
Cannabis in der Gynäkologie: Wobei die Pflanze Frauen helfen könnte
Von der Antike bis zur argentinischen Gynäkologin Silvina Vulcano: was über Cannabis bei Endometriose, PCOS, PMS, PMDS und Fruchtbarkeit bekannt ist und wo die Forschung noch am Anfang steht.
In der Gynäkologie wird medizinisches Cannabis vor allem gegen Schmerzen erforscht: Regelschmerzen, Endometriose, Vulvodynie und Beckenschmerzen, dazu Beschwerden rund um PMS und die Wechseljahre. Die Forschung steht noch am Anfang, aber erste Studien und viele Patientinnenberichte deuten auf Linderung hin, gerade dort, wo Standardtherapien nicht reichen. Die Pflanze wird seit Jahrhunderten in vielen Kulturen gegen Schmerzen und verschiedenste Leiden eingesetzt und bekommt jetzt neue Aufmerksamkeit für die Frauengesundheit.
Von Regelschmerzen über Endometriose bis zu Vulvodynie und Wechseljahresbeschwerden: Cannabis könnte eine interessante Alternative zu herkömmlichen Behandlungen sein.

Wofür wird Cannabisöl in der Frauenheilkunde eingesetzt?
Die moderne Medizin hat erlebt, wie sich medizinisches Cannabis in viele therapeutische Richtungen entwickelt hat. Von chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose, Alzheimer und Glaukom bis zu Epilepsie, HIV und Amyotropher Lateralsklerose (ALS): In vielen Bereichen gilt Cannabis inzwischen als vielversprechendes Werkzeug.
In jüngerer Zeit zeigt die genauere Erforschung von CBD und seinen Anwendungen ermutigende Ergebnisse bei Erkrankungen und Beschwerden in der Frauenheilkunde, vor allem dort, wo die Schulmedizin nicht weiterkommt.
Cannabis bei Frauenleiden: eine sehr alte Geschichte
Schon frühe Hochkulturen kannten die Wirkung von Cannabis und sein Potenzial bei Beschwerden der weiblichen Fortpflanzungsorgane. Die Pflanze wurde gegen Menstruationsstörungen eingesetzt, gegen Schmerzen und zur Erleichterung der Geburt, aber auch bei Gebärmuttertumoren oder Gonorrhö.
Hanföle wurden äußerlich aufgetragen, um Geburtsschmerzen zu lindern, und Cannabisblüten wurden verbrannt, um den heilsamen Rauch einzuatmen. Diese Praktiken sind in vielen Kulturen überliefert, von China über die Sumerer und Ägypter bis später in den Nahen Osten und die arabische Welt.
Im frühmittelalterlichen Europa blieb Cannabis Teil der Heilkunde, und die Anwendungen weiteten sich auf schmerzhaft geschwollene Brüste und Beschwerden der Gebärmutter aus.
Cannabis in der traditionellen Pflanzenheilkunde
In der Kräutermedizin der Antike war Cannabis weit verbreitet und wurde oft mit anderen Kräutern oder nicht pflanzlichen Zutaten wie Honig kombiniert, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Alte Kulturen schätzten Cannabis bei Leiden der weiblichen Fortpflanzungsorgane. Erklären konnten sie die Wirkung nicht, aber sie beobachteten positive Effekte bei Erkrankungen der Gebärmutter, in den Wechseljahren und sogar zur Vorbeugung von Fehlgeburten.
Wie Cannabis in die moderne Gynäkologie kam
Im 18. und 19. Jahrhundert machte die Medizin große Fortschritte. Mit besserem anatomischem Wissen begannen Ärzte zu untersuchen und genauer zu beschreiben, wie Cannabis bei Dysmenorrhö (Regelschmerzen), Menorrhagie (sehr starker Regelblutung) und heftiger Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft helfen könnte.
Klinische Studien: Was Cannabisöl bei Erkrankungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane leisten kann
Mit dem wachsenden Interesse von Wissenschaft und Pharmaindustrie an den Wirkmechanismen von Cannabis wurden präklinische und klinische Studien durchgeführt, um Behandlungsergebnisse messbar und vergleichbar zu machen. Sie sollen klären, wie weit man sich bei Erkrankungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane auf Cannabisprodukte verlassen kann, und dabei Bewusstsein schaffen und Therapien verbessern.
Kann CBD bei Endometriose helfen?
Gynäkologische Behandlungen bringen oft nicht die gewünschte Wirkung, haben Nebenwirkungen oder lindern nur sehr kurz. Studien deuten darauf hin, dass Cannabis hier eine vielversprechende Option sein könnte, vor allem bei Endometriose.
Laut Laborstudien könnte CBD nicht nur bei Symptomen wie Beckenschmerzen helfen, sondern auch die Dezidualisierung von Stromazellen der Gebärmutterschleimhaut hemmen. Da rund 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter Endometriose haben, könnte so eine Erkenntnis für etwa 200 Millionen Frauen weltweit von Bedeutung sein.
Wie Cannabis heute in der Gynäkologie eingesetzt wird
Cannabis wird in kleinem Rahmen auch bei anderen schmerzhaften Beschwerden wie Beckenschmerzen und in den Wechseljahren eingesetzt. Das sind allerdings erst die ersten Versuche, nachzuvollziehen, was alte Kulturen ohne ausreichende wissenschaftliche und pharmazeutische Grundlage getan haben.
