
GPR55: Ist das der dritte Cannabinoid-Rezeptor?
Neben CB1 und CB2 könnte es einen dritten Andockpunkt für Cannabinoide geben. Was die Forschung über GPR55 weiß und was CBD damit zu tun hat.
GPR55 ist ein Rezeptor, an dem mehrere Cannabinoide andocken, und deshalb diskutieren Forschende, ob er als dritter Cannabinoid-Rezeptor („CB3“) neben CB1 und CB2 gelten sollte. Genetisch ist er mit CB1 und CB2 nur entfernt verwandt, und die Frage ist bis heute offen. CBD scheint an GPR55 eher bremsend zu wirken. Die Erforschung der Cannabinoide und des Endocannabinoid-Systems gehört zu den spannendsten Feldern der letzten Jahre, und hier schauen wir uns an, welche Rolle GPR55 im Körper spielen könnte.
Das Endocannabinoid-System: Wie hält es den Körper im Gleichgewicht?
Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein komplexes biologisches System, das eine zentrale Rolle bei der Steuerung vieler Körperfunktionen spielt. Es besteht aus drei Hauptbausteinen: den Cannabinoid-Rezeptoren, den Signalmolekülen (Endocannabinoiden) und den Enzymen, die sie auf- und abbauen.
Die Cannabinoid-Rezeptoren werden klassisch in zwei Typen eingeteilt: CB1 und CB2. Sie sitzen im ganzen Körper und werden aktiviert, wenn körpereigene Signalstoffe wie Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) andocken. Zusammen helfen diese Bausteine, die Homöostase aufrechtzuerhalten, also das innere Gleichgewicht des Körpers.
Warum gilt GPR55 als Kandidat für den dritten Cannabinoid-Rezeptor?
Lange drehte sich die ECS-Forschung vor allem um CB1 und CB2, doch das Interesse an GPR55 wächst. Dieser G-Protein-gekoppelte Rezeptor (GPCR), also ein Rezeptor, der Signale über sogenannte G-Proteine ins Zellinnere weiterleitet, kommt an vielen Stellen im Körper vor, etwa im zentralen Nervensystem, in Krebszellen und in anderen Geweben.
Spannend an GPR55 ist, dass er genetisch nur eine geringe Ähnlichkeit (Homologie) mit CB1 und CB2 hat. Er teilt also nur einen kleinen Teil seines Bauplans mit diesen Rezeptoren. Weil trotzdem mehrere Cannabinoide an ihm wirken, haben einige Wissenschaftler:innen vorgeschlagen, GPR55 als dritten Cannabinoid-Rezeptor, kurz CB3, einzustufen.
Wie wirkt CBD an GPR55?
Eines der bekanntesten Cannabinoide ist Cannabidiol (CBD), das durch seinen möglichen Nutzen für die Gesundheit bekannt geworden ist, etwa bei Schmerzen. Auch CBD interagiert mit GPR55, allerdings auf andere Weise als mit CB1 und CB2.
CBD aktiviert GPR55 nicht wie andere Rezeptoren. Es scheint eher als Antagonist zu wirken, also als Gegenspieler, der vorübergehend Botenstoffe blockiert, die über diesen Rezeptor die Erregbarkeit von Nervenzellen steigern können. Diese Eigenschaft könnte erklären, warum CBD bei Schmerzen und Entzündungen untersucht wird.

CB3 und weitere Rezeptoren: Was kommt als Nächstes?
Je besser wir das ECS und seine Wechselwirkungen mit Cannabinoiden verstehen, desto mehr mögliche Rezeptoren tauchen auf, etwa GPR18 und GPR119. Auch bei ihnen wird untersucht, welche Funktion sie haben und ob sie als Cannabinoid-Rezeptoren infrage kommen.
Wichtig: Die Forschung rund um das ECS und die Cannabinoid-Rezeptoren steckt noch mitten in der Entwicklung. Mit weiteren Studien könnten noch mehr Rezeptoren entdeckt werden, und wir werden besser verstehen, wie Cannabinoide im Körper wirken.
GPR55 als möglicher dritter Cannabinoid-Rezeptor: das Zwischenfazit
Ob GPR55 wirklich der dritte Cannabinoid-Rezeptor ist, wird noch erforscht und diskutiert. Seine Entdeckung zeigt aber, wie komplex das Endocannabinoid-System ist. Je mehr wir darüber lernen, wie Cannabinoide mit diesen Rezeptoren zusammenspielen, desto mehr Möglichkeiten könnten sich für Therapien auf Cannabinoid-Basis ergeben.
