
Folgen vom Kiffen: Was Gras mit Gehirn, Lunge und Herz macht
Dass es mehr Infos über Cannabis gibt als je zuvor, heißt noch lange nicht, dass Kiffen automatisch harmlos ist.
Regelmäßiges Kiffen kann auf Dauer Gehirn, Lunge und Herz belasten, und das Risiko steigt, weil heutiges Gras deutlich mehr Tetrahydrocannabinol (THC) enthält als früher. Am stärksten trifft es Jugendliche, deren Gehirn sich noch entwickelt. Cannabis wird weltweit vor allem zum Spaß konsumiert, und sein medizinischer Nutzen wird immer bekannter. Harmlos ist es deshalb noch lange nicht.
Die Wissenschaft fängt gerade erst an zu verstehen, wie komplex die Folgen von Cannabis und Langzeitkonsum im Körper sind, aber es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass es mit der Zeit verschiedene Gesundheitsprobleme verursachen kann. Erste Untersuchungen an Tieren und Menschen deuten zum Beispiel darauf hin, dass Kiffen das Immunsystem bremsen kann.
Welche Risiken hat Kiffen für das Gehirn?
Der Wirkstoff im Gras, Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz THC, dockt an Cannabinoid-Rezeptoren in den Hirnregionen an, die Lernen, Gedächtnis, Appetit, Koordination und Lustempfinden steuern.

Die Forschung lernt noch, wie Cannabis langfristig auf das Gehirn wirkt, aber man geht davon aus, dass die stärksten Effekte bei jungen Erwachsenen auftreten, deren neuronale Verbindungen sich noch bilden.
Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) beeinflusst Cannabis die Entwicklung des Gehirns. Solange sich das Gehirn noch entwickelt, also bei Babys, Kindern und Jugendlichen, ist es besonders anfällig für langfristige Folgen von Cannabis und THC. Das Thema wird noch erforscht, aber Studien deuten darauf hin, dass Cannabiskonsum in der Schwangerschaft bei den Kindern später mit Problemen bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Problemlösen und Verhalten zusammenhängen könnte.
Schadet Kiffen in der Jugend?
Wer vor dem 18. Lebensjahr kifft, riskiert, dass das Gehirn die Verbindungen für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen anders anlegt. Diese Effekte können lange anhalten oder sogar bleiben, aber um sie genau zu verstehen, braucht es mehr Forschung.
Was sagen die Studien?
Eine Studie mit Jugendlichen fand im Vergleich zu Nichtkonsumierenden eine schwächere neuronale Vernetzung in bestimmten Hirnregionen, die für viele exekutive Funktionen zuständig sind, etwa Gedächtnis, Lernen und Impulskontrolle.
Jugendliche, die regelmäßig kifften (täglich über drei Jahre), zeigten Veränderungen im Hippocampus, also dem Teil des Gehirns, der für das Langzeitgedächtnis zuständig ist. Je länger und chronischer die Teilnehmenden konsumiert hatten, desto auffälliger war die Form ihres Hippocampus, und desto schlechter fiel ihr Langzeitgedächtnis aus.
Was macht Kiffen mit der Lunge?
Cannabis und Tabak sind zwei völlig verschiedene Pflanzen, aber wer eins von beiden raucht, belastet die Lunge auf ähnliche Weise. Genau wie Zigarettenraucher haben auch Kiffer ein höheres Risiko für Erkältungen, Bronchitis und Lungeninfektionen.
Lange galt Verdampfen als sicherere Alternative zum Rauchen. Heute weiß man aber, dass manche Vape-Produkte, vor allem illegale THC-Kartuschen (wegen des darin enthaltenen Vitamin-E-Acetats), EVALI auslösen können: eine Lungenschädigung durch E-Zigaretten und Vaping-Produkte, die zu Atemnot führt und im Krankenhaus oder sogar tödlich enden kann.
Welche Nebenwirkungen gibt es noch?
Husten und Erkältungen sind die nervigsten Nebenwirkungen vom Kiffen, ein höheres Lungenkrebsrisiko dagegen wäre lebensgefährlich. Cannabisrauch enthält einige der gleichen krebserregenden Stoffe wie Tabakrauch, manchmal sogar in höherer Konzentration.
Trotzdem konnten Bevölkerungsstudien bisher keinen klaren Anstieg des Lungenkrebsrisikos durch Cannabiskonsum nachweisen.
Es braucht mehr Forschung, um zu verstehen, welche Folgen Kiffen für Lungenkrebs und andere Atemwegserkrankungen haben könnte, etwa für das Lungenemphysem (eine Lungenerkrankung, die Atemnot verursacht) und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).
Erhöht Kiffen das Krebsrisiko?
Für junge Männer kann Kiffen besonders riskant sein. Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem höheren Risiko für eine bestimmte Art von Hodenkrebs hin.
Eine Studie von 2015 im Fachjournal BMC Cancer kam zu dem Schluss, dass Cannabiskonsum einmal pro Woche oder über mehr als 10 Jahre mit einem höheren Risiko für Keimzelltumoren des Hodens zusammenhing.
Wer Gras raucht, nimmt THC und andere Cannabinoide auf, aber eben auch Schadstoffe, darunter viele der gleichen Giftstoffe und Karzinogene (krebserregende Chemikalien) wie im Tabakrauch, die Lunge, Herz und Kreislauf schädigen. Ob und wie Cannabis Lungenkrebs und andere Krebsarten der Atemwege beeinflusst, muss noch genauer erforscht werden.
Welche Risiken hat Kiffen für das Herz?
Wenige Minuten nach dem Kiffen schlägt das Herz schneller und der Blutdruck kann sich verändern. Für Menschen mit Herzerkrankungen kann das gefährlich werden. Forschende fanden Hinweise darauf, dass Cannabiskonsumierende direkt nach dem Rauchen ein höheres Herzinfarktrisiko haben als Menschen, die nicht kiffen.
Studien fanden außerdem einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Herzrhythmusstörungen sowie ein möglicherweise höheres Schlaganfallrisiko.
Kann Cannabis mit Medikamenten wechselwirken?
Cannabinoide können außerdem die Wirkung vieler Herzmedikamente beeinflussen, darunter Antiarrhythmika, Statine, Calciumkanalblocker und Betablocker.
Auch wenn viele es nicht glauben: Langzeitkonsum kann zu einer Cannabiskonsumstörung führen, also in eine Abhängigkeit. Deshalb sagen wir immer: Manche Konsumformen sind gesünder als andere, über Dosis und Menge lassen sich viele dieser Risiken vermeiden, und medizinische Cannabistherapien, die von Fachleuten begleitet und reguliert werden, können bei richtiger Anwendung gute Ergebnisse bringen.
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