Cannabis mit LSD, Pilzen oder Ketamin: Warum die Wechselwirkungen unberechenbar sind
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Cannabis mit LSD, Pilzen oder Ketamin: Warum die Wechselwirkungen unberechenbar sind

Von Psychedelika über Kokain und Opioide bis zu Medikamenten: was passiert, wenn Gras auf andere Substanzen trifft, und wo es gefährlich wird.

VON CosechaLibre Redaktion7 MIN LESEZEIT

Cannabis kann die Wirkung anderer Drogen und Medikamente verstärken, abschwächen oder unberechenbar machen: Mit Alkohol, Opioiden oder Ketamin addieren sich dämpfende Effekte, mit LSD oder Pilzen wird ein Trip oft intensiver und schwerer zu kontrollieren, und über Leberenzyme kann Gras den Abbau von Medikamenten verändern. Wie jede Droge wirkt Cannabis nicht im luftleeren Raum: Je mehr Substanzen zusammenkommen, ob verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol, Aufputsch- oder Beruhigungsmittel, desto schwerer lässt sich vorhersagen, was passiert.

Solche Kombinationen können therapeutische Effekte verstärken oder abschwächen, aber auch das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen erhöhen. Wer versteht, wie Cannabis mit anderen Substanzen zusammenspielt, kann Risiken besser einschätzen. Am sichersten bleibt trotzdem: nicht mischen.

Cannabisblüte der Sorte Pineapple Larry OG

Cannabis und andere Drogen: Welche Wechselwirkungen sind bekannt?

Cannabis gehört weltweit zu den meistkonsumierten Freizeitdrogen. Viele kombinieren es aber mit anderen Substanzen, und das kann zu unerwarteten Wechselwirkungen führen. Hier ein Überblick, wie Gras mit verschiedenen Drogen zusammenwirkt und was dabei passieren kann.

Cannabis und Alkohol: stärkeres High, mehr Kreislauf

Alkohol ist eine der beliebtesten Drogen überhaupt und wird besonders oft mit Cannabis kombiniert. Er ist zwar in den meisten Ländern legal, zusammen mit Gras kann er aber manche Effekte deutlich verstärken.

Studien deuten darauf hin, dass Alkohol die Aufnahme von THC, dem wichtigsten psychoaktiven Wirkstoff im Cannabis, erhöhen kann, was ein stärkeres High zur Folge haben könnte. Gleichzeitig kann die Kombi Übelkeit, Schwindel und Erbrechen auslösen, also den klassischen Kreislauf. Außerdem leiden Koordination und Urteilsvermögen, wenn Alkohol und Gras zusammenkommen.

Cannabis und Amphetamine

Cannabis wird auch zusammen mit Amphetaminen und verwandten Substanzen wie MDMA konsumiert. Klinische Studien dazu gibt es kaum, einzelne Erfahrungsberichte deuten aber darauf hin, dass Gras den Kater nach Amphetaminen abmildern könnte. Die Kombi könnte allerdings auch den Suchtkreislauf beeinflussen, denn das Endocannabinoid-System ist an der Steuerung von Suchtverhalten beteiligt.

Cannabis und Kokain

Das Zusammenspiel von Cannabis und Kokain ist kompliziert. Weil Gras sowohl dämpfend als auch anregend wirken kann, können sich in Kombination mit Koks negative Effekte wie Angst und Paranoia verstärken. Einige Untersuchungen deuten außerdem darauf hin, dass Cannabis die Aufnahme von Kokain erhöhen könnte, was das Risiko einer Überdosis steigern würde.

Cannabis und Codein

Codein ist ein Opioid, und zusammen mit Cannabis kann sich die beruhigende Wirkung beider Substanzen verstärken. Manche suchen genau diese Kombi für tiefe Entspannung, und genau da liegt das Problem: Sie kann das Risiko einer Atemdepression (gefährlich flache, langsame Atmung) und anderer Nebenwirkungen erhöhen, vor allem in hohen Dosen.

Cannabis und DMT

DMT ist ein starkes Psychedelikum, das manche mit Cannabis kombinieren, um die Erfahrung zu intensivieren. Einige Konsument:innen berichten, dass ein Joint vor dem DMT die Angst vor dem Trip dämpft. Die Erfahrungen gehen aber weit auseinander, und das Zusammenspiel kann für manche schlicht überwältigend sein.

Cannabis und Ketamin

Ketamin ist ein dissoziatives Narkosemittel, das oft zusammen mit Gras konsumiert wird. Konsument:innen berichten, dass Cannabis die dissoziative Wirkung von Ketamin verstärkt und mehr Benommenheit und Schwindel bringt. Studien dazu gibt es wenige, die meisten erleben aber ein noch tieferes Gefühl, von der Realität abgekoppelt zu sein.

Cannabis und LSD

LSD und Cannabis verstärken sich oft gegenseitig, Gras kann die typischen visuellen Halluzinationen auf Acid intensivieren. Viele rauchen gegen Ende eines LSD-Trips einen Joint, um die psychedelische Wirkung noch einmal anzuschieben. Andere nutzen es am Anfang, um die Nerven zu beruhigen oder die Übelkeit zu dämpfen, die in den ersten Phasen oft auftritt. Weil Gras einen Trip aber kaum vorhersehbar verstärkt, kann er dadurch auch ins Unangenehme kippen.

