Cannabis in spirituellen Ritualen: von 2.500 Jahre alten Gräbern bis zu Chakren
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Cannabis in spirituellen Ritualen: von 2.500 Jahre alten Gräbern bis zu Chakren

Rauch, Musik und THC-reiche Pflanzen: Was ein Friedhof im Pamir über die frühe spirituelle Nutzung von Cannabis verrät.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis wurde schon vor rund 2.500 Jahren in Ritualen verwendet: Im Pamir-Gebirge im Westen Chinas verbrannten Menschen um 500 v. Chr. THC-reiche Pflanzen bei Bestattungen, vermutlich um Trauernde in einen veränderten Bewusstseinszustand zu versetzen. Das zeigt eine Studie zu Gräbern aus dieser Region – und sie ist nur ein Kapitel in der langen Geschichte von Gras und Spiritualität.

Die Analyse von Rückständen auf dem Friedhof im Pamir ergab chemische Spuren, die auf beachtliche Mengen Tetrahydrocannabinol (THC) hindeuten, also den wichtigsten psychoaktiven Wirkstoff im Cannabis. Der Fund zeigt, wie eng die Pflanze mit uralten Bestattungsritualen verbunden war und dass sie über Jahrtausende eine feste Rolle in Spiritualität und Zeremonien gespielt hat.

Cannabis und Spiritualität: Was hat die Studie gefunden?

Robert Spengler, Archäobotaniker am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, betont: Egal, wie man heute zu Cannabis steht – die Pflanze hat in der Menschheitsgeschichte deutliche Spuren hinterlassen, und der Fund rückt ihre spirituelle Bedeutung in ein neues Licht.

Frühere Funde von Cannabisstängeln und -samen in Eurasien werden durch die neuen Ergebnisse vom Pamir-Friedhof, abgesichert mit moderner Analysetechnik, deutlich gestützt.

Die Studie stellt nicht nur unser modernes Bild von Cannabis infrage, sie erweitert auch das bekannte Verbreitungsgebiet des Konsums in Zentralasien. Cannabis zeigt sich hier nicht als reines Genussmittel, sondern als spiritueller Begleiter, der Gemeinschaften durch Rituale und heilige Handlungen geführt hat – eine greifbare Verbindung zwischen Spiritualität und Gras über Jahrhunderte.

Cannabispflanzen im Growraum

Die Studie erschien im Fachjournal Science Advances und belegt überraschende Verbindungen zwischen Cannabis und 2.500 Jahre alten Bestattungsritualen im Pamir. Das interdisziplinäre Team aus Archäolog:innen und Chemiker:innen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking barg rund siebzig Fundstücke aus der Grabstätte, darunter Glasperlen, Harfen, Seidenstücke und Holzgefäße.

Was die Bestattungsrituale verraten

Bei den Ausgrabungen fanden sich Löcher und Schnitte in Schädeln und Knochen, was auf mögliche Menschenopfer bei diesen Ritualen hindeutet. Die Forschenden beschreiben eine Szene aus Flammen, rhythmischer Musik und berauschendem Rauch, die Trauernde in veränderte Bewusstseinszustände führen sollte.

Dafür legte man heiße Steine in hölzerne Räuchergefäße und gab Cannabispflanzen dazu. Rückstände davon fanden sich in Gefäßen und Steinen aus acht Gräbern des Friedhofs Jirzankal. Cannabis-Rituale waren an diesen Orten also offenbar üblich.

Ein Rätsel für die Forschung

Dass keine Cannabissamen gefunden wurden, wirft spannende Fragen auf. Die Archäobotaniker:innen vermuten, dass die Samen gezielt entfernt und weggeworfen wurden oder dass die Trauernden für die Rituale Pflanzenteile ohne Blüten, etwa Stängel, verwendeten.

