Cannabis bei Jugendlichen: Was Kiffen mit dem Gehirn im Wachstum macht
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Cannabis bei Jugendlichen: Was Kiffen mit dem Gehirn im Wachstum macht

Schule, Lunge, Gehirnentwicklung, Psyche, Abhängigkeit, Schwangerschaft: Was die Forschung über Cannabis im Teenageralter sagt – und welche Cannabis-Medikamente bei Kindern zugelassen sind.

VON CosechaLibre Redaktion6 MIN LESEZEIT

Regelmäßiges Kiffen im Jugendalter kann die Entwicklung des Gehirns stören, das bis etwa 25 reift: Studien bringen es mit Problemen bei Gedächtnis, Konzentration und Schulleistung in Verbindung, und das Risiko einer Abhängigkeit steigt deutlich. Weil Cannabis in immer mehr Ländern legalisiert und gesellschaftlich akzeptiert wird – in Deutschland regelt das Cannabisgesetz (CanG) den Umgang für Erwachsene –, wächst auch die Sorge, wie sich die Substanz auf die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Kaum eine Debatte rund um Gras ist im letzten Jahrzehnt so wichtig geworden.

Cannabis, Marihuana, Haschisch: Ist das alles dasselbe?

Im Alltag und in den Nachrichten tauchen viele Namen auf, durchgesetzt hat sich aber „Cannabis“ als gängigste Bezeichnung für alle Substanzen, die aus der Pflanze Cannabis sativa gewonnen werden.

„Marihuana“ wird oft gleichbedeutend mit „Cannabis“ verwendet, technisch gibt es aber einen Unterschied. Mit Marihuana sind allgemein alle Pflanzenteile (oder Produkte) gemeint, die nennenswerte Mengen Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten, also den Stoff, der für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist.

Manche meiden das Wort „Marihuana“, vor allem in den USA, weil es mit negativen Klischees und antimexikanischen Vorurteilen belastet ist. THC ist übrigens nicht der einzige Wirkstoff im Cannabis: Es gibt über 100 Cannabinoide, darunter das bekannte Cannabidiol (CBD).

Haschisch, kurz Hasch, wird aus dem Harz gemacht, das sich vor allem an den Blüten der Pflanze bildet.

Die verschiedenen Formen von Cannabis werden geraucht, über Wasserpfeifen und Bongs inhaliert oder mit Vape-Pens und ähnlichen Geräten verdampft. Außerdem kann man es in Essen, Getränke oder Süßigkeiten einarbeiten, die sogenannten Edibles. Konzentrate und Cannabisöle lassen sich ebenfalls inhalieren, das nennt sich „Dabbing“.

Welche Folgen hat Kiffen für Jugendliche?

Wie stark die folgenden Effekte ausfallen, hängt davon ab, wie viel, wie oft und wie lange konsumiert wird – und in welchem Alter der Konsum beginnt.

Leistungen in der Schule

Wenn Jugendliche oder Kinder häufig kiffen, kann das zu Problemen in der Schule und zu schlechteren Aussichten auf Studium und Beruf führen. Eine Auswertung von 48 Studien zeigt, dass Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Cannabis konsumieren, deutlich häufiger die Schule ohne Abschluss verlassen.

Atemwege

Wie Tabakrauch reizt auch Cannabisrauch die Schleimhäute in Mund, Rachen und Lunge. Er enthält viele derselben Giftstoffe und krebserregenden Substanzen wie Tabakrauch. Kiffen kann Bronchitis auslösen, mit Husten und Schleim, die auch den Schlaf stören können. Und auch Vapen ist bei Kindern und Jugendlichen nicht ohne Risiken – darüber solltest du dich ebenfalls informieren.

Zentrales Nervensystem und Pubertät

Ein zentraler Punkt: Das Gehirn von Jugendlichen entwickelt sich noch aktiv weiter, und zwar bis etwa zum 25. Lebensjahr. Cannabis kann diese Entwicklung des zentralen Nervensystems beeinträchtigen. Mögliche Folgen:

  • Schwierigkeiten beim Denken und Problemlösen
  • Probleme mit Gedächtnis und Lernen
  • Schlechtere Koordination und Reaktionszeit
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu bleiben

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass ein früher Einstieg das Risiko für Schäden in bestimmten Hirnregionen erhöht. Mehrere Forschende beschreiben Störungen grundlegender Prozesse wie der Neubildung von Nervenzellen (Neurogenese), der Myelinisierung, der Wanderung von Glio- und Neuroblasten, der Vernetzung von Neuronen und der Reifung der Neurotransmittersysteme.

Diese Prozesse sind für ein funktionierendes zentrales Nervensystem unverzichtbar. Die Folge kann sein, dass es selbst nach dem Aufhören Monate dauert, bis sich die neuropsychologische Gesundheit erholt.