Cannabis und Zauberpilze

Auch die Kombi aus Gras und psilocybinhaltigen Pilzen ist unter Psychonaut:innen verbreitet. Wie bei LSD kann Cannabis die halluzinogene Wirkung verstärken und gegen die Übelkeit helfen, die Pilze oft auslösen. Für Unerfahrene kann das aber zu viel des Guten sein, weil sich beide Substanzen gegenseitig hochschaukeln und der Trip tiefer und überwältigender wird.

Cannabisblüte der Sorte Skunk

Cannabis und Salvia divinorum

Salvia ist ein sehr intensives Psychedelikum, und mit Cannabis kann sich ihre dissoziative Wirkung noch verstärken. Manche beschreiben das als tiefere Erfahrung, die Mischung ist aber schwer zu kontrollieren, besonders ohne Salvia-Erfahrung.

Wirkung von Cannabis und Lachgas

Lachgas (Distickstoffmonoxid) wirkt dämpfend; zusammen mit Cannabis berichten Konsument:innen von einer tiefen, ruhigen Euphorie. In hohen Dosen beider Substanzen kann die Kombi stark sedieren, ähnlich wie Ketamin, und das kann für manche Menschen gefährlich werden.

Wie wirkt Cannabis zusammen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten?

Cannabis wird, wie viele Medikamente, über Leberenzyme abgebaut, genauer gesagt über die Cytochrom-P450-Enzyme. Diese Enzymfamilie, darunter die Unterfamilie CYP3A, ist für den Abbau von bis zu 60 % aller Arzneimittel zuständig.

Wenn du verschreibungspflichtige Medikamente nimmst und kiffst, solltest du die möglichen Wechselwirkungen kennen. Hier ein Überblick, wie THC und CBD, die wichtigsten Wirkstoffe im Cannabis, mit verschiedenen Medikamenten zusammenspielen.

Blutzuckersenker

Eines der häufigsten Medikamente zur Blutzuckerkontrolle ist Metformin, das Menschen mit Diabetes verschrieben wird. Die klinische Datenlage ist dünn, es gibt aber Hinweise, dass THC die Wirksamkeit von Metformin verringern könnte.

Andere Cannabinoide könnten Menschen mit Diabetes dagegen eher nützen, etwa indem sie den Blutzucker stabilisieren. Wenn du wegen Diabetes in Behandlung bist, sprich deshalb unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du Cannabis konsumierst.

Blutdrucksenker

Sowohl THC als auch CBD wurden daraufhin untersucht, wie sie den Blutdruck beeinflussen. In manchen Fällen kann THC den Blutdruck senken und den Puls hochtreiben.

Zusammen mit Blutdrucksenkern kann das problematisch werden, weil manche Patient:innen dann eine orthostatische Hypotonie bekommen können: Der Blutdruck sackt beim Aufstehen plötzlich ab, mit Schwindel, Übelkeit oder sogar Ohnmacht. Wenn du Blutdruckmedikamente nimmst und kiffst, beobachte genau, wie du darauf reagierst.

Blutverdünner (Gerinnungshemmer)

Es gibt Hinweise, dass Cannabis die Wirkung von Gerinnungshemmern abschwächen kann. Andererseits könnten manche Wirkstoffe wie CBD den Abbau dieser Medikamente hemmen und ihre Wirkung so verstärken.

Das kann zu Komplikationen führen, etwa zu einem höheren Blutungsrisiko. Um diese Wechselwirkung ganz zu verstehen, braucht es mehr Forschung. Wer Blutverdünner nimmt, sollte vor dem Kiffen auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen.

Opioide

Opioide und Cannabis scheinen nicht direkt miteinander zu interagieren, aber beide wirken schmerzlindernd. Neuere Studien deuten darauf hin, dass Cannabis eine Opioid-Therapie ergänzen und so die nötige Dosis zur Schmerzkontrolle senken könnte.

Außerdem wird Cannabis als mögliche Antwort auf die Opioidkrise untersucht. Einige Studien gehen der Frage nach, ob es das Risiko für Abhängigkeit und Überdosierungen senken könnte, belastbare Ergebnisse gibt es aber noch nicht.

Beruhigungs- und Narkosemittel

Einige Untersuchungen zeigen, dass Cannabis die Wirkung von Beruhigungsmitteln beeinflussen kann. Eine Studie im The Journal of the American Osteopathic Association fand heraus, dass Patient:innen, die regelmäßig kifften, vor einer Endoskopie höhere Dosen von Sedativa wie Propofol brauchten.

Das deutet darauf hin, dass Cannabis die Toleranz gegenüber bestimmten Beruhigungsmitteln erhöhen könnte, was bei medizinischen Eingriffen mit Narkose ein Problem sein kann.

Antidepressiva

Wie Cannabis und Antidepressiva zusammenwirken, hängt vom Medikament und von der Person ab. Manche berichten, dass Gras ihre Stimmung hebt und depressive Symptome lindert, bei anderen werden Angst und depressive Phasen schlimmer.

Weil die Effekte so individuell sind, sollten Menschen, die Antidepressiva nehmen, unbedingt ärztlich abklären, bevor sie Cannabis in ihre Behandlung einbauen.

Antibiotika

THC und CBD können Cytochrom-P450-Enzyme hemmen, die bestimmte Antibiotika abbauen. Dadurch könnte der Abbau der Antibiotika langsamer laufen und das Risiko für Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen steigen.

Die Forschung dazu ist begrenzt, schwere Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika und Cannabis wurden bisher aber nicht berichtet. Trotzdem gilt: Lieber vorher mit einer Fachperson sprechen, bevor du beides kombinierst.