Eine der spannendsten offenen Fragen: Wie haben die Menschen damals Pflanzen mit hohem THC-Gehalt ausgewählt? Wildes Cannabis aus Zentralasien hat in der Regel nur wenig THC – die Funde deuten also darauf hin, dass potente Pflanzen womöglich gezielt angebaut und selektiert wurden.

Cannabis-Rituale: ein paar Theorien

Eine weitere Theorie der Forschenden: Händler könnten die Pflanzen entlang der Seidenstraße transportiert und dabei unbeabsichtigt Kreuzungen ausgelöst haben. Der Weg durch die abgelegenen Schluchten des Pamir verband Regionen, die wir heute als China, Tadschikistan und Afghanistan kennen.

Die Funde geben nicht nur einen einzigartigen Einblick in alte Rituale, sie werfen auch Fragen über das Verhältnis der Menschen damals zu potentem Cannabis auf – ein Meilenstein für unser Verständnis der historischen Verbindung zwischen Cannabis und Spiritualität.

Cannabis und Chakren: eine spirituelle Verbindung?

Cannabis, oft „heiliges Kraut“ genannt, ist nicht nur ein Stück Hippie-Kultur, sondern hat tiefe spirituelle Wurzeln. Schon in den alten vedischen Schriften Indiens wird es erwähnt.

In der Chakra-Lehre, die von Energiezentren im Körper ausgeht, gilt Cannabis als Katalysator, der die Energie des Körpers ausgleichen und erweitern soll. Die sieben Chakren, die mit lebenswichtigen Bereichen des Körpers verbunden werden, sollen durch Cannabis angeregt werden – für Anhänger:innen eine echte Brücke zwischen Spiritualität und psychoaktiver Erfahrung.

Chakren, Energie und Cannabis

Die Chakren liegen dieser Lehre zufolge entlang der Wirbelsäule und sind mit Bereichen wie Herz, Kehle und Kopf verknüpft. Für Anhänger:innen geht die Verbindung zu Cannabis über einen rein psychischen Effekt hinaus und ist eine spirituelle Realität.

Die Pflanze soll helfen, die Chakren zu öffnen und zu erweitern und so Schwingung und Energiefluss zu erhöhen. Das erweitere nicht nur das eigene Bewusstsein, sondern stärke auch die Verbindung zwischen Menschen – so jedenfalls die Vorstellung.

Cannabisblüten im Growraum

Cannabis, Yoga und Meditation: spirituelle Höhenflüge?

Wer täglich Yoga oder Meditation praktiziert, sieht Cannabis-Rituale
manchmal als Verbündete auf dem Weg zu tieferer Spiritualität. Sie sollen den Geist öffnen und die Verbindung zur Seele, zur Natur und zum Universum stärken. Spirituelle Praxis plus bewusster Umgang mit der Pflanze – für manche ein Weg zu einer tieferen Beziehung zu sich selbst und zur Umwelt.

Einflussreiche Figuren wie der Spiritualitäts-Guru Deepak Chopra sprechen bestimmten psychoaktiven Substanzen, auch Cannabis, eine Rolle auf dem Weg zur spirituellen Erhebung zu. Bei Meditation oder Heilritualen sollen sie die „Zirbeldrüse“ in der Mitte des Gehirns aktivieren. René Descartes hielt sie für den „Hauptsitz der Seele“, und viele Kulturen verbinden sie mit dem dritten Auge oder dem sechsten Chakra.

Von der spirituellen Suche bis zum entspannten Feierabend-Joint: Auch wer
einfach zum Runterkommen raucht, sieht in Cannabis oft eine „heilige Pflanze“, die tiefe, bedeutsame Erfahrungen auf dem Weg zu einem erweiterten Bewusstsein möglich macht.

Unterm Strich: Cannabis und Spiritualität sind auf eine Weise verwoben, die Wissenschaft und Geschichte nach und nach aufdecken. Von uralten Bestattungsritualen bis zu Chakren und Meditation – Cannabis begleitet die Menschen seit Langem auf ihrer Suche nach dem Heiligen.