Außerdem kann früher Konsum bei Jugendlichen weitere Veränderungen nach sich ziehen, etwa eine Vergrößerung der Brustdrüse bei Jungen (Gynäkomastie) und bei chronischem Konsum einen niedrigeren Testosteronspiegel, der sich nach dem Aufhören allerdings wieder normalisiert.

Bei Jungen kann der Konsum auch die Spermienbildung beeinträchtigen und zu Erektionsstörungen führen. Beginnt der Konsum schon vor der Pubertät, kann sich deren Beginn verzögern. Wichtig: Wie empfindlich das Nervensystem in dieser Lebensphase reagiert, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Schwangerschaft im Teenageralter

THC, der Hauptwirkstoff im Cannabis, kann die Plazentaschranke überwinden und dem ungeborenen Kind schaden. Da stellt sich die Frage: Welche Probleme drohen einem Baby, wenn in der Schwangerschaft gekifft wird?

Welche negativen Folgen auftreten, hängt davon ab, in welcher Phase der Schwangerschaft konsumiert wird. Im ersten Trimester wurde beobachtet, dass der Testosteronspiegel des Fötus während der sexuellen Differenzierung sinkt. Bei Konsum in den späteren Trimestern berichten Studien von verzögertem körperlichem Wachstum des Fötus und von fruchtschädigenden Effekten auf das Gehirn.

Das betrifft die neurologische Entwicklung: Studien beschreiben einen deutlich kleineren Kopfumfang bei der Geburt und bringen den Konsum später in Kindheit und Jugend mit Depression, Angst, Gedächtnisproblemen, ADHS und straffälligem Verhalten in der Jugend in Verbindung, wenn auch nicht unbedingt im Erwachsenenalter.

Schwangerer Bauch mit Cannabisblatt

Psychische Gesundheit

Kiffen im Jugendalter wird mit verschiedenen psychischen Problemen in Verbindung gebracht, darunter Depression, Angst, Suizidgedanken und Persönlichkeitsstörungen.

Einer der meistgenannten, aber weiter umstrittenen Zusammenhänge ist das sogenannte „amotivationale Syndrom“: ein nachlassendes oder fehlendes Interesse an Aktivitäten, die normalerweise Spaß machen. Weil das Endocannabinoid-System eine zentrale Rolle bei der Regulierung der Stimmung spielt, müssen solche Zusammenhänge sauber bestätigt und verstanden werden, bevor man sie als gesichert ansieht.

Alltag und Unfallrisiko

Autofahren, Skaten, Radfahren oder Sport unter Drogeneinfluss kann zu schweren Unfällen führen. Jugendliche in diesem Zustand gehen außerdem eher sexuelle Risiken ein, mit möglicherweise langfristigen Folgen.

Abhängigkeit

Viele glauben, von Cannabis könne man nicht abhängig werden – die Forschung sagt etwas anderes. Rund 9 % aller Menschen, die Cannabis konsumieren, entwickeln eine Cannabiskonsumstörung. Bei denen, die schon als Jugendliche anfangen, steigt die Quote auf 17 %.

Von einer Konsumstörung spricht man, wenn jemand nicht aufhören kann, obwohl er negative Folgen spürt oder eigentlich aufhören will. Mehr als 55 % der 12- bis 17-Jährigen, die wegen einer Substanzkonsumstörung Hilfe suchen, sind von Cannabis abhängig.

Cannabis-Medikamente für Kinder mit schweren Erkrankungen

Epidiolex, ein Medikament mit gereinigtem Cannabidiol (CBD), hat sich in Studien als wirksam erwiesen, um Krampfanfälle beim Lennox-Gastaut-Syndrom und beim Dravet-Syndrom zu kontrollieren.

Nach umfangreichen Tests hat die US-Arzneimittelbehörde FDA Epidiolex für Kinder ab 2 Jahren zugelassen. Dronabinol und Nabilon sind THC-basierte Medikamente, die die FDA gegen chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen zugelassen hat.

Wir hoffen, dass mit weiterer Forschung mehr Cannabis-Arzneimittel entwickelt, getestet und von der FDA geprüft werden.

Fazit: Was Eltern über Cannabis und Jugendliche wissen sollten

Kinder und Jugendliche verlassen sich darauf, dass ihre Bezugspersonen für ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden sorgen.

Weil sich Einstellungen und Gesetze rund um Cannabis gerade verändern, ruft die American Academy of Pediatrics (AAP), der US-Fachverband der Kinderärzte, Eltern und Bezugspersonen dazu auf, sich aktiv für junge Menschen einzusetzen und sich über positive wie negative Wirkungen von Cannabis zu informieren. Fakten kennen, offen mit den Kindern reden und sich bei Sorgen über den Konsum Rat und Unterstützung beim Kinderarzt oder der Kinderärztin holen – das sind die wichtigsten Schritte.