Cannabis bei Migräne: Was Studien zu Schmerz und Übelkeit sagen
GESUNDHEIT

Cannabis bei Migräne: Was Studien zu Schmerz und Übelkeit sagen

Rund ein Drittel der medizinischen Cannabis-Patienten nutzt es gegen Kopfschmerz und Migräne. Was hinter Serotonin, CB1-Rezeptoren und Cannabisöl steckt.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Ob Cannabis gut gegen Migräne ist, ist noch nicht abschließend geklärt, aber erste Studien und viele Patientenberichte deuten darauf hin, dass es Schmerzen und Übelkeit lindern kann. Migräne ist eine schmerzhafte, oft lähmende Erkrankung, die rund 15 % der Weltbevölkerung betrifft. Warum und wie sie entsteht, ist noch nicht ganz verstanden, sie hängt aber mit der Signalübertragung von Serotonin zusammen, und genau auf dieses System wirkt auch Cannabis. Weil viele Medikamente nicht bei allen anschlagen, rückt Cannabis als mögliche Ergänzung in den Fokus.

Viele Betroffene fragen sich, wie sie ihre Migräne lindern können, und Cannabis war bei dieser Frage schon immer im Spiel. Untersuchungen zufolge gibt rund ein Drittel der heutigen Nutzer von medizinischem Cannabis an, es gegen Kopfschmerzen und Migräne einzusetzen.

Wie kann Cannabis bei Migräne helfen?

Schmerzlinderung: Cannabinoide bremsen Nervenschmerz und Reizweiterleitung

Der naheliegendste Nutzen von Cannabis bei Kopfschmerzen und Migräne ist die Schmerzlinderung, und der Schmerz kann so heftig sein, dass Betroffene oft komplett ausgeknockt sind. Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass körpereigene Cannabinoide wie Anandamid Migräneschmerz dämpfen können, weil sie über die CB1-Rezeptoren regulieren, wie viele Schmerzsignale ins Gehirn gelangen.

Was eine weitere Studie zu Cannabis und Kopfschmerz zeigt

Ein 2013 im „Journal of Neuroscience“ veröffentlichter Artikel zeigte, dass Menschen mit chronischer Migräne Schmerzen haben können, weil ihre trigeminovaskulären nozizeptiven Bahnen sensibilisiert sind, also die schmerzempfindlichen Nervenbahnen des Trigeminusnervs an den Blutgefäßen im Schädel. Gleichzeitig ist bekannt, dass Cannabinoide die Schmerzantwort dieser Nerven hemmen. Das könnte ein Weg sein, über den Cannabis Migräneschmerz lindert.

Außerdem wurde beobachtet, dass Endocannabinoide die CB1-Rezeptoren der Neuronen rund um den Hirnstamm aktivieren und so die Weiterleitung von Schmerzreizen vom Hirnstamm in andere Hirnregionen bremsen.

Wirkt Cannabis über die Blutgefäße gegen Kopfschmerzen?

Lange ging man davon aus, dass Migräneschmerz zum Teil durch ein komplexes Weiten und Verengen der Blutgefäße im Schädel entsteht.

Wenn das Blut durch einen weiten Gefäßabschnitt fließt und dann auf eine enge Stelle trifft, kann der Druck des Blutes, das durch den engen Kanal muss, den typischen heftigen Migräneschmerz auslösen. Man nahm an, dass sich bei der Freisetzung von Serotonin die größeren Venen und Arterien zusammenziehen, während sich die kleineren peripheren Gefäße erweitern.

Deshalb kamen gefäßverengende Medikamente (Vasokonstriktoren) in der Behandlung und Vorbeugung von Migräne zum Einsatz: Wird die Erweiterung der Gefäße verhindert, lässt sich der Kopfschmerz vermeiden oder zumindest abschwächen. Manche meinen, Cannabis könne auf diesem Weg helfen. Seine Wirkung auf die Blutgefäße ist aber unklar (THC erweitert sie eher), und die Studienlage zu Migräne ist gemischt.

Kann Cannabis einer Migräneattacke vorbeugen?

Wie gesagt könnte Cannabis Schmerz und Symptome bei einer ausgewachsenen Migräneattacke lindern. Darüber hinaus berichten Patienten, dass es ihnen hilft, eine Attacke gar nicht erst richtig losgehen zu lassen.

Kurz vor einer Migräneattacke wird vermehrt Serotonin ausgeschüttet. Oft gibt es auch Vorboten, an denen Betroffene merken, dass gleich eine Attacke kommt. Am stärksten hängen Migräneattacken aber mit einem gestörten Serotonin-Gleichgewicht zusammen.

Zahlreiche Studien deuten auf eine Verbindung zwischen dem Endocannabinoid-System und dem Serotonin-System hin: Die Aktivierung von CB1-Rezeptoren kann den Serotoninspiegel senken. Und weil die Serotonin-Ausschüttung direkt vor einer Migräne ansteigt, könnten Cannabinoide in diesem Moment den abnormen Anstieg bremsen und die Prozesse stoppen, die zur Migräne führen.

Cannabis gegen die Übelkeit bei Migräne

Übelkeit ist eine typische Begleiterscheinung von Migräne. Man vermutet, dass sie mit den niedrigen Serotoninwerten vor und nach einer Attacke zusammenhängt. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Cannabis bei verschiedenen schweren Erkrankungen gegen Übelkeit hilft, und es wird häufig bei Übelkeit als Nebenwirkung einer Chemotherapie eingesetzt.

Speziell zur Übelkeit bei Migräneattacken gibt es noch keine Studien, aber viele Erfahrungsberichte von Patienten, die sich selbst mit Cannabis behandeln und eine subjektive Linderung spüren. Auch bei anderen Erkrankungen, bei denen zu viel Serotonin Übelkeit auslöst, berichten Betroffene, dass Cannabis die Übelkeit in Schach hält.

Cannabisöl bei Migräne: was Patienten berichten

Cannabisöl könnte die Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken positiv beeinflussen. Darauf deutet eine Studie hin, in der Patienten von ihren Erfahrungen mit Cannabisöl als Migränebehandlung berichteten. Aus pharmakologischer Sicht könnte medizinisches Cannabisöl laut den Forschenden eine mögliche Alternative bei Migräne sein.

Ein Haken sind die Nebenwirkungen: Bei medizinischem Cannabisöl wurden vor allem Übelkeit und Müdigkeit gemeldet. Allerdings berichteten mehr Patienten von weniger Übelkeit als von mehr. Die Forschenden werten das eher als therapeutischen Effekt denn als Nebenwirkung. Wenn du Cannabis gegen Migräne ausprobieren willst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.