Wie wirkt Cannabis gegen Schmerzen? Was Forschung und Gehirn verraten
NOTIZEN

Wie wirkt Cannabis gegen Schmerzen? Was Forschung und Gehirn verraten

Endocannabinoid-System, noziplastischer Schmerz und Placebo: wie Cannabis auf Schmerzen wirken könnte – und warum die Medien oft mehr versprechen als die Studien.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis wirkt bei Schmerzen über das Endocannabinoid-System: THC und CBD docken an Rezeptoren an, die Schmerzwahrnehmung und Entzündungsreaktionen mitsteuern. Erfahrungsberichte und erste Studien deuten darauf hin, dass das bei verschiedenen Schmerzarten Linderung bringen kann – die Datenlage ist aber dünner, als viele Medienberichte suggerieren. Kein Wunder, dass Cannabis, seit Jahrtausenden in vielen Kulturen genutzt, Forschende, Ärzteschaft und Therapie gleichermaßen beschäftigt.

CBD-Creme zur Anwendung bei Schmerzen

Cannabis und Schmerzen: Wie hängt das zusammen?

Viele fragen sich, wofür Cannabis eigentlich gut ist. Ein großes Thema dabei: Chronische Schmerzen betreffen weltweit Millionen Menschen, von Muskel- und Gelenkschmerzen bis zu Nervenschmerzen, und sie gut in den Griff zu bekommen, bleibt für die Medizin eine Daueraufgabe.

Hier kommt Cannabis ins Spiel: Erfahrungsberichte und wissenschaftliche Hinweise legen nahe, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Pflanze wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) bei verschiedenen schmerzhaften Erkrankungen Linderung bringen könnten.

Cannabis als Schmerztherapie

Viele verbinden Cannabis vor allem mit dem Rausch, sein therapeutisches Potenzial geht aber weit über das reine „High-Werden“ hinaus.

Medizinisches Cannabis ist im Gesundheitsbereich zu einem großen Thema geworden und bietet verschiedene Optionen für die Behandlung chronischer Schmerzen und anderer Beschwerden. Von Blüten zum Rauchen über Edibles bis zu Ölen gibt es viele Darreichungsformen, jede mit einem anderen Profil an Cannabinoiden wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).

Man weiß, dass Cannabinoide mit dem Endocannabinoid-System des Körpers interagieren, das unter anderem eine Schlüsselrolle bei der Schmerzregulation spielt. Darüber können sie die Schmerzwahrnehmung und die Entzündungsreaktion beeinflussen – ein Hinweis darauf, dass Cannabis ein wertvolles Werkzeug bei chronischen Schmerzen sein könnte.

Was sagt die Forschung zu Cannabis gegen Schmerzen?

Mit dem Interesse am therapeutischen Potenzial von Cannabis wächst auch die Forschung zu seiner schmerzlindernden Wirkung. Länder weltweit überarbeiten ihre Regeln für medizinisches Cannabis und erleichtern Patient:innen den Zugang zu dieser Behandlungsoption.

Eine Analyse in JAMA Network Open ergab allerdings, dass Medien, auch große Zeitungen, Cannabis oft als Schmerzmittel anpreisen, selbst wenn die Studienergebnisse neutral oder negativ ausfallen.

Das wirft Fragen zur Objektivität der Berichterstattung auf: Die Medien berichten tendenziell positiv, egal was die Wissenschaft herausfindet.

David Hao, Facharzt für chronische Schmerzen am Massachusetts General Hospital in den USA, betont, dass künftige Studien zu medizinischem Cannabis und Schmerz objektive, evidenzbasierte Ergebnisse liefern müssen. Nur so können Ärzt:innen und Patient:innen fundiert entscheiden, ob Cannabis Teil des Behandlungsplans sein soll.

