Cannabis rauchen als Therapie? Was der Joint deiner Lunge antut
NOTIZEN

Cannabis rauchen als Therapie? Was der Joint deiner Lunge antut

Medizinisches Cannabis im Joint klingt naheliegend, aber Rauch bleibt Rauch – und THC wirkt je nach Dosis in zwei Richtungen.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Medizinisches Cannabis zu rauchen ist zwar der Klassiker, als Therapieform aber ein schlechter Deal für die Lunge: Ein Joint bringt deutlich mehr Teer und krebserregende Stoffe in die Atemwege als eine Zigarette. Dazu kommt, dass THC je nach Dosis beruhigt oder Angst macht. Dabei begleitet die Pflanze den Menschen seit über 10.000 Jahren, als Heil- und Genussmittel, sie stammt aus Asien, und die ersten schriftlichen Erwähnungen kommen aus China und Indien, der Überlieferung nach um 2737 v. Chr. beim chinesischen Kaiser Shen Nung, der als Vater der chinesischen Medizin gilt.

Auch die alten Ägypter kannten die Heilwirkung: Im Papyrus Ebers taucht Cannabis unter anderem als Zäpfchen gegen Hämorrhoiden auf. Und im Buch Exodus ist von einem heiligen Salböl mit „kaneh-bosem“ die Rede, das manche Forscher als Cannabis deuten.

Wenn wir über den Nutzen von Cannabis reden, kommen wir also an den verschiedenen Therapieformen nicht vorbei.

Kann man medizinisches Cannabis rauchen?

Die verbreitetste Art, Cannabis aufzunehmen, ist das Inhalieren – meistens als selbstgedrehter Joint.

Aber ist das eine gute Idee für Medizin? Schauen wir auf die Folgen: Beim Rauchen eines Joints landet ungefähr dreimal so viel Teer in den oberen Atemwegen wie beim Rauch einer handelsüblichen Zigarette.

Dazu kommt, dass Cannabisrauch höhere Konzentrationen an Benzanthracen und Benzpyren enthält, beides als krebserregend eingestufte Stoffe. Und auch die Rauchtechnik spielt mit: Wer kifft, nimmt im Schnitt etwa ein Drittel mehr Volumen pro Zug, inhaliert ein Drittel tiefer und hält den Rauch rund viermal so lange in der Lunge, um möglichst viel Wirkstoff aufzunehmen.

Sind die hohen Verbrennungstemperaturen schädlich?

Einige Forscher gehen davon aus, dass Cannabis heißer verbrennt als Tabak und deshalb die Schleimhäute stärker reizen kann. Ganz sicher ist das nicht, aber die höhere Verbrennungstemperatur ist eine plausible Erklärung.

Gut belegt ist dagegen: Regelmäßige Cannabisraucher haben deutlich häufiger Bronchitis-Symptome, also Pfeifen beim Atmen und Husten mit Auswurf.

Auch an den großen Atemwegen hinterlässt der Rauch Spuren, etwa Schwellungen (Ödeme) und Rötungen (Erytheme) der Schleimhaut. In Gewebeproben fand eine Untersuchung bei 97 % der Raucher Veränderungen: mehr schleimbildende Becherzellen und damit mehr Sekret, weniger Flimmerhärchen und eine Umwandlung der Schleimhaut in widerstandsfähigeres, aber funktionsloses Plattenepithel.

Das Fazit der Forscher: Kiffen geht mit einer chronischen Entzündung der Atemwege einher, ganz ähnlich wie bei Menschen, die regelmäßig Tabak rauchen.

Cannabis oder Tabak: Was schadet der Lunge mehr?

Die Lungenprobleme chronischer Cannabisraucher sind mit denen chronischer Tabakraucher vergleichbar. Es gibt sogar Schätzungen, nach denen drei bis vier Joints am Tag dem Bronchialgewebe ungefähr so viel Schaden zufügen wie 20 Zigaretten.

Wie wirkt THC bei medizinischer Anwendung?

THC sorgt für das typische High, indem es an die CB1-Rezeptoren im Gehirn andockt; dadurch wird unter anderem mehr Dopamin ausgeschüttet.

Je mehr THC du nimmst, desto stärker ist meist auch das High. In den letzten Jahrzehnten haben Züchter vor allem auf Sorten mit immer mehr THC gesetzt. Zu den Wirkungen, die viele als angenehm beschreiben, gehören:

  • Euphorie
  • Kreativität
  • Mehr Appetit
  • Entspannung

Manche dieser Effekte könnten einigen Konsument:innen helfen, Angst zu dämpfen. Wer aber wenig Erfahrung hat oder empfindlich auf THC reagiert, kann genau das Gegenteil erleben: Die Angst wird stärker, kurzfristig und auf Dauer. Bekannte unerwünschte Wirkungen sind:

  • Angst
  • Paranoia
  • Verwirrtheit
  • Schlechteres Kurzzeitgedächtnis

THC richtig dosieren: Wann tut es dir gut?

THC ist also ein zweischneidiges Schwert. Viele fühlen sich nach einer THC-reichen Sorte deutlich ruhiger, bei anderen werden die Beschwerden schlimmer.

Studien deuten darauf hin, dass niedrige THC-Dosen Angst eher lindern, hohe sie dagegen verstärken können. Deshalb lautet die übliche Empfehlung: lieber zu Sorten mit niedriger bis mittlerer Potenz greifen.

Zum Glück haben viele Samenbanken das erkannt und bringen Sorten mit wenig THC und viel nicht berauschenden Cannabinoiden wie CBD heraus.

Fazit: Sollte man Cannabis als Medizin rauchen?

Nach dem aktuellen Stand der Forschung hat THC eine sogenannte biphasische Dosis-Wirkung. Heißt: In niedriger Dosis bewirkt es eine Sache, in hoher Dosis teils das Gegenteil.

Darum bleibt dir leider nichts anderes übrig, als verschiedene Dosen vorsichtig auszuprobieren und genau hinzuschauen, wie es dir damit geht: Bist du euphorisch? Entspannt? Verwirrt oder paranoid? Ist die Angst weniger geworden? All das gehört zur Frage, welche Dosis für dich passt. Am Ende hilft nur Ausprobieren – lieber langsam.

Dazu kommt, dass psychedelisch unterstützte Psychotherapie gerade an Boden gewinnt. Das öffnet die Tür für eine Zukunft, in der Cannabis auch in einem professionelleren therapeutischen Rahmen eingesetzt werden könnte. Bisher gibt es dazu aber nur wenig Forschung. Bis dahin gilt: Probier vorsichtig aus, wie es dir geht. Vielleicht findest du so einen Weg, dich besser zu fühlen.