Cannabis und CBD im Alter: Was Senioren wissen sollten
KONSUM

Cannabis und CBD im Alter: Was Senioren wissen sollten

Schmerzen, Schlaf, Angst: Immer mehr ältere Menschen greifen zu CBD oder Gras. Was dafür spricht, wo die Risiken liegen und wie Angehörige helfen können.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Cannabis und CBD können älteren Menschen laut eigenen Berichten bei Schmerzen, Angst und Schlafproblemen helfen, bringen im Alter aber besondere Risiken mit: Wechselwirkungen mit Medikamenten, Stürze und Verwirrtheit. Wer es probieren will, sollte vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und niedrig dosiert anfangen. Die Pflanze wird seit Langem medizinisch wie zum Vergnügen genutzt, und seit vielerorts die Gesetze lockerer geworden sind, wird über Nutzen und Risiken neu diskutiert, gerade bei Erwachsenen.

Deshalb schauen wir uns an, wie Cannabis bei älteren Erwachsenen wirkt: die möglichen positiven und negativen Effekte und worauf du achten solltest, bevor du es nutzt. Von chronischen Schmerzen bis zu Stress und Angst: Zahlreiche Studien deuten auf eine breite Palette möglicher Anwendungen hin.

Cannabispflanze in der Blüte

CBD für Senioren: Nutzen und was du bedenken solltest

Immer mehr Menschen mittleren und höheren Alters nutzen Cannabis und Produkte mit Cannabidiol (CBD), vor allem seit der Legalisierung in Teilen Nordamerikas.

Dass es diese Produkte in bequemen Formen wie Fruchtgummis oder Bonbons gibt, hat sie in dieser Altersgruppe beliebt gemacht. Viele Ältere berichten, dass Cannabis und CBD ihnen helfen, mit Angst umzugehen, Schmerzen zu lindern und besser zu schlafen.

Welche Risiken hat Cannabis für ältere Menschen?

Der steigende Konsum bringt aber auch eigene Risiken für diese Altersgruppe mit sich. Ein großes Problem sind mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, denn viele Ältere nehmen dauerhaft mehrere davon. Dazu kann Cannabis in diesem Alter das Risiko für Stürze, Verletzungen, Unruhe und Verwirrtheit erhöhen.

Heikel ist auch, dass viele ältere Menschen ihrem Arzt verschweigen, dass sie Cannabis oder CBD nehmen. Das macht es schwer, ihre Gesundheit richtig einzuschätzen und zu behandeln.

Deshalb sollte man diese Punkte aktiv ansprechen und gut über Risiken und Nutzen von Cannabis und CBD im Alter aufklären, damit die medizinische Versorgung sicher und wirksam bleibt.

CBD im Alter: Tipps für eine sichere Anwendung

Du überlegst, CBD oder Cannabis zu nehmen? Dann sprich vorher unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wenn dich Angst, Schmerzen oder Schlaflosigkeit plagen, sollte erst nach den Ursachen gesucht werden, bevor du dich selbst behandelst, betont der Experte Maroon.

Frag außerdem nach möglichen Wechselwirkungen mit deinen Medikamenten, egal ob verschreibungspflichtig oder rezeptfrei. Eine 2020 in der Fachzeitschrift Geriatrics veröffentlichte Analyse kam zu dem Ergebnis, dass CBD und THC die Wirkung bestimmter Blutverdünner verstärken könnten.

CBD kann im Alter außerdem den Blutspiegel bestimmter Statine (Cholesterinsenker) erhöhen, ebenso den von Antihistaminika und Antidepressiva.

Mehr als die Vorteile von CBD: Nebenwirkungen im Alter

Genauso wichtig ist es, die möglichen Nebenwirkungen zu kennen. Cannabis kann bei manchen Menschen Herzrhythmusstörungen auslösen und in hohen Dosen zu Halluzinationen, Delir und Psychosen führen. Einige Studien bringen Cannabiskonsum außerdem mit höheren Raten von Depression und Angst in Verbindung.

Achte auch darauf, wie stark das Produkt ist. Laut Martin Lee, Leiter von Project CBD, einer gemeinnützigen Organisation für Aufklärung und Interessenvertretung rund um Cannabis, können manche heutigen Produkte wie Edibles und Tinkturen stärker sein als ein klassischer Joint.

Wenn Cannabis also dort legal ist, wo du lebst, und du es ausprobieren willst, gilt: „langsam und mit kleinen Mengen“ anfangen, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt.

CBD-Creme im Tiegel

Cannabis im Alter: Wie die Familie unterstützen kann

Wenn deine älteren Angehörigen überlegen, Cannabis oder CBD zu nehmen, kann deine Unterstützung viel für ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden tun. Das Wichtigste, was die Familie tun kann: sie ermutigen, mit ihrem Arzt zu sprechen, bevor sie mit Cannabis anfangen.

Es muss sichergestellt sein, dass es keine problematischen Wechselwirkungen mit ihren bisherigen Medikamenten gibt. Benjamin Han, Geriater an der UC San Diego, betont, dass Dosis und Produktart sehr unterschiedlich wirken können, und deshalb braucht es eine gut informierte ärztliche Beratung.

Außerdem sollten Angehörige das Thema offen und verständnisvoll mit ihren Eltern oder älteren Verwandten besprechen. Dr. Moore rät, nach ihren Gründen für Cannabis zu fragen und gemeinsam zu klären, ob es gesundheitliche Probleme gibt, die sich mit anderen medizinischen Ansätzen besser behandeln lassen.

Ebenso wichtig: mit niedriger Dosis anfangen und nur bei Bedarf langsam steigern. Das betont auch Tory R. Spindle, Assistenzprofessorin an der medizinischen Fakultät der Johns Hopkins University und Cannabis-Expertin.

Denk außerdem an mögliche Auswirkungen auf Denkvermögen und Motorik und mach klar, dass Autofahren unter Cannabiseinfluss tabu ist. Mit informierter, einfühlsamer Unterstützung kann die Familie viel dazu beitragen, dass Cannabis im Alter sicher und sinnvoll genutzt wird.