Kurz gesagt: Beim Thema Cannabis gegen Schmerzen geht es auch um die Objektivität der Medien und um den Bedarf an sauberer Forschung. Weil so viele Menschen unter chronischen Schmerzen leiden, müssen Medizin und Wissenschaft das Thema ernst nehmen und belastbare Belege für Wirksamkeit und Sicherheit suchen.

Wie verbreitet sind chronische Schmerzen?

Chronische Schmerzen betreffen einen großen Teil der Bevölkerung: Laut den US-Gesundheitsbehörden CDC leidet etwa jeder fünfte Mensch in den USA darunter, in Spanien sind es laut spanischen Daten rund 11 %.

Umso wichtiger ist es, dass künftige Studien zur Wirkung von Cannabinoiden auf Schmerzen unvoreingenommen sind – nur so lassen sich Patient:innen bestmöglich versorgen.

Welche Rolle spielt das Gehirn beim Schmerz?

Wie das Gehirn die Schmerzwahrnehmung beeinflusst, ist ein wichtiges Forschungsfeld, besonders bei Erkrankungen mit noziplastischem Schmerz. Anders als nozizeptiver und neuropathischer Schmerz, die durch Schäden an Gewebe bzw. Nerven entstehen, geht noziplastischer Schmerz auf veränderte Verarbeitung in den sensorischen Bahnen des Gehirns zurück.

Erkrankungen wie Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom und Spannungskopfschmerz können diese Art von Schmerz auslösen. Sie kann genauso belastend sein wie andere Schmerzformen, spricht aber oft schlecht auf herkömmliche Behandlungen an.

Welche Rolle spielt der Placebo-Effekt bei noziplastischem Schmerz?

Studien deuten darauf hin, dass noziplastischer Schmerz besonders empfänglich für den Placebo-Effekt sein könnte. Funktionelle MRT-Aufnahmen zeigen, dass Hirnregionen für Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung aktiv werden, wenn Patient:innen negative Gedanken über ihre Erkrankung haben. Erwartungen und Gedanken können das Schmerzerleben also deutlich prägen, gerade beim noziplastischen Schmerz.

Was heißt das für die Behandlung?

Fachleute vermuten, dass Menschen mit noziplastischem Schmerz besonders stark auf Placebos ansprechen – diese Hypothese muss aber noch weiter erforscht werden. Klar ist: Wer versteht, wie Erwartungen und Überzeugungen die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, kann wirksamere Behandlungen entwickeln.

Cannabispflanzen im Indoor-Grow an Tag 73

Ob Cannabis-Creme oder Öl: Warum der Wirkmechanismus zählt

Eine Behandlung, die kurzfristig Linderung bringt, ist natürlich willkommen. Für eine gute Versorgung auf Dauer muss man aber verstehen, was dahintersteckt. Zu wissen, dass etwas wirkt, reicht nicht – man muss verstehen, warum, um die Ergebnisse langfristig zu verbessern.

Welche Rolle spielt Cannabis in der Schmerztherapie?

Auch wenn manche Medien Cannabis als Schmerzmittel feiern, belegen die wissenschaftlichen Daten seine Wirksamkeit noch nicht vollständig. Schmerzbehandlungen sollten auf solider Evidenz und einem Verständnis der Mechanismen beruhen, damit Menschen mit chronischen und noziplastischen Schmerzen bestmöglich versorgt werden.

Welche Anwendungsformen gibt es?

Von Ölen und Tinkturen über Edibles bis zum Vaporizer: Patient:innen können medizinisches Cannabis gegen Schmerzen auf viele Arten anwenden. Dazu kommt die große Auswahl an Sorten und Cannabinoid-Profilen, die eine auf die einzelne Person zugeschnittene Behandlung möglich macht.

Fazit

Cannabis könnte in der Schmerzbehandlung eine wichtige Rolle spielen und Menschen mit belastenden chronischen Erkrankungen Linderung verschaffen. Die Forschung dazu läuft aber noch, und es braucht weitere klinische Studien, um Reichweite und Wirksamkeit von Cannabis als Schmerzmittel wirklich zu verstehen.