Woher kommt Cannabis? Ursprung und Geschichte der Pflanze
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Woher kommt Cannabis? Ursprung und Geschichte der Pflanze

Von Zentralasien über die Jungsteinzeit und die Hallstattkultur bis zur UN-Konvention von 1961: die lange Reise der Hanfpflanze.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis stammt ursprünglich aus Zentralasien, nicht aus Mittelamerika, wie lange behauptet wurde. Der Mensch baut die Pflanze seit der Jungsteinzeit an, und die ältesten medizinischen Erwähnungen werden traditionell in China auf etwa 2737 v. Chr. datiert. Wer Cannabis „entdeckt“ hat, lässt sich dagegen kaum sagen: Die Pflanze hat eine lange und umstrittene Geschichte und wird seit über 5.000 Jahren für alles Mögliche genutzt, zum Genuss und zur Entspannung, für Meditation und gegen verschiedene Krankheiten und Beschwerden.

Eine Zeit lang hieß es, Marihuana stamme aus Mesoamerika, also dem alten Mittelamerika. Das hat sich aber als ziemlich unglaubwürdige Legende entpuppt. Tatsächlich lassen sich die Ursprünge bis zu chinesischen Medizinschriften zurückverfolgen, die auf etwa 2737 v. Chr. datiert werden.

Blühende Cannabispflanze

Auch wenn die Pflanze nicht aus Mittelamerika kommt, hat sie dort und weltweit großes Interesse geweckt. In Mexiko zum Beispiel reicht die Geschichte von Cannabis von Textil- und Medizinzwecken über den Freizeitkonsum und den freien Verkauf bis zum Verbot auf politischen und gesellschaftlichen Druck, zur Duldung und zuletzt zur Entkriminalisierung für Freizeit- und medizinischen Gebrauch. In Argentinien sieht es anders aus: Dort ist die Nutzung nur für medizinische und therapeutische Zwecke erlaubt. Zumindest bis jetzt.

Woher kommt Cannabis wirklich?

Ursprünglich stammt die Pflanze, so eine verbreitete Annahme, aus einer Wüstenregion südöstlich des Kaspischen Meeres. Cannabis gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), die manchen Schätzungen zufolge rund 100 Millionen Jahre alt ist. Die lange gemeinsame Geschichte von Cannabis und Mensch begann mit den Frühmenschen, die nach und nach herausfanden, welche Pflanzen essbar sind und welche heilende Wirkung haben. Nach viel Ausprobieren begannen sie ab der Jungsteinzeit, sie anzubauen.

So breitete sich Cannabis von seinen wilden Ursprungsgebieten in die Gegenden aus, in denen Menschen lebten. Wer als Erster Cannabis konsumiert hat, werden wir natürlich nie erfahren. Manche Autoren gehen aber so weit zu sagen, dass die Menschheitsgeschichte eng mit dem Konsum dieser Pflanze verknüpft ist und dass er für unsere Evolution eine Rolle gespielt hat: Immerhin hat unser Körper ein eigenes Endocannabinoid-System.

Festhalten lässt sich also: Cannabis stammt aus Zentralasien, wurde in der Jungsteinzeit (7000 bis 3000 v. Chr.) erstmals angebaut und breitete sich zuerst nach Osten (China) und später nach Westen (Europa) aus. Schon in der Jungsteinzeit erreichte es Europa, seinen westlichsten Punkt aber erst später.

In der Kupferzeit verbreitete es sich weiter über ganz Europa, bis an die Atlantikküste (Kerbors, Frankreich) und in den Süden der Iberischen Halbinsel. In der Eisenzeit spielte Cannabis bei den Begräbnisritualen der Elite der Hallstattkultur eine wichtige Rolle.

Wie verbreitete sich Cannabis mit den Indoeuropäern?

Die Pflanze verbreitete sich immer weiter. Zahlreiche Pollenanalysen zeigen, dass es Cannabis seit der Jungsteinzeit in Nordgriechenland, in Norditalien und im westlichen Mittelmeerraum gab.

Archäologen fanden Kohlebecken der Jamnaja-Kultur mit Cannabisresten, die bei religiösen Ritualen verwendet wurden. Man kann also davon ausgehen, dass sich Cannabis mit indoeuropäischen Stämmen zwischen 4000 und 1000 v. Chr. ausbreitete. Später entstanden Mischkulturen, die sich dank Pferd und Wagen noch weiter ausdehnten, und die Cannabissamen reisten mit.

Cannabisblüten in der Blütephase

Cannabis in einem der ältesten Bücher

Im frühen Mittelalter, im 6. Jahrhundert, entstand der Constantinopolitanus, ein Botanikbuch mit einer Zeichnung der Cannabispflanze. Sie gilt als älteste bekannte Buchillustration der Pflanze. Außerdem verfasste Aëtios von Amida eine medizinische Enzyklopädie in 16 Bänden, die Tetrabiblos, in der Cannabis ebenfalls vorkommt.

Cannabis und Religion: von Sufis bis zur Hexenbulle

Auch religiös hatte Cannabis großen Einfluss. Vom 7. bis zum 14. Jahrhundert wurde es im Islam genutzt, bis Haschisch als Sache von Sufis und Assassinen verschrien wurde. Ähnliches passierte in Europa ab dem 5. Jahrhundert: Das Christentum begann, alle bewusstseinsverändernden Substanzen zu verbieten, weil sie als Teufelszeug galten. Cannabis landete in Hexensalben und soll 1484 in einer päpstlichen Bulle von Innozenz VIII. ausdrücklich verboten worden sein.

Verschwunden ist es trotzdem nicht, denn vor allem wurde Hanf zu Fasern verarbeitet, für Kleidung und für Schiffstaue. Auch das Papier für Bücher wurde aus Hanf hergestellt. Die Hanfsamen dienten als Nahrung, und manche Apotheker und Ärzte setzten die Pflanze als Arznei ein.

19. Jahrhundert: Cannabis kommt in die Apotheke

Die Eigenschaften der Hanfpflanze passten schlecht zu den Anforderungen der Industriellen Revolution. Bis weit ins 20. Jahrhundert gab es deshalb keine Erntemaschinen, die die Arbeitskosten hätten senken können.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand Cannabis dann ohne Widerstand der Gesundheitsbehörden Eingang in alle europäischen Arzneibücher. Ende des 19. Jahrhunderts kamen aber synthetische Mittel wie Aspirin, Chloralhydrat und Barbiturate auf, die chemisch stabiler und damit verlässlicher waren als Cannabis, und das beschleunigte seinen Niedergang als Arzneimittel. Mit dem Genfer Opiumabkommen von 1925 begann schließlich die internationale Kontrolle von Cannabis.

Cannabiskultur und Verbot

Das weltweite Verbot der Pflanze kam mit dem Einheitsübereinkommen der Vereinten Nationen über Suchtstoffe von 1961 (Single Convention). Ziel war, den Konsum weltweit innerhalb von 25 Jahren komplett auszurotten.

Ironie der Geschichte: Nur drei Jahre später, 1964, isolierten die Chemiker Raphael Mechoulam und Yechiel Gaoni vom israelischen Weizmann-Institut den Hauptwirkstoff von Cannabis, Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Damit war klar, dass es sich um eine neue Stoffklasse handelte, die sich strukturell von anderen Substanzen unterscheidet und therapeutisches Potenzial hat.

Und springen wir ins Jahr 2013: Uruguay wurde zum ersten Land, das Verkauf, Vertrieb und Anbau der Pflanze legalisierte. 2018 folgte Kanada als zweites Land der Welt, das Cannabis für den Freizeitkonsum legalisierte.