
Macht Cannabis Lust auf Sex? Was am Aphrodisiakum-Mythos dran ist
Mehr Lust, intensivere Orgasmen oder doch Erektionsprobleme? Was Erfahrungsberichte und Studien zu Cannabis im Bett sagen.
Ob Cannabis die Lust auf Sex steigert, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt: Die Belege stammen vor allem aus Erfahrungsberichten und Umfragen, nach denen die richtige Dosis bei manchen Menschen Lust und Orgasmus verstärkt, während andere eher Nachteile erleben. Bei Gras und Sex gehen die Meinungen jedenfalls weit auseinander. Manche sehen Cannabis als traditionelles Aphrodisiakum mit fast mythischen Kräften für die Libido, und viele alte Schriften belegen, dass es genau dafür genutzt wurde. Aber was stimmt denn nun?
Mehr Lust durch Cannabis: Mythos oder Realität?
Mit Sicherheit sagen lässt sich nicht, dass Cannabis die Lust steigert oder das Sexleben verbessert. Aber die Hinweise, die vor allem auf Erfahrungsberichten beruhen, deuten darauf hin, dass die richtige Dosis Orgasmen bei Frauen befriedigender machen und die Lust steigern kann.
Wie kann Cannabis beim Sex so etwas bewirken?
Zum Teil liegt das daran, dass Cannabis die Sinne schärfen und Lustkiller wie Angst, Schlafprobleme oder Schmerzen lindern kann. Auch bei Männern kann es positive Effekte haben, aber auch einige negative, und auch Frauen sollten die möglichen Nachteile kennen.
Es gibt Studien zu Cannabis und Fruchtbarkeit , und dazu einige Mythen über Erektionsstörungen und vorzeitigen Samenerguss durch Cannabiskonsum.
Wenn es darum geht, wie Cannabis die sexuelle Lust beeinflusst, spielen viele Faktoren mit:
- biologische, soziale und psychologische Faktoren, die bei Anziehung, Erregung, Orgasmus und allgemeiner Zufriedenheit eine Rolle spielen
- die Dosis,
- der THC-Gehalt,
- die Konsumform,
- die Persönlichkeit,
- die Erwartungen und bisherigen Erfahrungen
- der Kontext, in dem konsumiert wird
Das meiste, was wir über Sex und Cannabis wissen, stammt aus Umfragen mit Selbstauskünften. Wenn Cannabis bei Angst und Schmerzen helfen kann, liegt es nahe, dass es für manche Menschen indirekt auch den Sex verbessert, eben weil es diese Probleme lindert. Studien, die Cannabis direkt mit sexuellem Genuss in Verbindung bringen, fehlen aber.

Wie wirkt sich Kiffen auf das Sexleben aus?
Cannabis und Sex: mögliche negative Effekte
Cannabiskonsum hat viele Auswirkungen auf die Gesundheit, und eine der meistdiskutierten ist die Abhängigkeit. Eine Abhängigkeit kann die Angst verstärken, und in der Folge berichten manche von vorzeitigem Samenerguss oder auf lange Sicht sogar von Erektionsproblemen. Kurzfristig kann Cannabis Männer so sehr entspannen, dass sie nicht zum Orgasmus kommen.
Auch langfristige Effekte sind möglich. Einige Studien fanden einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Hodenkrebs, die Datenlage ist aber uneinheitlich und wird mit den vielen Cannabinoid-Rezeptoren im Hoden erklärt.
Ein weiterer Punkt beim Kiffen vor dem Sex: Forschende fanden einen Zusammenhang zwischen chronischem Konsum und sinkendem Testosteronspiegel, bis hin zu einem spät einsetzenden Hypogonadismus (einer Unterfunktion der Hoden).
Cannabis und Sex: mögliche positive Effekte
Auch wenn manche Menschen negative Effekte erleben (längst nicht alle), kann gelegentlicher Konsum anderen durchaus helfen. Laut einigen Fachleuten kann Sex unter Cannabiseinfluss Menschen helfen, die beim Sex aus welchem Grund auch immer Angst oder Unsicherheit spüren, und ihnen Ruhe geben. Allerdings, so heißt es auch, „kann der Konsum sie auch anders treffen und entspannt nicht immer“.
