Big Data und Cannabis: Was eine Datenstudie aus Portugal über Psychosen zeigt
NOTIZEN

Big Data und Cannabis: Was eine Datenstudie aus Portugal über Psychosen zeigt

Vom smarten Grow bis zur Klinikstatistik: wie Big Data die Cannabisbranche verändert und was 15 Jahre portugiesische Krankenhausdaten über Psychosen verraten.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Big Data verändert die Cannabisbranche an zwei Fronten: Grower und Firmen optimieren damit Anbau, Produktion und Produkte, und Forschende werten riesige Gesundheitsdatenbanken aus, um zu verstehen, was Cannabis im Körper tatsächlich macht. Mit der zunehmenden Legalisierung und Akzeptanz entstehen gewaltige Datenmengen, von Sortenprofilen und therapeutischer Wirksamkeit bis zu Konsumgewohnheiten und Marktvorlieben.

Big-Data-Analyse, also das Sammeln, Auswerten und Nutzen von Daten im großen Stil, ist ein fruchtbarer Boden für die Cannabisindustrie. Ob optimierte Grows und Produktionsabläufe, personalisierte Nutzererlebnisse oder neuer Schwung für die Forschung: Daten verändern gerade, wie wir mit dieser jahrtausendealten Pflanze umgehen.

Hier schauen wir uns an, wie Cannabis und Big Data zusammen die Zukunft der Branche prägen und wie sie Stück für Stück entschlüsseln, was Cannabis in unserem Körper macht.

Erntetag in einem Cannabis-Grow

Was Big Data über Cannabis und Psychosen verrät

In einer wegweisenden Studie haben Forschende in Portugal den möglichen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und psychotischen Störungen genau unter die Lupe genommen. Mit einer soliden Big-Data-Methodik werteten sie Patientendaten aus den Jahren 2000 bis 2015 aus, die von der portugiesischen Gesundheitsbehörde Administração Central dos Serviços de Saúde stammten.

Die Studie war eine retrospektive Beobachtungsstudie. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten psychotischer Störungen bei Patienten zu untersuchen, die in diesem Zeitraum in öffentlichen Krankenhäusern behandelt wurden.

Dafür wurden verschiedene Faktoren ausgewertet, etwa Alter, Geschlecht, Diagnose, Aufnahme- und Entlassungsdatum, Aufenthaltsdauer und die Kosten jedes Klinikaufenthalts.

Was kam dabei heraus?

Die Ergebnisse, veröffentlicht im International Journal of Methods in Psychiatric Research (Verlag Wiley), zeigen: Klinikaufenthalte wegen psychotischer Störungen mit zusätzlicher Diagnose Cannabiskonsum haben sich in diesem Zeitraum um das 29,4-Fache erhöht.

Unter den untersuchten Klinikaufenthalten waren 12,2 % der Patienten Cannabiskonsumenten, 8,4 % hatten affektive Störungen und 5 % Persönlichkeitsstörungen.

Besonders auffällig war der deutliche Anstieg der Klinikaufenthalte wegen cannabisbezogener psychotischer Störungen: von nur 0,87 % im Jahr 2000 auf 10,60 % im Jahr 2015. Die Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, den Zusammenhang zwischen Cannabis und psychischer Gesundheit weiter zu erforschen, als Grundlage für Gesundheitspolitik, Prävention und passende Behandlungsangebote.

Wer landet in der Klinik? Geschlecht und Alter in den Daten

Auffällig ist das Geschlecht: 89,85 % der erfassten Fälle waren Männer. Das passt zu Statistiken, nach denen Männer deutlich häufiger kiffen als Frauen.

Beim Alter zeigte die Auswertung, dass eine psychotische Krise im Schnitt mit etwa 30 Jahren auftritt, rund 3,3 % der Klinikaufenthalte betrafen allerdings Minderjährige unter 18.

Die Ergebnisse passen zu früheren Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Cannabiskonsum psychotische Störungen auslösen könnte. Eine Beobachtungsstudie zeigt allerdings einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung.

Interessant ist auch: Die geschätzte Lebenszeitprävalenz von Cannabiskonsum in Portugal, also der Anteil der Menschen, die irgendwann im Leben gekifft haben, liegt bei 9,75 % und damit unter dem europäischen Durchschnitt.

Trotzdem zeigt sich in Portugal im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein stärkerer Trend zum Cannabiskonsum, ein Punkt, der eine genauere Analyse verdient.

Cannabispflanzen im Indoor-Grow an Tag 63

Welche Rolle spielt Big Data für die öffentliche Gesundheit?

Die Studie zeigt, wie wertvoll Big-Data-Technologie für die Erforschung psychotischer Störungen sein kann. Grundlage waren klinische Kodierungen in Verwaltungsdatenbanken der Krankenhäuser.

Wichtig dabei: In portugiesischen öffentlichen Krankenhäusern ist die Arbeit mit solchen Datenbanken Standard. Diagnosen und Behandlungen werden von speziell geschultem medizinischem Personal kodiert, was die Daten verlässlich macht.

Spannend ist auch der gesellschaftliche Hintergrund: Portugal hat 2001 als eines der ersten Länder den Besitz zum Eigenkonsum entkriminalisiert. Strafbar wird es erst, wenn jemand mehr als zehn Tagesdosen bei sich hat.