
Abends kiffen: Was es mit deinem Schlaf und dem nächsten Morgen macht
Viele rauchen zum Einschlafen. Was die Forschung zu THC, CBD und Schlaf sagt, warum die Toleranz mitspielt und wann du am nächsten Tag noch benebelt bist.
Abends kiffen und wie du dich am nächsten Tag fühlst
Wer ab und zu abends kifft, kann damit oft leichter einschlafen. Regelmäßig und hoch dosiert kann Cannabis aber den Tiefschlaf verkürzen, zur Gewöhnung führen und dir am nächsten Tag Müdigkeit und Gedächtnisprobleme bescheren. Viele nutzen Gras als Einschlafhilfe, im Freizeitkonsum genauso wie in der Medizin: Rund 70 % der jungen Erwachsenen, die gelegentlich kiffen, geben an, es zum besseren Schlafen zu tun. Unter Langzeitkonsumenten (10 Jahre und mehr) nutzt etwa die Hälfte Cannabis für besseren Schlaf. Unter Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen nehmen, etwa gegen Schmerzen, sagen bis zu 85 %, dass es ihren Schlaf verbessert.
Die Forschung dazu, ob Cannabis den Schlaf tatsächlich verbessert, steckt noch in den Kinderschuhen. Gelegentlich genutzt kann Gras gegen Schlaflosigkeit helfen, ob die Langzeitnutzung der Schlafqualität am Ende nützt oder schadet, wissen die Forschenden aber noch nicht.
In bestimmten Fällen scheint Cannabis den Schlaf zu verbessern. Patienten mit chronischen Schmerzen, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) oder Multipler Sklerose berichten, dass sie damit schneller einschlafen, nachts seltener aufwachen und insgesamt besser schlafen.

Viele behandeln Schlaflosigkeit, Angst und Schmerzen auf eigene Faust mit Cannabis. Wie gut das beim Schlafen hilft, ist in dieser Gruppe weniger eindeutig, auch wenn in einer Studie mit Menschen mit Schlafstörungen viele Teilnehmende berichteten, dass Cannabis ihre Symptome linderte.
Man nimmt an, dass die schlaffördernde Wirkung der Cannabinoide über die Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn läuft. Docken Cannabinoide an diese Rezeptoren an, steigt der Spiegel von Adenosin, einem Botenstoff, der müde macht, und das Erregungssystem des Gehirns wird gedämpft. Zusammen kann das dazu führen, dass du dich sediert oder schläfrig fühlst.
Cannabis enthält mehrere Wirkstoffe, darunter Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC wirkt meist beruhigend, kann manche aber auch aufputschen, vor allem Neulinge oder bei höheren Dosen. Dann dauert es nach dem Kiffen vor dem Schlafengehen womöglich länger, bis du einschläfst. CBD scheint in niedriger Dosis eher wach und in höherer Dosis eher müde zu machen. Wie beide zusammen wirken, hängt wohl von Dosis und Zeitpunkt ab.
CBD und THC könnten außerdem bei chronischen Beschwerden helfen, die den Schlaf stören. Erste Untersuchungen zu synthetischem THC zeigen zum Beispiel Potenzial bei obstruktiver Schlafapnoe, gegen PTBS-bedingte Albträume und für besseren Schlaf bei chronischen Schmerzen. CBD könnte dagegen die Symptome der REM-Schlaf-Verhaltensstörung und übermäßige Tagesmüdigkeit lindern.
Wenn du Cannabis als Einschlafhilfe nutzt, hängt die Wirkung davon ab, was du genau konsumierst. Gras aus THC-Sorten enthält vor allem THC, den wichtigsten psychoaktiven Wirkstoff. Nutzhanf dagegen hat mehr CBD.

Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die Cannabis lange als Schlafhilfe nutzen, eine Toleranz gegen die beruhigende Wirkung entwickeln und mit der Zeit mehr brauchen, um denselben Effekt zu spüren. Starker Konsum kann vor allem langfristig Folgen für den Schlaf haben: insgesamt weniger Schlaf, weniger Tiefschlaf, längeres Einschlafen und häufigeres Aufwachen.
Eine Studie fand heraus, dass hohe THC-Dosen am Abend am nächsten Tag unerwünschte Nachwirkungen haben können, etwa Gedächtnisprobleme und Schläfrigkeit – eine Art Weed-Kater. Auch beim Aufhören kann der Schlaf leiden: mit seltsamen Träumen, Einschlafproblemen und weniger Tiefschlaf.
Wie wirken Indica-Sorten?
Indica gilt neben Sativa als eine der beiden großen Cannabis-Gruppen, und ihr werden einige angenehme Effekte nachgesagt. Sie ist bekannt für ihre entspannende, beruhigende Wirkung und kann Körper und Kopf in einen Zustand von Ruhe und Gelassenheit versetzen. Das kommt vielen nach einem anstrengenden Tag gerade recht, um Stress abzubauen und runterzukommen. Patienten berichten außerdem von schmerzlindernder Wirkung, ob bei chronischen Schmerzen, Muskelschmerzen oder Migräne. Ein weiterer Punkt: Indica-Sorten werden häufig zum Einschlafen eingesetzt und können helfen, leichter einzuschlafen und erholsamer zu schlafen. Dazu sollen sie Muskelverspannungen lösen und Krämpfe mildern, was Menschen mit Muskelbeschwerden zugutekommen kann. Und schließlich wird Indica eine angstlösende Wirkung zugeschrieben, die Angstsymptome mildern und tief entspannen kann. Kurz: Indica-Sorten stehen für Entspannung, Schmerzlinderung, besseren Schlaf und weniger Angst – auch wenn das Etikett allein keine Garantie für die Wirkung ist.

Wie wirken Sativa-Sorten?
Sativa-Sorten gelten im Vergleich zu Indica als anregend und energiegeladen. Sie können einen Energieschub und ein euphorisches Gefühl bringen. Manche nutzen Sativa, um die Stimmung zu heben und kreativer zu werden.
Cannabis wird zwar von manchen gegen Angst genutzt, die Wirkung ist aber von Mensch zu Mensch verschieden. Manche spüren mit Sativa-Sorten weniger Angst, bei anderen wird sie stärker. Sei deshalb vorsichtig und sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor du Cannabis gegen Angststörungen einsetzt.
Zum Einschlafen kann die anregende Wirkung von Sativa bei manchen eher hinderlich sein. Jeder reagiert aber anders, und einige kommen damit trotzdem gut in den Schlaf. Hör auf deine eigenen Vorlieben und darauf, wie dein Körper auf diese Sorten reagiert.
Zum Thema Abnehmen: Es gibt keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass Cannabis, ob Sativa oder Indica, direkt beim Abnehmen hilft. Einige Studien deuten zwar an, dass das CBD im Cannabis Appetit und Stoffwechsel beeinflussen könnte, um das wirklich zu verstehen, braucht es aber mehr Forschung.
Und zum Unterschied zwischen Haschisch und Gras: Haschisch wird aus dem Harz der Cannabispflanze gewonnen, Gras sind die getrockneten, zerkleinerten Blüten selbst. Haschisch hat meist einen höheren THC-Gehalt als Gras und kann dadurch stärker und länger wirken.
Fazit: Sativa-Sorten wirken eher anregend und energiegeladen und können die Stimmung heben und die Kreativität fördern. Die Wirkung ist aber individuell verschieden, behalte also deine eigenen Vorlieben und mögliche Gegenanzeigen im Blick.
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