Manche Patient:innen berichten, dass Cannabis ihren Sex verbessert, weil Erregbarkeit und Lust steigen. Eine mögliche Erklärung: Cannabinoide wirken auf das Belohnungssystem des Gehirns und beeinflussen Dopamin, das mit Lust- und Belohnungsgefühlen zu tun hat. So oder so gilt: Am besten startest du unter ärztlicher Begleitung.
Was sagt die Wissenschaft über Cannabis und Gesundheit?
Abseits der sexuellen Gesundheit solltest du nicht vergessen, dass psychoaktive Substanzen wie Cannabis auch negative Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit haben können:
- Regelmäßiger Cannabiskonsum kann anhaltende neuropsychologische Defizite verursachen, vor allem bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis, psychomotorischem Tempo und exekutiven Funktionen (geistige Flexibilität, Entscheidungsfähigkeit, das Ausblenden unwichtiger Informationen).
- Konsum ist bei gefährdeten Menschen ein Risikofaktor für Schizophrenie, besonders bei hohen Dosen, starken Produkten und frühem Einstieg.
- Cannabis kann die Atemfunktion beeinträchtigen, das Krebsrisiko und das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen und wirkt sich bekanntermaßen auf das Immunsystem aus.
Andererseits fanden Studien, dass manche Frauen Cannabis nutzen, um Beschwerden der Wechseljahre zu lindern, etwa Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafprobleme und vaginale Veränderungen wie Trockenheit, die alle auf die Lust drücken können, wenn sie unbehandelt bleiben. Außerdem wird es bei Regelschmerzen eingesetzt.
Was passiert im Körper, wenn du Cannabis konsumierst?
Das körpereigene Endocannabinoid-System ist zentral für die Regulierung von Lust, Schmerz, Entspannung und Homöostase, also dem inneren Gleichgewicht. Werden Cannabinoide aus Cannabis aktiv, können sie entspannen, das Lustempfinden steigern und Schmerzen dämpfen.
Bei manchen Menschen steigert Cannabis die Libido, was die Erregung erhöhen und den Sex noch genussvoller machen kann. Für andere liegt der Reiz von Cannabis beim Sex eher darin, dass sich angenehme Empfindungen intensiver anfühlen.
Joint vor dem Sex oder lieber eine andere Konsumform?
Am besten verzichtest du auf Rauchen oder Öl-Vapes, weil sie der Lunge schaden können, so die Fachleute.
Wir empfehlen medizinische Tinkturen, also konzentrierte Cannabis-Extrakte, die du oral einnimmst. Damit lässt sich die Menge in Milligramm einfach abmessen.
Wie viel ist die richtige Dosis?
Du kannst mit 5 mg THC anfangen. Wenn die Wirkung schneller einsetzen soll, empfehlen wir hier einen Zug aus einem Blüten-Vaporizer vor dem Sex. Alternativ gibt es Edibles oder Gleitgele mit THC.
Manche Produkte für ein besseres Sexleben enthalten CBD, aber kein THC. Das sind etwa Cremes oder Gleitgele, die auf die mutmaßlich entzündungshemmende Wirkung von CBD setzen.
Es gibt Gleitgele auf CBD-Basis, die Entzündungen beruhigen und die Durchblutung fördern sollen, was wiederum bei Frauen mit Endometriose und anderen Beckenschmerzen Lust und sexuelle Funktion verbessern kann.

Wenn du ein Topikum oder Gleitgel mit Cannabis ausprobieren willst, sprich vorher unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt. Natürlich heißt nicht, dass es für alle passt oder bei allen gleich wirkt. Hör auf deinen Körper und rede offen mit deinem Partner, deiner Partnerin oder deinen Sexpartner:innen, damit ihr Sex, Cannabis und beides zusammen genießen könnt.
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