Cannabis und Medikamente: Diese Wechselwirkungen solltest du kennen
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Cannabis und Medikamente: Diese Wechselwirkungen solltest du kennen

Von Antidepressiva über die Pille bis zu Blutverdünnern: wo THC und CBD verschriebenen Medikamenten in die Quere kommen können.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis kann die Wirkung verschreibungspflichtiger Medikamente verändern: THC und CBD beeinflussen Leberenzyme, über die viele Arzneimittel abgebaut werden. Kritisch sind vor allem Blutverdünner wie Warfarin, trizyklische Antidepressiva, Theophyllin, Valproat und möglicherweise die Pille; bei Antibiotika ist die Datenlage dünn. Gerade weil medizinisches Cannabis immer beliebter wird, solltest du diese Wechselwirkungen kennen, bevor du kombinierst.

Hier gehen wir die wichtigsten Risiken durch, damit du informiert entscheiden kannst. Ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ersetzt dieser Text aber nicht: Die wissen, wie sie dich in deiner Situation beraten. Setz kein verschriebenes Medikament eigenmächtig ab, nur weil du Cannabis nimmst. Und in Schwangerschaft und Stillzeit wird Cannabis grundsätzlich nicht empfohlen.

Darf ich kiffen, wenn ich Antibiotika nehme?

Wer seine Gesundheit schützen will, sollte wissen, wie Antibiotika und Cannabis zusammenspielen könnten. Cannabis wird zwar für mögliche therapeutische Vorteile gelobt, aber in Kombination mit bestimmten Medikamenten kann es echte Risiken geben.

In Zeiten, in denen Antibiotikaresistenzen zunehmend Sorgen machen, könnte Cannabis ein vielversprechendes Forschungsfeld sein. Es wird diskutiert, ob Cannabis Stoffe mit antibakterieller Wirkung liefern könnte, eine mögliche Antwort auf Bakterienstämme, gegen die herkömmliche Mittel nicht mehr helfen.

Kann man THC mit Antibiotika nehmen?

Zu direkten Wechselwirkungen zwischen THC und Antibiotika gibt es wenig Forschung. Es gibt aber Hinweise, dass THC Leberenzyme beeinflussen könnte, die auch bestimmte Antibiotika abbauen. Das könnte das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Außerdem kann Kiffen bei einer Atemwegsinfektion die Beschwerden verschlimmern, weil THC das Immunsystem dämpfen kann.

CBD und Antibiotika: verträglich oder kontraproduktiv?

CBD hemmt bekanntermaßen Leberenzyme und wirft deshalb ähnliche Fragen auf, wenn du es mit Antibiotika kombinierst. Die Forschung dazu ist dünn, aber dass CBD den Abbau von Antibiotika verändert und so Nebenwirkungen wahrscheinlicher macht, lässt sich nicht ausschließen.

Kiffen trotz Antibiotika: Was du am Ende beachten solltest

Willst du während einer Antibiotika-Behandlung Cannabis konsumieren, sag deiner Ärztin oder deinem Arzt Bescheid, damit ihr mögliche Risiken gemeinsam einschätzen könnt. Die Wechselwirkungen sind noch nicht vollständig verstanden, umso wichtiger sind Vorsicht und Offenheit gegenüber deinem Behandlungsteam.

Antidepressiva und Cannabis

Wer mit medizinischem Cannabis Linderung bei Angst oder Depression sucht, sollte die möglichen Wechselwirkungen mit Psychopharmaka kennen. Die Forschung läuft noch, aber Fachleute mahnen zur Vorsicht, wenn beides kombiniert wird.

Was passiert, wenn ich kiffe und Psychopharmaka nehme?

Der britische Gesundheitsdienst NHS weist darauf hin, dass Cannabis mit bestimmten Psychopharmaka wechselwirken kann, vor allem mit trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Imipramin und Dosulepin (Dothiepin).

Das kann sich etwa als Herzrasen oder Bluthochdruck zeigen. Bei solchen Nebenwirkungen solltest du ärztlichen Rat einholen.

Mögliche Risiken und was du beachten solltest

Zusammen mit trizyklischen Antidepressiva kann Cannabis Verwirrtheit, Unruhe, Halluzinationen und Stimmungsschwankungen auslösen. Treten solche Symptome auf, setz deine psychiatrische Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig ab, sondern nur in ärztlicher Absprache. Das gilt erst recht für Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine: Wer sie abrupt absetzt, riskiert Entzugserscheinungen bis hin zu Krampfanfällen.

Zu Wechselwirkungen mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Lithium gibt es weniger Daten, Vorsicht ist bei der Kombination mit medizinischem Cannabis trotzdem angesagt. Gerade weil gründliche Studien fehlen, solltest du dein Behandlungsteam informieren, wenn du neben diesen Medikamenten Cannabis nimmst.

Cannabis mit Anticholinergika und Sympathomimetika: Welche Risiken gibt es?

Anticholinergika wie Atropin, die den Botenstoff Acetylcholin im zentralen Nervensystem hemmen, und Sympathomimetika, die auf das sympathische Nervensystem wirken, können zusammen mit Cannabis unerwünschte Effekte haben.

Mehreren Berichten zufolge kann diese Kombination Herzrasen auslösen und den Blutdruck erhöhen. Wer beides gleichzeitig nimmt, sollte also vorsichtig sein.

Kiffen und die Pille: Wirkt die Verhütung noch?

Einige Fachleute sehen ein mögliches Risiko, wenn Cannabis und die Antibabypille zusammenkommen: Cannabis könnte der Wirkung des Östrogens in manchen Pillen entgegenwirken und so ihre Zuverlässigkeit senken. Belastbare Studien dazu gibt es bisher kaum.

Wer auf Nummer sicher gehen will, verhütet zusätzlich, etwa mit Kondom, und spricht das Thema bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt an.

Darf ich kiffen, wenn ich Blutverdünner nehme?

Warfarin, das zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln verschrieben wird, kann durch THC und CBD zu stark wirken. Beide können das Enzym CYP2C9 beeinflussen, dadurch steigt der Warfarin-Spiegel, und es drohen starke Blutungen.

Sicherer ist es, auf Cannabis zu verzichten, solange du einen Gerinnungshemmer nimmst, oder es nur in ärztlicher Absprache zu kombinieren.

Bronchodilatatoren und Cannabis: Worauf du achten musst

Menschen mit Lungenerkrankungen wie Asthma, Emphysem oder chronischer Bronchitis, die mit Theophyllin behandelt werden, sollten mögliche Wechselwirkungen mit Cannabis im Blick haben.

Medizinisches Cannabis kann dazu führen, dass die Leber Theophyllin schneller abbaut, und so dessen Wirkung abschwächen. Andererseits könnten die bronchienerweiternden Effekte von THC und den Terpenen im Cannabis diesen Patient:innen auch zugutekommen.

Cannabis und Antiepileptika: Ist die Kombination sicher?

Valproat wird bei Krampfanfällen, manischen Phasen einer bipolaren Störung und Migräne eingesetzt, ein echtes Multitalent unter den Antiepileptika. Untersuchungen deuten aber darauf hin, dass Cannabis oder CBD zusammen mit Antiepileptika wie Valproat womöglich keine gute Idee ist: CBD kann den Abbau mancher Antiepileptika in der Leber verändern. Ganz wichtig: Antiepileptika nie ohne deine Neurologin oder deinen Neurologen reduzieren oder absetzen, sonst können die Anfälle zurückkommen.