Wir stehen bei den gynäkologischen Anwendungen von Cannabis noch ganz am Anfang, und es braucht noch viel Forschung und viele klinische Studien. Schritt für Schritt beginnt Cannabis aber, die Gesundheit von Frauen weltweit wirksam und verantwortungsvoll zu verbessern.
Cannabis und gynäkologische Gesundheit: ein ganzheitlicher Ansatz
Silvina Vulcano: Expertin für Cannabis und Frauengesundheit
Silvina Vulcano ist eine angesehene argentinische Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Abschluss an der Universität Buenos Aires (UBA). Sie hat sich in Epidemiologie, Gesundheitsmanagement und -politik sowie Patientensicherheit weitergebildet und ihre Laufbahn der Erforschung von Cannabis bei Frauen und menstruierenden Menschen gewidmet.
Sie hat 2021 ein Diplom zu Cannabis und seinen medizinischen Anwendungen an der Universidad Nacional Arturo Jauretche erworben und den Aufbaustudiengang „Ganzheitlicher Umgang mit der Cannabispflanze für die Gesundheit“ an der Universidad Nacional de Rosario (UNR) absolviert, beides in Argentinien.
Das Colegio de Médicos, eine argentinische Ärztekammer, hat sie als Spezialistin hinzugezogen, um Kolleginnen und Kollegen im therapeutischen Einsatz von Cannabis zu schulen. Vulcano sagt: „Cannabis bietet Antworten nicht nur auf bestimmte Krankheiten, sondern auch auf alltägliche Beschwerden und Einschränkungen.“

Endometriose und Cannabis: Linderung der Schmerzen
Endometriose betrifft eine von zehn Frauen bzw. menstruierenden Personen. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, was über nozizeptive, entzündliche und neuropathische Mechanismen starke Schmerzen verursachen kann.
Silvina Vulcano erklärt, dass das Endocannabinoid-System mit Molekülen wie Anandamid und 2-AG Rezeptoren in Herz, Milz, Hormondrüsen und Fortpflanzungsorganen hat. Deshalb könnten Cannabisprodukte helfen, die Schmerzen bei Endometriose zu regulieren. Die Forschung untersucht noch, ob eine gestörte Regulation des Endocannabinoid-Systems mit einer höheren Häufigkeit der Erkrankung zusammenhängt.
Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) und Cannabis
Das polyzystische Ovarsyndrom betrifft 5 bis 15 % der Frauen im gebärfähigen Alter. Cannabis könnte bei Insulinresistenz und Übergewicht helfen, die bei dieser Erkrankung häufig sind. Klinisch belegt ist das aber noch nicht.
Vulcano betont, dass das Endocannabinoid-System eine Schlüsselrolle bei Appetit, Nahrungsaufnahme und Glukosestoffwechsel spielt, was sich positiv auf die Behandlung von PCOS auswirken könnte.
Prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Das prämenstruelle Syndrom betrifft drei von vier menstruierenden Personen und äußert sich unter anderem durch Reizbarkeit, Anspannung, Stimmungsschwankungen, empfindliche Brüste und Blähungen.
5 bis 8 % der menstruierenden Personen leiden an einer schwereren Form, der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Sie kann zu Depression, Angst, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und weiteren schweren körperlichen und seelischen Symptomen führen. Laut Vulcano ist „Cannabis eine nicht hormonelle Alternative, die womöglich weniger negative Nebenwirkungen hat als die derzeit verfügbaren Medikamente“.
Gern erzählt wird auch, dass schon Sir John Russell Reynolds, der Leibarzt von Königin Victoria, der Monarchin Cannabis gegen ihre Menstruationsbeschwerden verschrieben haben soll.
Fruchtbarkeit und Cannabis: Was die Studien sagen
Es gibt Hinweise, dass Cannabiskonsum den Eisprung und andere Abläufe der Fortpflanzung stören kann. Große Studien haben bei Frauen, die Cannabis konsumieren, aber keine deutlich geringere Fruchtbarkeit gezeigt.
Die US-amerikanische National Survey of Family Growth fand keinen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und der Zeit bis zur Schwangerschaft. Vulcano betont, dass man Faktoren wie körperliche Aktivität, täglichen Konsum und Stress berücksichtigen muss, um zu verstehen, wie Cannabis Zyklus und Fruchtbarkeit beeinflusst.
Silvina Vulcanos Fazit: „Wenn wir diese Faktoren sortieren können, kann der Cannabiskonsum aus der Stigmatisierung herauskommen und sinnvoll reguliert werden.“
DER CLUB
Werde Teil der Community
Grower mit Namen und Gesicht, rückverfolgbare Chargen, eine echte Community. Kein Gerede, keine leeren Versprechen.
Dem Club beitretenWEITERLESEN
GESUNDHEITMigräne: Auslöser meiden, Attacken lindern und die Rolle von Cannabis
Was Migräne ist, welche Trigger du kennen solltest, was bei einer Attacke hilft und warum Cannabis nicht bei allen gleich wirkt.
GESUNDHEITWie medizinisches Cannabis das Kiffer-Stigma abbaut
Von der Propaganda zur Patientenversorgung: warum das Bild vom kriminellen Kiffer langsam verschwindet.