
Macht Kiffen impotent? Was Cannabis mit Erektion und Libido macht
Mehr Lust oder Erektionsstörung? Die Forschung zu Cannabis und männlicher Sexualität ist widersprüchlich – hier die Studienlage, ehrlich sortiert.
Ob Cannabis impotent macht, ist nicht abschließend geklärt: Einige Studien bringen Cannabiskonsum mit einem fast doppelt so hohen Risiko für Erektionsstörungen in Verbindung, andere sehen bei niedrigen Dosen eher mehr Lust und weniger Leistungsdruck. Die Ergebnisse widersprechen sich, und seit Jahren wird darüber gestritten, wie Cannabis die sexuelle Gesundheit von Männern beeinflusst.
Von möglichen positiven bis zu negativen Effekten, von mehr Lust bis zur erektilen Dysfunktion: Die Forschung hat sich viele Seiten dieser komplizierten Beziehung zwischen Cannabis und männlicher Sexualfunktion angeschaut.

Cannabis und Sex: Was ist eine Erektionsstörung?
Cannabis ist weit verbreitet und wird bei vielen Beschwerden eingesetzt, also liegt die Frage nahe, wie es sich auf die sexuelle Leistungsfähigkeit von Männern auswirkt. Hier geht es um den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und erektiler Dysfunktion (ED).
Eine ED bedeutet, dass eine Erektion für den Geschlechtsverkehr nicht ausreichend zustande kommt oder nicht gehalten werden kann. Sie ist häufig und kann Selbstwertgefühl und Sexleben stark belasten. Mit dem Alter wird sie häufiger, gilt aber nicht als normaler Teil des Älterwerdens und kann auf andere Gesundheitsprobleme wie Herzerkrankungen oder Diabetes hinweisen.
Neuere Studien haben untersucht, wie der Konsum verschiedener psychoaktiver Substanzen, etwa Alkohol, mit ED zusammenhängt.
Und was macht Cannabis?
Cannabis, also Blüten, Blätter und Stängel der Pflanze Cannabis sativa, enthält Cannabinoide wie THC und CBD, die mit dem Endocannabinoid-System des Körpers interagieren. Dieses System mit seinen CB1- und CB2-Rezeptoren spielt eine zentrale Rolle für das innere Gleichgewicht des Körpers und reguliert unter anderem Schlaf, Stimmung und Entzündungsreaktionen.
Die Cannabinoide aus der Pflanze können an diese Rezeptoren binden und so verschiedene Reaktionen in Körper und Gehirn auslösen. Vor allem THC, bekannt für seine psychoaktive Wirkung, kann Stimmung und Sinneswahrnehmung verändern, während CBD schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften haben könnte.
Kiffen und Erektion: Wie kann Cannabis eine ED beeinflussen?
Schauen wir uns den Zusammenhang genauer an, mit möglichen Vorteilen und Risiken für die sexuelle Gesundheit von Männern.
Wie Cannabis sich auf Erektionsstörungen auswirkt, ist umstritten, denn wie viele Medikamente hat es sowohl therapeutische Effekte als auch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen auf die männliche Sexualfunktion.
Die Forschung liefert bisher widersprüchliche Ergebnisse: Manche Studien deuten an, dass Cannabis Aspekte der männlichen Sexualität verbessern kann, andere zeigen das Gegenteil.
Bevor du Cannabis als Mittel gegen ED in Betracht ziehst, solltest du die Vor- und Nachteile kennen. Hier einige positive und negative Effekte, die mit dem Einsatz von Cannabinoiden bei ED in Verbindung gebracht werden.
Die mögliche Plusseite: was Cannabis im Körper bewirken könnte
- Weniger Schäden durch hohes Cholesterin: Erste Studien deuten darauf hin, dass Cannabis Cholesterinablagerungen und Gefäßschäden verringern könnte. Das könnte eine ED verhindern oder bremsen, denn hohes Cholesterin ist ein Risikofaktor dafür.
- Verbindung zum Endocannabinoid-System: Cannabinoid-Rezeptoren sitzen in Hirnregionen, die die Sexualfunktion steuern, und bei sexueller Erregung steigen die Endocannabinoid-Spiegel. Man vermutet, dass pflanzliche Cannabinoide über diese Rezeptoren die Sexualfunktion regulieren und die Erregung verstärken könnten, aber dafür braucht es noch mehr Studien.
- Mehr Lust: Einige Untersuchungen deuten an, dass Cannabis vor allem in niedrigen Dosen die Libido steigern kann. In einer Umfrage hatten Cannabiskonsumenten häufiger Sex als Nichtkonsumenten. Hohe Dosen können aber das Gegenteil bewirken.
- Weniger Angst: Manche Patienten berichten, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Cannabis ihnen helfen, Angst abzubauen, zu entspannen und die Stimmung zu heben. Das kann bei Stress und Versagensangst im Bett helfen, einem häufigen Faktor bei ED.
Diese möglichen Vorteile klingen vielversprechend, müssen aber immer im Einzelfall betrachtet werden. Hol dir ärztlichen Rat, bevor du Cannabis gegen eine Erektionsstörung einsetzt.
Die Kehrseite: Wie Cannabis die männliche Sexualität beeinträchtigen kann
Cannabiskonsum wird mit einem höheren Risiko für erektile Dysfunktion in Verbindung gebracht, die häufigste sexuelle Störung bei Männern. Eine Auswertung mehrerer Studien aus dem Jahr 2019 kam zu dem Ergebnis, dass Cannabiskonsumenten fast doppelt so häufig eine ED haben wie Männer, die nicht kiffen.
Als ein möglicher Mechanismus gilt, dass Cannabinoide an Rezeptoren im Hypothalamus binden, einer Hirnregion, die Erektion und männliches Sexualverhalten steuert. Außerdem könnte THC, der aktive Hauptwirkstoff, die Signale im Gehirn stören, die für eine Erektion nötig sind.
Weitere Studien zu den Nachteilen von Cannabis
Studien an Tieren und Menschen deuten außerdem auf einen möglichen peripheren Effekt hin: Wenn die Wirkstoffe an Cannabinoid-Rezeptoren im Schwellkörpergewebe binden, könnte das eine ED auslösen. Ob das stimmt und ob die ED dosisabhängig ist, muss aber noch erforscht werden.
Eine Studie von 2010 fand einen Zusammenhang zwischen täglichem Kiffen und Schwierigkeiten, zum Orgasmus zu kommen, sowie häufigerem vorzeitigem Samenerguss, möglicherweise wegen der durch Cannabis gesteigerten Empfindlichkeit.
Cannabis kann auch die Sinne verändern: Erst kommt die Euphorie, dann sinkt die Lust, weil man müde wird und langsamer reagiert.
Dazu kann es laut den US-Gesundheitsbehörden CDC Blutdruck und Puls erhöhen, was das Risiko für eine ED steigert.
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