Kiffen bei Erkältung oder Grippe: Hilft es oder macht es alles schlimmer?
GESUNDHEIT

Kiffen bei Erkältung oder Grippe: Hilft es oder macht es alles schlimmer?

Manche greifen bei Erkältung oder Grippe zum Gras, um Gliederschmerzen und schlaflose Nächte besser zu überstehen. Was dafür spricht und was dagegen.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Kiffen bei Erkältung oder Grippe kann Gliederschmerzen dämpfen, beim Einschlafen helfen und den Appetit zurückbringen – der Rauch reizt aber Hals und Lunge genau dann, wenn sie ohnehin schon entzündet sind. Gerade jetzt in der Erkältungszeit, wenn Halsschmerzen und Sofa-Decke zum Pflichtprogramm gehören, überlegen manche, ob Cannabis die Beschwerden lindern könnte. Aber was passiert eigentlich, wenn du kiffst, während du krank bist?

Wenn du Atemwegsbeschwerden hast, denk dran: Rauchen reizt die Lunge, egal was du rauchst, Cannabis eingeschlossen. Beim Verbrennen von Cannabis verbrennen Cannabinoide, Terpene und andere Stoffe der Pflanze und erzeugen Rauch, der diese Moleküle in deine Lunge und in deinen Blutkreislauf transportiert. Mit dem Rauch kommen aber auch Verbrennungsprodukte, die der Lunge schaden können.

Wie wirkt sich Cannabis auf die Lunge aus?

Rauchen schädigt die Zellen in der Lunge, die sie vor Keimen und Staub schützen. Das führt zu mehr Schleim und erhöht das Risiko für eine bakterielle Infektion. Mehr Schleim macht es Bakterien außerdem leichter, sich in der Lunge anzusiedeln und zu vermehren. Wer weiterraucht, riskiert, dass Lungenprobleme wie Bronchitis oder Lungenentzündung chronisch werden.

Ob du mit Erkältung oder Grippe kiffst, ist letztlich deine Entscheidung. Manche Ärzt:innen meinen, dass Kiffen mit Grippe dich nicht kränker macht, belastbare Studien dazu gibt es aber nicht. Bei schon gereiztem Hals kann es unangenehm werden, andererseits kann es Muskelschmerzen und Entzündungen bei Grippe oder Fieber lindern. Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken, was bei Fieberschmerzen helfen könnte. Der Rauch reizt allerdings den Hals: Ist er entzündet, nimm lieber einen Vaporizer oder ein Edible. Cannabis kann außerdem den Appetit anregen und beim Einschlafen helfen, wenn an Erholung sonst kaum zu denken ist.

Ob Kiffen dir beim Kranksein schadet oder hilft, ist individuell. Klar ist aber: Wenn du mit anderen rauchst, steigt das Risiko, sie anzustecken – vor allem, wenn ein Joint, eine Pfeife oder eine Bong in der Runde kreist. Bei Atemwegsproblemen solltest du statt zu rauchen lieber zu Tinkturen, Ölen oder Edibles greifen.

Cannabisöl

Cannabisöl und seine möglichen Vorteile

Was passiert, wenn ich mit Grippe kiffe?

Cannabis enthält mehrere Wirkstoffe, darunter THC, die an die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems binden. Diese Rezeptoren sitzen im ganzen Körper, auch im Verdauungstrakt und am Schließmuskel der Speiseröhre, dem Muskelring, der das Essen von der Speiseröhre in den Magen lässt. Langfristiger Cannabiskonsum kann verändern, wie diese Rezeptoren reagieren, und Symptome des sogenannten Cannabinoid-Hyperemesis-Syndroms (CHS) auslösen.

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom führt zu wiederkehrenden, heftigen Brechattacken und tritt nur bei Menschen auf, die über lange Zeit täglich Cannabis konsumieren. Das Syndrom ist selten, kann aber Bauchschmerzen, anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit und Anzeichen von Dehydrierung verursachen.

