chromosomensätze. Bei regulären Samen gibt die Mutterpflanze immer ein „X“-Chromosom weiter, der Vater entweder ein „X“ oder ein „Y“ – deshalb entstehen sowohl Weibchen („XX“) als auch Männchen („XY“).
Feminisierte Samen dagegen tragen nur „X“-Chromosomen von weiblichen Pflanzen und bringen daher fast ausschließlich weibliche Nachkommen hervor. Feminisierte photoperiodische Samen und Autoflowers haben gleichermaßen ein „XX“-Paar.

Triploide Samen haben drei Chromosomensätze statt zwei; der zusätzliche Satz stammt von den Elternpflanzen. Wegen der ungeraden Zahl klappt die Befruchtung bei triploiden Pflanzen praktisch nicht – sie sind steril und bilden so gut wie keine Samen.
Mehrere Branchen nutzen triploide Genetik längst, allen voran der weltweite Bananenhandel. Bestes Beispiel ist die Sorte Cavendish: Dank triploider Gene hat die Supermarktbanane keine harten Kerne. Weil triploide Pflanzen sich nicht über Bestäubung vermehren, werden sie ausschließlich über Stecklinge (Klone) vermehrt.
Feminisierte vs. triploide Cannabissamen: Wo liegt der Unterschied?
Bisher setzt die Cannabiszucht – bei Autoflowers wie bei feminisierten photoperiodischen Samen – auf klassische diploide Genetik (zwei Chromosomensätze). In den nächsten Jahren könnten aber die ersten triploiden Cannabissamen auf den Markt kommen, und das wäre bei Ertrag und Qualität ein echter Game Changer. Aber was heißt das konkret?
Laut laufender Forschung könnten die Cannabinoidwerte triploider Pflanzen stabil bleiben, selbst nahe an ihrer Sättigungsgrenze – und du müsstest dir keine Sorgen mehr machen, dass deine Ernte durch versehentliche Bestäubung voller Samen ist.
Dazu kommt: Du könntest Stecklinge deiner triploiden Pflanzen problemlos weitergeben. Sie bewurzeln leicht und wachsen zu gesunden neuen triploiden Pflanzen mit derselben Elite-Genetik heran.
Ganz wichtig: Triploide Cannabisgenetik ist kein gentechnisch veränderter Organismus (GVO). Bei der Triploidie wird über Züchtung die Zahl der Chromosomensätze verändert, nicht einzelne Gene.
Warum triploide Cannabissorten eine Revolution sein könnten
Triploide Cannabisgenetiken haben das Potenzial, die Cannabisbranche ordentlich aufzumischen – in einem Markt, in dem Endprodukte teuer sind und die Nachfrage stetig wächst.
Deshalb könnte triploide Genetik der nächste große Schritt sein, mit neuen, tiefgreifenden Vorteilen für Homegrower genauso wie für kommerzielle Betriebe.
Was ist die Genschere CRISPR/Cas9?
CRISPR steht für „Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats“, auf Deutsch etwa „gehäufte, regelmäßig unterbrochene kurze palindromische Wiederholungen“. Entwickelt wurde die Methode 2012 von der französischen Forscherin Emmanuelle Charpentier und der US-Amerikanerin Jennifer A. Doudna.
Mit dieser extrem präzisen Methode lassen sich gezielt DNA-Abschnitte schneiden, aus denen Gene bestehen. So können Gene, die für bestimmte Eigenschaften der Cannabispflanze verantwortlich sind – etwa die Blattfarbe oder die Bildung von THC und CBD –, verändert oder komplett ausgeschaltet werden. Heraus kommt eine maßgeschneiderte Cannabispflanze, präzise bis ins Detail.
Klingt nach Laborerfindung, ist aber eigentlich ein Abwehrmechanismus von Bakterien: CRISPR erkennt virale DNA und schneidet sie durch, um den Erreger auszuschalten. Die „Genschere“, die das Forscherinnen-Duo daraus entwickelt hat, funktioniert in Bakterien-, Tier- und Pflanzenzellen.

Die Methode ist ein großer Sprung für die Gentechnik und für die Landwirtschaft. Weil CRISPR keine fremde DNA einschleusen muss, gelten so bearbeitete Pflanzen oft nicht als transgen: Das eigene Erbgut wird umgeschrieben, ohne Gene anderer Arten oder Organismen einzubauen. Wie Behörden solche Pflanzen rechtlich einstufen, ist allerdings von Land zu Land verschieden.
Was CRISPR/Cas9 bei Cannabis verändern könnte
CRISPR/Cas9 verspricht für die Cannabisgenetik eine ganze Reihe handfester Vorteile, allen voran gleichmäßigere Ernten und höhere Erträge. Dazu kommen diese Punkte, die dir zu richtig starken Pflanzen verhelfen könnten:
- Bessere Kontrolle über das THC/CBD-Verhältnis im Nutzhanf, wo genetische Schwankungen den THC-Gehalt zu hoch treiben können – mit teuren Verlusten, weil für das psychoaktive Cannabinoid gesetzliche Grenzwerte gelten.
- Mehr THC in Cannabispflanzen, entweder durch höhere Produktion in den Trichomen oder indem andere Pflanzenteile ebenfalls THC bilden, für die Massenproduktion.
- Mehr seltene oder Neben-Cannabinoide mit pharmazeutischem Potenzial in den Blüten.
- Mehr Biomasse.
- Bessere Widerstandskraft gegen Krankheiten und Umweltstress.
- Mehr Trichome.
- Veränderte Terpenprofile.
Bei solchen Aussichten wundert es nicht, dass die großen Player der Cannabisbranche ordentlich Geld in den Wettlauf um neue Genetiken stecken.
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