Cannabis und Hormone: Was THC und CBD mit Östrogen und der Stressachse machen
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Cannabis und Hormone: Was THC und CBD mit Östrogen und der Stressachse machen

Vom Endocannabinoid-System über Östrogen bis zur HPA-Achse: was die Forschung bisher über Cannabis und den Hormonhaushalt weiß.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Cannabis greift in den Hormonhaushalt ein: Studien deuten darauf hin, dass THC und CBD die Produktion von Hormonen wie Insulin, Testosteron, Östrogen und dem Stresshormon Cortisol verändern können, mit möglichen Folgen für ganz unterschiedliche Bereiche der Gesundheit. Wie stark und in welche Richtung, hängt von Wirkstoff, Dosis und Person ab, und vieles ist noch nicht richtig erforscht.

Hormone steuern eine Menge im Körper, von Wachstum und Entwicklung bis zu Stimmung und Fortpflanzung. Wer verstehen will, welche Nebenwirkungen Cannabis haben kann, kommt am Hormonsystem also nicht vorbei.

Hier fassen wir zusammen, was man bisher weiß und was aktuelle Untersuchungen über Cannabis und Hormonspiegel zeigen.

Cannabispflanzen im Growraum an Tag 63

Weibliche und männliche Hormone: Was sind das eigentlich?

Hormone sind chemische Botenstoffe, die eine ganze Reihe von Körperfunktionen steuern und aufeinander abstimmen. Gebildet werden sie in verschiedenen Drüsen, eine der wichtigsten Hormonfabriken ist die Hirnanhangdrüse (Hypophyse).

Ihr Einfluss reicht vom Wachstum über den Blutzucker bis zum Zyklus und zur Stimmung. Das Netz aus hormonproduzierenden Drüsen nennt man das endokrine System.

Daneben gibt es ein weniger bekanntes, aber ebenso einflussreiches System: das Endocannabinoid-System (ECS), ein Netzwerk aus Rezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind.

Und was macht Cannabis im Körper?

Wie viele andere Arzneimittel greift auch Cannabis in unsere Hormone ein. Sowohl Produkte mit CBD als auch solche mit THC können die Hormonproduktion verändern, und das kann medizinisch positive wie negative Folgen haben.

Deshalb lohnt es sich, die möglichen Nebenwirkungen von Cannabis auf die Hormone zu kennen. Dazu schauen wir uns an, wie Cannabis auf verschiedene Rezeptoren im Körper wirkt, denn genau das erklärt seine hormonellen Effekte.

Wie wirkt Cannabis auf die Hormone?

Das Endocannabinoid-System ist eng mit vielen anderen Rezeptorsystemen im Körper verknüpft. Ob Dopamin-, Serotonin- oder Opioidrezeptoren: Cannabinoide können mit ihnen kommunizieren und sie leise, aber spürbar beeinflussen. Dieser Einfluss reicht bis zu unseren Hormonen und dem endokrinen System.

Hormone sind allerdings komplex, und wie Cannabis, Endocannabinoid-System und endokrines System genau zusammenspielen, ist noch nicht vollständig verstanden.

Klar ist trotzdem: Cannabis wirkt auf das endokrine System und kann die Produktion von Hormonen wie Insulin, Testosteron und Östrogen verändern. Das kann positiv oder negativ ausfallen.

Cannabis und Östrogen: ein Beispiel

Ein Beispiel aus der Praxis: Bei östrogenabhängigem Brustkrebs kann es sinnvoll sein, THC zu begrenzen, denn einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass THC den Östrogenspiegel erhöhen könnte.

CBD könnte in diesem speziellen Fall die passendere Option sein. Das heißt aber nicht, dass THC komplett tabu sein muss: Erste, vorläufige Studien schreiben ihm Eigenschaften zu, die gegen Krebs nützlich sein könnten (immer nur mit ärztlicher Begleitung).

Entlaubung einer Cannabispflanze

Das THC:CBD-Verhältnis genau auf die jeweilige Krebsart abzustimmen, wird damit zur zentralen Aufgabe, und die gehört in ärztliche Hände. Das ist kompliziert und von Mensch zu Mensch verschieden. Mehr weiß man dazu bisher nicht.

Was macht Cannabis mit der Stressachse (HPA-Achse)?

Die HPA-Achse, also die Achse aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde, ist eines der bekanntesten Hormonsysteme des Körpers. Sie hängt eng mit körperlichen Reaktionen wie Kampf oder Flucht zusammen und steuert, wie wir mit Stress umgehen.

Sie sorgt für die Produktion von Cortisol, einem Hormon mit vielen lebenswichtigen Aufgaben. Cortisol reguliert den Blutzucker, steuert den Stoffwechsel, dämpft Entzündungen, regelt über den Salz- und Wasserhaushalt den Blutdruck und ist an der Gedächtnisbildung beteiligt.

Dauerhaft hohe Cortisolwerte können der Gesundheit allerdings schaden. Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) etwa funktionieren die Rückkopplungsmechanismen, die die Cortisolproduktion bremsen, oft schlechter, was die Lage verschärft. Einige Studien deuten darauf hin, dass THC und CBD die Cortisolproduktion senken könnten, indem sie die Stressreaktion des Körpers beeinflussen.

Wie wirkt zu viel THC auf die HPA-Achse?

Wichtig: Zu viel THC kann den Cortisolspiegel nach dem Konsum erhöhen, was bei bestimmten Erkrankungen eine Rolle spielt.

Wer neu mit Cannabis anfängt, sollte deshalb vorsichtig sein und mit kleinsten THC-Dosen (Mikrodosierung) starten: Kleine Mengen können Angst lindern, große können sie verstärken. Wer zu Angst neigt, hält THC also besser niedrig.

Cannabis, Stressreaktion und Angst

Neben Cortisol sind an der Stressreaktion auch Adrenalin und Serotonin beteiligt. THC kann die Adrenalinausschüttung senken, was die Kampf-oder-Flucht-Reaktion dämpft und Reaktionen verlangsamt. Ein ausgeglichener Serotoninspiegel wiederum ist wichtig bei Störungen wie Angst, Depression und PTBS.

Langfristig könnte THC bei Angst, PTBS und verwandten Störungen helfen. Das berichten Patient:innen, und einige Untersuchungen deuten darauf hin, weil THC die Stressreaktion dämpfen und die Cortisolproduktion auf Dauer senken könnte.

Regelmäßiger THC-Konsum kann außerdem den morgendlichen Cortisolanstieg abflachen, die sogenannte Cortisol-Aufwachreaktion (CAR). Das könnte erklären, warum sich viele nach regelmäßigem THC-Konsum beim Aufwachen schläfrig fühlen, und manche Patient:innen nutzen THC gegen Schlaflosigkeit.

CBD kann zwar ebenfalls den Cortisolspiegel senken, bei Schlaflosigkeit wirkt es aber womöglich weniger deutlich als THC und CBN.