Macht Kiffen psychisch krank? 3 Mythen im Faktencheck
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Macht Kiffen psychisch krank? 3 Mythen im Faktencheck

Angst, Abhängigkeit, Psychose: Was THC im Kopf verändert, welche drei Mythen sich hartnäckig halten und wer besonders aufpassen sollte.

VON CosechaLibre Redaktion6 MIN LESEZEIT

Kiffen kann die Psyche beeinflussen: THC verändert kurzfristig Stimmung, Gedächtnis und Wahrnehmung, und regelmäßiger Konsum von starkem Gras kann das Risiko für Abhängigkeit, Angst und Psychosen erhöhen. Cannabis wird seit Jahrhunderten in vielen Kulturen genutzt, medizinisch wie zum Vergnügen. Heute steht es weltweit mitten in einer Debatte, und dabei geht es vor allem um die Folgen für die Psyche.

Wenn du Gras rauchst, gelangt THC schnell ins Blut und von dort ins Gehirn, wo es an die Cannabinoid-Rezeptoren andockt. Die gehören zum Endocannabinoid-System, das bei Stimmung, Appetit, Gedächtnis und Schlaf eine zentrale Rolle spielt.

Wenn THC an diese Rezeptoren bindet, kann es diese Funktionen vorübergehend verändern. Das ist das, was du direkt nach dem Konsum spürst.

Für manche ist das angenehm, andere bringt es aus dem Gleichgewicht, vor allem Neulinge und Leute, die zu viel erwischen.

Joint mit Hanffilter

Cannabis und Psyche: 3 Mythen, die weg müssen

Um Cannabis ranken sich jede Menge Mythen und Missverständnisse. Wer informiert entscheiden will, muss Fakten und Märchen auseinanderhalten. Hier nehmen wir drei der verbreitetsten Mythen auseinander und zeigen, was wirklich dahintersteckt.

Mythos 1: „Kiffen hat keinen Einfluss auf die Psyche“

FALSCH. Die Vorstellung, Gras lasse die Psyche völlig kalt, stimmt nicht. Wer über lange Zeit Cannabis mit hohem THC-Gehalt konsumiert, hat ein deutlich höheres Risiko, abhängig zu werden. THC ist der wichtigste Wirkstoff der Pflanze.

Dazu kommt eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studie: Demnach entwickeln Menschen, die regelmäßig kiffen, häufiger eine cannabisinduzierte Psychose und haben öfter wiederkehrende depressive Episoden.

Mythos 2: „Regelmäßig kiffen senkt die Angst“

FALSCH. Dieser Mythos entsteht aus einer Verwechslung der Inhaltsstoffe. Die Pflanze enthält zwei Hauptwirkstoffe: CBD und THC. CBD wird extrahiert und bei bestimmten körperlichen und psychischen Beschwerden eingesetzt, etwa bei Angst, und macht nicht high.

THC dagegen, das im Freizeit-Gras steckt, sorgt für Euphorie und das gute Gefühl, ist aber kein Mittel gegen Angst. In manchen Fällen kann THC Angstsymptome sogar verstärken, statt sie zu lindern.

Mythos 3: „Kiffen ist harmlos, weil es nicht abhängig macht“

FALSCH. Viele halten Gras für völlig harmlos, aber Dauerkonsum kann in eine Abhängigkeit führen. Die entwickelt sich zwar meist langsamer als bei Kokain oder Methamphetamin, ist aber real und schadet.

Wer cannabisabhängig wird, kann Probleme bekommen, sich Dinge zu merken oder Neues zu lernen, und braucht das Gras irgendwann, um sich emotional und psychisch gut zu fühlen.

Diese Abhängigkeit kann Beziehungen und den Alltag belasten: Manche ziehen sich von Familie, Freund:innen und Dingen zurück, die ihnen früher Spaß gemacht haben.

Fazit zu den Mythen

Wer diese Mythen durchschaut, versteht besser, was Cannabis wirklich mit Psyche und Körper macht. Gras kann die psychische Gesundheit beeinflussen, ist kein Wundermittel gegen Angst und kann abhängig machen. Das zu wissen ist die Basis für eine informierte Entscheidung.

Die Forschung zu dieser Pflanze geht weiter. Bleib auf dem Laufenden und hinterfrag, was so alles im Umlauf ist.

Psychische Wirkung von Cannabis: Was im Kopf passiert

Wie Cannabis auf den Kopf wirkt, interessiert und beschäftigt immer mehr Menschen. Neuere Arbeiten im Journal of Psychopharmacology, in Neuropsychopharmacology und im International Journal of Neuropsychopharmacology zeigen, wie der Konsum verschiedene kognitive und psychische Prozesse beeinflussen kann.

Wie viele Menschen kiffen?

Laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) konsumierten 2018 weltweit rund 192 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren Cannabis zum Vergnügen. Etwa 35 % von ihnen waren zwischen 18 und 25 Jahre alt, ein großer Teil sind also junge Erwachsene.

