Was ist Kokosfaser? Eigenschaften, Cal-Mag-Falle und Vorbereitung
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Was ist Kokosfaser? Eigenschaften, Cal-Mag-Falle und Vorbereitung

Warum Kokos so viel Wasser hält und trotzdem luftig bleibt, was die Kationenaustauschkapazität damit zu tun hat und wie du Kokosziegel richtig quellen lässt.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Kokosfaser ist ein zu 100 % organisches Substrat aus den zermahlenen Fasern und dem Staub der Kokosnussschale. Es speichert viel Wasser, ohne nass und matschig zu werden, hält die Wurzeln luftig und funktioniert in Hydro-Systemen genauso wie im klassischen Topf-Grow (ja, auch gemischt mit Erde).

Physikalische und chemische Eigenschaften von Kokosfaser

Standard-Kokossubstrat besteht, wie der Name schon sagt, größtenteils aus Kokosstaub, dem feinen Mark der Schale. Er ist der Hauptbestandteil der meisten Kokosprodukte. Darin stecken Millionen winziger Kapillarschwämmchen, die bis zum Neunfachen ihres Eigengewichts an Wasser aufsaugen und halten.

Kokos ist ein gut belüftetes Substrat und verdichtet sich kaum, wenn es abtrocknet. Der natürliche pH-Wert liegt bei 5,7 bis 6,5, dazu kommt eine hohe Kationenaustauschkapazität (KAK, englisch CEC). Genau das macht es zu einem hochwertigen Substrat.

Und was ist diese KAK genau? Es geht darum, wie gut ein Substrat positiv geladene Nährstoffe festhalten und an die Wurzeln abgeben kann, wenn die Pflanze sie braucht. Kurz gesagt: Die Fähigkeit eines Substrats, bestimmte Nährstoffe zu speichern und wieder freizugeben, nennt man seine Kationenaustauschkapazität.

Wofür ist Kokosfaser gut?

Kokosfaser ist richtig schwammig und leicht und hat jede Menge Luftkammern in ihrer Struktur. Sie saugt viel Wasser auf, ohne dabei ihre Lockerheit oder Form zu verlieren. Außerdem leitet sie Feuchtigkeit kapillar sehr gut weiter: Machst du eine Stelle nass, verteilt sich das Wasser gleichmäßig im ganzen Substrat. Weil sie selbst kaum Nährstoffe mitbringt, gilt sie als nahezu inert.

Gutes Kokos kannst du zwei- bis dreimal wiederverwenden, danach wandert es auf den Kompost oder ins Gemüsebeet. Genauso wichtig: Kokos fördert eine reiche, gesunde Rhizosphäre (die belebte Zone rund um die Wurzeln). Nützliche Mikroorganismen besiedeln das Substrat und helfen der Pflanze, bestimmte Stoffe und Nährstoffe effizienter aufzunehmen.

Was Kokosfaser deinen Pflanzen im Grow bringt

In Kokos entwickeln sich Wurzeln, Stängel und Blüten besonders gut. Blumenerde verdichtet sich schnell, Kokos dagegen behält genug Luftporen für ein kräftiges Wurzelsystem. So bekommst du eine gesunde, sauerstoffreiche Rhizosphäre, und die ist entscheidend dafür, dass Wasser und Nährstoffe ordentlich aufgenommen werden.

Kokosfaser hat von Natur aus einen hohen Ligningehalt. Das lockt nützliche Mikroorganismen in die Wurzelzone und bremst den Abbau des Substrats, deshalb eignet es sich so gut zur Wiederverwendung.

Viele Grower gehen außerdem davon aus, dass Kokos dank dieser Mikroorganismen einen gewissen Schutz vor Pflanzenkrankheiten bietet. Mehrere In-vitro-Versuche (also im Labor, nicht im echten Grow) haben gezeigt, dass Kokos das Wachstum bodenbürtiger Erreger hemmen kann.

In einem dieser Versuche wurde zum Beispiel das Myzelwachstum des Pilzes Phytophthora capsici deutlich gebremst, wenn das Substrat mit einer Suspension aus unsterilisiertem Kokos behandelt wurde.

Grow in Kokos: Worauf du achten musst

Wie gesagt hat Kokos ein paar Eigenheiten, die du als Grower im Blick haben solltest. Die wichtigste: Es zieht positiv geladene Ionen stark an, vor allem zweifach positiv geladene. Was heißt das in der Praxis? Frisches Kokos schnappt sich viele Nährstoff-Ionen wie Calcium und Magnesium. Pflanzen in einem Substrat, das hauptsächlich aus Kokos besteht, können deshalb einen Calcium- und Magnesiummangel bekommen, weil das Kokos die Nährstoffe quasi aus deinem Dünger „klaut“.

Und wie sieht es bei Kokos in Hydro-Systemen aus?

Das ist ein Klassiker im Hydro-Grow. Um das Problem zu umgehen und trotzdem alle Vorteile von Kokos in der Hydroponik mitzunehmen, gibt es eine einfache Lösung: einen Dünger, der speziell für Kokos entwickelt wurde. Welche Dünger sind das? Am besten solche mit extra Calcium und Magnesium, damit nach dem „Diebstahl“ durch das Kokos noch genug für die Pflanze übrig bleibt. Die andere Option ist gepuffertes Kokos: Es wurde schon ab Werk mit Calcium und Magnesium behandelt und zieht deinem Dünger diese Nährstoffe nicht mehr ab.

Lose im Sack oder als Ziegel: So bereitest du Kokosfaser vor

Kokosfaser bekommst du in zwei Formen: lose im Sack oder getrocknet und zu Blöcken bzw. Ziegeln gepresst.

Loses Kokos aus dem Sack ist direkt einsatzbereit. Kokosziegel musst du dagegen erst rehydrieren, also nach und nach Wasser zugeben, bis sie aufquellen. In beiden Fällen gilt: Lockere das Kokos mit der Hand auf, indem du es vorsichtig umschichtest, ohne zu drücken. So kommt Luft rein und es wird schön fluffig.

Tipps, bevor du Kokosfaser für deine Pflanzen nimmst

  • Nimm immer Kokos von einer bekannten Marke mit gutem Ruf (das gilt ehrlich gesagt für alles, was an deine Pflanzen kommt)
  • Finger weg von Kokos ohne Marke oder ohne Herkunftsangabe auf dem Sack: Das ist meist schlecht gewaschen, zu kurz gereift und enthält oft viel mehr Staub als Faser. Ergebnis: Das Substrat bleibt dicht und verklumpt
  • Lass Kokos weg, wenn du mit hartem Wasser und normalem Erddünger gießen willst wie bei einem Grow in Erde
  • Nimm Hydro-Dünger, der alle Mineralien liefert, die die Pflanze braucht. Wenn du einen Kokosziegel rehydrierst, nimm normales Leitungswasser und kein enthärtetes Wasser.