Gras mit Tabak mischen: Was passiert im Körper?
KONSUM

Gras mit Tabak mischen: Was passiert im Körper?

In Deutschland ist der Joint mit Tabak fast Standard. Was die Mischung mit dem High, dem Herz, der Lunge und dem Gedächtnis macht, laut den Studien, die es dazu gibt.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Wenn du Gras mit Tabak mischst, berichten manche von einem stärkeren, andere von einem schwächeren High. Studien zeigen aber vor allem Nachteile: Wer beides zusammen raucht, schätzt die Risiken geringer ein, wird leichter von beiden Substanzen abhängig und belastet Herz und Atemwege stärker, vermutlich sogar mehr als bei getrenntem Konsum. Zum Hintergrund: In der Cannabiswelt hat sich im letzten Jahrzehnt viel getan. Viele Länder haben Cannabis wegen seines medizinischen Nutzens legalisiert, und immer mehr Leute konsumieren per Vaporizer, als Edibles oder als Konzentrat.

Tabak und Cannabis verbindet trotzdem bis heute eine seltsame Beziehung. Warum konsumieren so viele Menschen beides zusammen? Hier erfährst du, was passiert, wenn du Tabak und Gras kombinierst.

Joint mit Tabak und Cannabis

Macht Tabak im Joint einen Unterschied beim High?

Viele Konsumenten berichten von Unterschieden, alles natürlich subjektiv, zwischen purem Gras und einer Mischung mit Tabak.

Am häufigsten heißt es, der Tabak im Joint verstärke den Kick. Viele andere sagen aber genau das Gegenteil: Der Tabak dämpfe das High.

Ebenfalls oft beschrieben wird, dass Tabak helfen kann, die Unruhe zu „beruhigen“, die Cannabis manchmal auslöst.

Aber warum ist das so? Die biologischen Mechanismen hinter dieser seltsamen Beziehung sind ziemlich kompliziert. Sie hängen mit anderen Prozessen zusammen, die man lange für unabhängig voneinander hielt, von denen man heute aber weiß, dass sie verknüpft sind.

Gras und Tabak zusammen: die Folgen

Um zu verstehen, was der gemeinsame Konsum bewirkt, haben 2017 mehrere Forschungseinrichtungen in den USA die erste umfassende Übersichtsarbeit zu den Folgen der Mischung von Tabak und Cannabis erstellt. Ihr Fazit: Es braucht noch mehr Forschung, einige schädliche Effekte ließen sich aber schon klar benennen:

  • Geringere Risikowahrnehmung beim Konsum von Tabak und von (gerauchtem) Cannabis.
  • Stärkere Abhängigkeit von beiden Substanzen.
  • Stärkere subjektive Effekte von Cannabis, etwa der psychoaktiven oder sedierenden Wirkung.

Andere Untersuchungen zeigen außerdem, dass Menschen, die Cannabis und Nikotin konsumieren, Gefahr laufen, dass sich ihr allgemeines Wohlbefinden verschlechtert: schlechtere psychische Gesundheit, geringere Lebenszufriedenheit, mehr Ärger mit dem Gesetz und weniger Erfolg im Studium.

Was Tabak und Cannabis mit deinem Herz machen

Neben all den anderen Effekten trifft der Mischkonsum von Cannabis und Tabak vor allem ein System: Herz und Kreislauf.

Das liegt vor allem am Nikotin, das eine ganze Kette von Reaktionen auslöst, etwa Herzrasen, ein höheres Herzzeitvolumen und steigenden Blutdruck. Cannabis wiederum verändert die Herzfrequenz, entweder als Herzrasen oder, bei hohen Dosen, als verlangsamter Puls.

Dazu kommen die Effekte auf den Blutdruck: Im Sitzen oder Liegen steigt er, im Stehen sinkt er. Außerdem steigt das Herzzeitvolumen, die körperliche Belastbarkeit sinkt, und bei Menschen mit bestehenden Herz- oder Gefäßerkrankungen kann sich der Zustand verschlechtern.

Zigarette und Joint nebeneinander

Cannabis, Tabak und der Hippocampus

Eine vor einiger Zeit veröffentlichte Studie zeigte, dass langjähriger, chronischer Cannabiskonsum mit einem geringeren Volumen und einer geringeren Dichte des Hippocampus einherging. Diese Hirnregion hat mit Gedächtnis, Impulskontrolle und Sucht zu tun.

Dasselbe zeigte auch eine Studie von 2011, die allerdings herausfand, dass der Effekt von mehreren Faktoren abhängen kann, vor allem vom Verhältnis zwischen THC und CBD. Konkret hing ein höherer THC- und niedrigerer CBD-Anteil deutlich stärker mit einem kleineren rechten Hippocampus zusammen. Die Forschenden deuteten das als Hinweis auf eine mögliche nervenschädigende Wirkung von THC und eine mögliche Schutzwirkung von CBD.

Weitere Studien zu Tabak und Cannabis

Eine andere Studie fand dagegen keine langfristigen Veränderungen, und eine weitere wies darauf hin, dass genetische Unterschiede beeinflussen können, wie der Hippocampus reagiert, wenn jemand Cannabis verdampft oder raucht. Die Verkleinerung fand sich sowohl bei Leuten, die nur Cannabis konsumierten, als auch bei denen, die Gras mit Tabak mischten. Bei reinen Nikotinkonsumenten zeigte sie sich nicht.

Bei den reinen Cannabiskonsumenten hing ein kleinerer Hippocampus mit einem schlechteren Gedächtnis zusammen. Da ein gesunder, großer Hippocampus bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Regel mit einem guten Gedächtnis einhergeht, überrascht das nicht. In dieser Gruppe galt also: Je kleiner der Hippocampus, desto schlechter das Gedächtnis.

Die Studien brachten aber auch etwas zutage, das viele überrascht hat: In der Gruppe, die Cannabis mit Tabak konsumierte, war es umgekehrt, dort ging ein kleinerer Hippocampus sogar mit einem besseren Gedächtnis einher.

Wer mehr Zigaretten rauchte, hatte zudem einen stärker verkleinerten Hippocampus, schnitt in den Gedächtnistests aber relativ besser ab (auch wenn das Gedächtnis insgesamt schlechter blieb).

Fazit: Tabak und Cannabis zusammen

Trotz unzähliger Studien in den letzten Jahren sind wir noch weit davon entfernt, genau zu verstehen, was im Gehirn passiert, wenn Menschen psychoaktive Substanzen allein oder kombiniert konsumieren.

Unabhängig von den laufenden Studien ist der gemeinsame Konsum von Tabak und Cannabis mit gereizten Atemwegen, Husten, mehr Auswurf, Bronchospasmen, Bronchitis, Atemnot, Rachenentzündung sowie einer Verschlechterung von Asthma und Mukoviszidose verbunden, außerdem mit der Entwicklung einer chronischen Bronchitis im klinischen Sinn.

Viele Fachleute kommen zudem zu dem Schluss, dass der gemeinsame Konsum von Tabak und Cannabis zu größeren Gesundheitsproblemen führt als reines Tabakrauchen. Gras mit Tabak ist also wohl nicht die beste Kombi: Die Mischung hat kurz- wie langfristig spürbare Folgen für die Gesundheit, vermutlich sogar mehr, als wenn du beides getrennt konsumierst.