Die Forschung entwickelt sich schnell, und Cannabinoide und das ECS bleiben ein spannendes Feld, wenn es darum geht, den menschlichen Körper und mögliche medizinische Anwendungen besser zu verstehen. Es lohnt sich, bei den neuesten Erkenntnissen am Ball zu bleiben.

Cannabinoide im Vergleich
So unterschiedlich diese Stoffe sind, eins haben sie gemeinsam: Sie sind alle Cannabinoide. Aber was ist eigentlich ein Cannabinoid?
Kurz gesagt: Cannabinoide sind natürliche Verbindungen, die in den Harzdrüsen der Cannabispflanze gebildet werden. Bekannt sind sie vor allem für ihre möglichen therapeutischen und medizinischen Effekte.
Cannabinoide wirken, indem sie mit dem menschlichen Endocannabinoid-System interagieren. Studien deuten darauf hin, dass sie Schmerzen, Angst, Krampfanfälle und Übelkeit lindern können. Außerdem werden sie wegen ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften bei Hautproblemen wie Ekzemen und Ausschlägen eingesetzt.
Jedes Cannabinoid hat seine eigenen Eigenschaften, aber sie können auch zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken, was als Synergie bezeichnet wird.
Was ist der Unterschied zwischen CBD, CBG und CBN?
CBD
Neben Tetrahydrocannabinol (THC) ist Cannabidiol (CBD) das bekannteste Cannabinoid, vor allem weil die Pflanze so viel davon bildet. In Nutzhanf ist es sogar das häufigste Cannabinoid.
Beliebt ist CBD auch, weil es bei Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird, ohne psychoaktiv zu wirken wie THC. Deshalb gilt es allgemein als „sicherer“. Außerdem ist es das Cannabinoid, das sich am günstigsten legal extrahieren und herstellen lässt, was es kommerziell attraktiv macht.
Bei Krampfanfällen hat sich CBD sogar als so wirksam erwiesen, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA ein CBD-Medikament für bestimmte Formen von Epilepsie zugelassen hat.
CBD gibt es als Tinktur, Gummis, Kapseln, Cremes und mehr. Eingesetzt wird es vor allem gegen Entzündungen, für besseren Schlaf, gegen Angst, bei Krämpfen und Spasmen, bei Suchterkrankungen und gegen Schmerzen, wobei die Studienlage je nach Einsatz unterschiedlich gut ist.
CBN
Auch wenn CBD bekannter ist: Cannabinol (CBN) war tatsächlich das erste Cannabinoid, das identifiziert wurde (isoliert Ende des 19. Jahrhunderts, die Struktur wurde in den 1930er-Jahren aufgeklärt). Die Pflanze bildet es nicht direkt, sondern es entsteht, wenn THC in der Pflanze durch Alterung, Hitze oder Sauerstoff abgebaut wird. CBN wirkt leicht berauschend, laut einigen Untersuchungen aber nur mit etwa einem Viertel der Stärke von THC.
CBN wird als möglicher Entzündungshemmer, gegen Schmerzen, zur Förderung des Knochenwachstums und für besseren Schlaf untersucht.
CBG
Cannabigerol (CBG) entsteht aus seiner sauren Vorstufe Cannabigerolsäure (CBGA), die als „Mutter aller Cannabinoide“ gilt. Alle oben genannten Cannabinoide starten als CBGA, das die Pflanze mithilfe von Enzymen in andere Cannabinoidsäuren umwandelt; diese Säuren verändern sich dann durch Licht und Hitze weiter.
CBG ist extrem selten und macht in den meisten Sorten weniger als 1 % aus. Deshalb ist die Extraktion aufwendig, und CBG ist entsprechend wertvoll und teuer. Einige Hanfproduzenten arbeiten aber an Sorten, die von Natur aus viel CBGA bilden, ohne es in andere Stoffe umzuwandeln. Das steckt noch in den Anfängen, hat aber schon vielversprechende Ergebnisse gebracht.
Zu den möglichen Vorteilen von CBG, die noch erforscht werden und meist nur aus Laborstudien stammen, gehören die Unterstützung des Hautmikrobioms, Schmerzlinderung und Muskelentspannung sowie entzündungshemmende, angstlösende und antidepressive Eigenschaften. Untersucht wird es außerdem beim Grünen Star (Glaukom), als Nervenschutz und gegen Bakterien, und als Appetitanreger für Menschen mit HIV oder Essstörungen.
CBD und die anderen Cannabinoide werden immer beliebter, aber informier dich gut und sprich mit Fachleuten, bevor du eines davon nimmst. Produkte auf Cannabinoid-Basis wirken nicht allein deshalb, weil ein bestimmter Stoff drinsteckt. Sie müssen gut zusammengesetzt sein, hochwertige Zutaten enthalten und auf einen bestimmten Zweck abgestimmt sein.
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