Weil ihr Gehirn noch in der Entwicklung ist, könnten gerade sie für Langzeitfolgen von Cannabis besonders anfällig sein.

Welche Rolle spielt Tetrahydrocannabinol (THC)?

Tetrahydrocannabinol (THC) ist der wichtigste psychoaktive Wirkstoff in Cannabis. Er wirkt auf das Endocannabinoid-System im Gehirn, wo bestimmte Rezeptoren auf die chemischen Bestandteile der Pflanze reagieren.

Besonders viele dieser Rezeptoren sitzen im präfrontalen und im limbischen Bereich des Gehirns. Diese Regionen sind entscheidend dafür, wie Belohnung und Motivation gesteuert werden.

Wie THC die Botenstoffe im Gehirn beeinflusst

Die Cannabinoid-Rezeptoren regeln die Signale mehrerer wichtiger Neurotransmitter, darunter Dopamin, Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und Glutamat.

Dopamin

Dopamin ist ein zentraler Botenstoff für Motivation, Belohnung und Lernen. Wenn THC an die Cannabinoid-Rezeptoren bindet, kann es die Ausschüttung und Regulierung von Dopamin verändern. Das kann sich auf die Motivation und die Fähigkeit auswirken, Freude zu empfinden.

Gamma-Aminobuttersäure (GABA)

GABA ist ein hemmender Botenstoff, der bremst, wie leicht Nervenzellen feuern, und bei Angst eine wichtige Rolle spielt. THC kann die GABA-Signale beeinflussen, was Angstniveau und Gefühlsregulation verändern kann.

Glutamat

Glutamat ist der wichtigste erregende Botenstoff im Gehirn und an Denkprozessen wie Gedächtnis und Lernen beteiligt. THC kann die Glutamat-Signale stören, was sich negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken könnte.

Cannabis und psychische Gesundheit

Cannabis beeinflusst nicht nur, wie wir denken, sondern auch, wie wir fühlen und handeln. Deshalb schauen wir uns neuere Studien zu den Effekten auf die Motivation und die beteiligten Schaltkreise im Gehirn an.

Kiffen, Motivation und Leistung

Studien deuten darauf hin, dass Cannabis die Belohnungs- und Motivationsschaltkreise im Gehirn beeinflussen kann. Das kann sich auf alltägliche Leistungen wie Job oder Schule auswirken, weil Motivation und das Gefühl von Belohnung nachlassen.

In einer neueren Studie lagen die Teilnehmenden im MRT und mussten auf blaue und orangefarbene Quadrate reagieren (eine sogenannte Neuroimaging-Aufgabe). Bei den orangefarbenen gab es Geld, wenn die Antwort richtig war.

So ließ sich untersuchen, wie das Gehirn auf Belohnungen reagiert, mit Fokus auf das ventrale Striatum, eine Schlüsselregion des Belohnungssystems.

Die Ergebnisse zeigten leichte Effekte von Cannabis im ventralen Striatum, obwohl die Teilnehmenden nur moderat konsumierten. Bei Dauerkonsument:innen dürften die Effekte deutlicher ausfallen.

Psychische Folgen von Cannabis

Cannabiskonsum wird auch mit psychischen Problemen in Verbindung gebracht, unter anderem mit Anhedonie (der Unfähigkeit, Freude zu empfinden) bei Jugendlichen. Während der Corona-Lockdowns hat sich das noch verschärft.

Cannabis und Psychose

Cannabis kann ein Risikofaktor für psychotische Episoden und Schizophrenie sein. Laut einer Studie erhöht schon moderater Konsum das Risiko für psychotische Symptome bei jungen Menschen, vor allem bei denen mit genetischer Veranlagung zu Psychosen.

In einer Studie mit 2.437 Jugendlichen und jungen Erwachsenen (14 bis 24 Jahre) stieg das Risiko für psychotische Symptome bei Kiffer:innen ohne Veranlagung von 15 % auf 21 %, bei denen mit Veranlagung von 25 % auf 51 %.

Warum Cannabis mit psychotischen Episoden zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar. Vermutet wird, dass Dopamin und Glutamat in der Neurobiologie dieser Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen.

Cannabisblüte in der Hand

Eine weitere Studie mit 780 Jugendlichen brachte Cannabiskonsum und psychotische Erlebnisse mit einer Hirnregion namens Uncus in Verbindung. Der Uncus gehört zum Gyrus parahippocampalis (wichtig fürs Gedächtnis), liegt nahe an Arealen für die Geruchsverarbeitung und hat besonders viele Cannabinoid-Rezeptoren.

Wovon die Wirkung von Cannabis abhängt

Wie Cannabis auf Denken und Psyche wirkt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Dosis (Häufigkeit, Dauer und Stärke), dem Geschlecht, genetischer Anfälligkeit und dem Alter beim Einstieg. Entscheidend ist die Frage, ob diese Effekte vorübergehend oder dauerhaft sind. Eine Übersichtsarbeit, die viele Studien zusammenfasst, legt nahe, dass die Effekte bei moderatem Konsum nach einer Pause wieder schwächer werden können.