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Cannabis-Überdosis: Ist das möglich? Die LD50-Rechnung

Warum du rein rechnerisch 20.000 Joints auf einmal bräuchtest, und warum ein Kreislauf trotzdem kein Spaß ist.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Eine tödliche Cannabis-Überdosis ist praktisch nicht möglich: Weltweit ist kein einziger Todesfall durch eine Überdosis Cannabis dokumentiert. Zu viel erwischen kannst du trotzdem, mit Herzrasen, Übelkeit und Panik als Folge. Und obwohl Cannabis immer intensiver erforscht wird, gibt es nicht besonders viele Berichte oder Studien zu Überdosierungen beim Menschen. 

In der Medizin bekommt jede Substanz einen sogenannten LD50-Wert. Er gibt an, bei welcher Dosis 50 % der Versuchsobjekte an der Giftwirkung sterben würden. Ein Verwaltungsrichter der DEA (der US-Drogenbehörde) hielt 1988 dazu fest: „Mehrere Forscher haben versucht, den LD50-Wert von Marihuana an Versuchstieren zu bestimmen, ohne Erfolg. Einfach gesagt: Die Forscher konnten den Tieren nicht genug Marihuana geben, um den Tod herbeizuführen.“

In derselben Entscheidung von 1988 schätzte der Richter auf Basis von Tierdaten, dass die LD50 von Marihuana bei etwa 1:20.000 bis 1:40.000 liegt. Heißt: Ein Kiffer müsste auf einen Schlag das 20.000- bis 40.000-Fache der Menge eines Joints konsumieren, also 20.000 bis 40.000 Joints.

Selbst der erfahrenste Dabber würde längst bewusstlos auf dem Sofa liegen, bevor er umgerechnet 680 Kilo Gras in seinem System hätte. Aber Achtung: Diese Rechnung gilt für einen Erwachsenen, der raucht. Bei Kindern oder Haustieren, die versehentlich Cannabis essen, kann schon eine kleine Menge ernste Folgen haben.

Trotzdem: Wer zu viel kifft, kann sich ziemlich mies fühlen. Die meisten, die Cannabis konsumieren, haben schon mal erlebt, wie unangenehm es ist, zu viel erwischt zu haben oder „zu breit“ zu sein. Der „Kreislauf“, wie man in der Szene sagt, kann Angst, Paranoia, Schwindel und Übelkeit auslösen. Besonders heftig wird es oft, wenn Cannabis mit Alkohol oder anderen Substanzen gemischt wird.

Verantwortlich ist vor allem THC, der Wirkstoff, der Cannabis seine berauschende Wirkung gibt. In den letzten Jahrzehnten ist der THC-Gehalt von Cannabis stetig gestiegen. Heute sind Sorten mit über 20 % THC keine Seltenheit, und das haut auch erfahrene Kiffer um.

Dazu kommen Konzentrate wie Wax oder Shatter mit über 90 % THC. Mit solchen starken Produkten ist ein Kreislauf so leicht zu haben wie nie, auch wenn du regelmäßig konsumierst. 

Eine weitere Konsumform, die für unangenehme Erfahrungen sorgen kann, sind Edibles. Beim Rauchen erreicht das High oft nach 30 Minuten seinen Höhepunkt. Wenn du Cannabis isst, dauert es dagegen deutlich länger, bis du etwas merkst.

Deshalb können Edibles 2 bis 4 Stunden brauchen, bis sie voll wirken. Ein klassischer Anfängerfehler: ungeduldig werden und denken, es wirkt nicht. Und dann wird nachgelegt.

Wenn du merkst, dass du zu viel oder eine zu starke Sorte erwischt hast und dir nicht gut geht, helfen dir diese Tipps:

- Bleib an einem ruhigen Ort, an dem du dich sicher fühlst, und konzentrier dich auf deine Atmung.  

- Such dir Gesellschaft von jemandem, dem du vertraust.

- Wenn dir schwindelig wird oder du merkst, dass dein Blutdruck absackt, was nach zu vielen Edibles passieren kann, setz oder leg dich hin. Etwas Süßes kann auch helfen. 

- Einige Studien deuten darauf hin, dass CBD in solchen Situationen helfen kann, weil es manche THC-Effekte abschwächen könnte, die Datenlage ist aber gemischt. Wenn du es probierst, dann nur ein reines CBD-Produkt ohne THC.

- Trink Wasser, kein Alkohol obendrauf, und fahr auf keinen Fall Auto, bis es vorbei ist.

Das Wichtigste: Sag jemandem Bescheid, dass es dir nicht gut geht. Schäm dich nicht und hol dir Hilfe, vor allem aber vergiss nicht, dass dich ein Kreislauf allein nicht umbringt und das Unwohlsein früher oder später vorbeigeht. Hol dir aber sofort ärztliche Hilfe bei Brustschmerzen oder Herzrasen, das nicht nachlässt, bei Ohnmacht, Atemnot, Krampfanfällen, Erbrechen, das nicht aufhört, Halluzinationen oder Verwirrtheit und Paranoia, die nicht abklingen, oder wenn ein Kind oder ein Haustier Cannabis gegessen hat, auch wenn es gerade okay wirkt.