Viele Betroffene nehmen lange heiße Duschen oder suchen ärztliche Hilfe, wenn die Symptome auftreten. Fakt ist: Die Beschwerden hören erst auf, wenn man komplett mit dem Cannabis aufhört. Die Erholung kann Tage bis Monate dauern, und die Symptome kommen oft zurück, wenn man wieder anfängt zu kiffen.

Unterm Strich kann Cannabis die Krankheitssymptome lindern oder verschlimmern – je nach Konsumform und je nachdem, wie dein Körper reagiert. Am besten sprichst du mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn du überlegst, im Krankheitsfall Cannabis zu nehmen. Und sag deinen Freund:innen und deiner Familie immer Bescheid, wenn du krank oder erkältet bist und trotzdem bei einer Session mitmachen willst. Keime verbreiten sich leicht, wenn Gläser, Joints und Blunts die Runde machen.

Medizinisches Cannabis

Kiffen mit Grippe

Bei welchen Erkrankungen wird Cannabis eingesetzt oder erforscht?

Cannabinoide wirken auf vielfältige Weise im Körper. Zugeschrieben werden ihnen unter anderem entzündungshemmende, schmerzlindernde, nervenschützende, krampflösende und muskelentspannende Eigenschaften sowie ein Einfluss auf Knochenbildung und -wachstum. Untersucht werden außerdem mögliche Effekte gegen Übelkeit und Darmkrämpfe, als Appetitanreger oder -hemmer, gegen Angst, gegen Psychosen, als Schlafhilfe, auf das Immunsystem, als Antioxidans sowie zur Vorbeugung von Rückfällen und Entzugssymptomen bei Abhängigkeiten. 

Wegen dieser Eigenschaften wird Cannabis – etwa als Öl mit Cannabisextrakt, als Creme oder als Massageöl – bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen erforscht. Bei den neurologischen Erkrankungen ist die Evidenz bei einigen Epilepsieformen am besten; bei Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose, Chorea Huntington, ALS, Tourette-Syndrom und Autismus wird noch geforscht.

Cannabisöl: Was CBD kann

Dem CBD werden zahlreiche therapeutische Eigenschaften zugeschrieben. Untersucht wird seine Wirkung bei Stress, Depression und einigen psychischen Erkrankungen. Es gilt als nervenschützend und muskelentspannend und wird deshalb – immer von Fachleuten – in der Palliativversorgung gegen Schmerzen und andere Beschwerden eingesetzt.

CBD wird eingesetzt oder erforscht bei Beschwerden wie:

  • Krampfanfällen
  • Entzündungen
  • Schmerzen
  • Psychosen und psychischen Erkrankungen
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Übelkeit
  • Migräne
  • Depression
  • Angst

CBD kann man schlucken oder auf die Haut auftragen, je nach Produkt. Die Auswahl ist riesig: von Ölen und Weichkapseln, die angeblich gegen Angst helfen, bis zu entspannenden Badesalzen, Cremes und Ölen. Natürlich kann man es auch rauchen – wenn du CBD aber aus therapeutischen oder medizinischen Gründen nimmst, verzichte lieber auf die Verbrennung und greif zu gesünderen Konsumformen. 

Studien zeigen, dass CBD krampflösend wirkt und bei bestimmten Epilepsieformen wirksam ist. Sein Einsatz hat stark zugenommen, auch weil es nicht psychoaktiv ist.

Dank moderner Züchtung gibt es Sorten, die fast nur CBD enthalten, sodass du nicht zwangsläufig das Cannabinoid THC konsumierst, das psychoaktiv wirkt.

CBD kann den Spiegel von Blutverdünnern und anderen Medikamenten im Blut erhöhen, weil es mit ihnen um dieselben Leberenzyme konkurriert, die diese Medikamente abbauen. „Menschen, die hohe Dosen CBD einnehmen, können auffällige Leberwerte im Bluttest zeigen“, schreibt Harvard Health Publishing. Viele rezeptfreie Medikamente wie Paracetamol haben denselben Effekt.

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