
Medizinisches Cannabis: Bei diesen 8 Erkrankungen kann es helfen
Von chronischen Schmerzen bis Alzheimer: wo die Datenlage solide ist und wo es bisher nur Hinweise gibt.
Am besten belegt ist medizinisches Cannabis bei chronischen Schmerzen, bei Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie und bei den Muskelkrämpfen der Multiplen Sklerose. Erste Hinweise gibt es außerdem bei Schlafstörungen, HIV/Aids, Angst und Depression, Glaukom und Alzheimer. Medizinisches Cannabis heißt nichts anderes, als die Pflanze oder ihre Inhaltsstoffe gegen Krankheiten oder Beschwerden einzusetzen. Es ist im Grunde dasselbe Gras wie beim Freizeitkonsum, nur mit medizinischem oder therapeutischem Ziel.
Die Cannabispflanze enthält über 100 verschiedene Stoffe, die Cannabinoide heißen, und jeder davon wirkt anders auf den Körper. Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind die Cannabis-Wirkstoffe, die in der Medizin am häufigsten eingesetzt werden. THC ist für die psychoaktive Wirkung verantwortlich, also für das High, das du beim Konsum spürst.
Die meisten Belege für eine therapeutische Wirkung gibt es für die Linderung chronischer Schmerzen, von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie sowie der Spastik und der steifen, verkrampften Muskeln bei Multipler Sklerose.
Cannabinoide, die Wirkstoffe in medizinischem Cannabis, ähneln Stoffen, die der Körper selbst herstellt und die an Appetit, Gedächtnis, Bewegung und Schmerzempfinden beteiligt sind.
Die bisherige Forschung deutet darauf hin, dass Cannabinoide: Angst verringern, Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern, Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie gegen Krebs in den Griff bekommen, Krebszellen abtöten und Tumorwachstum bremsen (bisher vor allem im Labor), verspannte Muskeln bei Multipler Sklerose lockern sowie bei Krebs und Aids den Appetit anregen und die Gewichtszunahme fördern könnten.
Chronische Schmerzen
Viele Patient:innen greifen bei chronischen Schmerzen zu Cannabis, und die wissenschaftlichen Belege für die Wirkung sind beachtlich. In klinischen Studien mit Menschen, die unter quälenden Beschwerden litten, etwa nach Rückenmarksverletzungen, bei HIV, komplexem regionalem Schmerzsyndrom, Krebs, Chemotherapie, Muskel- und Gelenkproblemen, rheumatoider Arthritis und Multipler Sklerose, linderte Cannabis die Schmerzen bei einem bedeutenden Teil der Teilnehmenden.
Schlafstörungen
THC und CBD docken an die Cannabinoid-Rezeptoren der Gehirnzellen an und können gemeinsam den Schlaf verbessern, zumindest kurzfristig. Das gilt für Menschen, die wegen Schmerzen, obstruktiver Schlafapnoe, Fibromyalgie, Multipler Sklerose oder Angst schlecht schlafen.
HIV/Aids
Bei dieser Erkrankung zeigen mehrere Studien Vorteile von Cannabis in der Palliativversorgung. Patient:innen mit HIV berichten, dass Cannabis ihnen hilft, zuzunehmen, und dass es Stimmung, Schlaf und Schmerzen bessert.
Depression, Angst und posttraumatische Belastungsstörung
In Umfragen unter älteren Erwachsenen, die medizinisches Cannabis nutzen, sagt die Mehrheit, es habe ihnen bei mindestens einer dieser Beschwerden geholfen. Bei Depressionen berichten manche Patient:innen von einer deutlichen Besserung mit CBD-reichen Präparaten, die klinische Evidenz ist allerdings noch dünn.
Glaukom
Das Glaukom (grüner Star) ist eine Erkrankung, bei der der Druck im Augapfel steigen kann. Das schädigt den Sehnerv und kann zum Verlust der Sehkraft führen. Cannabis senkt den Augeninnendruck beim Glaukom für eine Weile, ist aber keine Standardbehandlung, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten.
Multiple Sklerose (MS)
Menschen mit Multipler Sklerose gehören in den USA zu den größten Gruppen unter den Nutzer:innen von medizinischem Cannabis, gleich nach Menschen mit chronischen Schmerzen. Der Grund: Es gibt solide Forschung dazu, dass Cannabis die Muskelkrämpfe bei MS verringern kann.
Krebsschmerzen
Es gibt Hinweise, dass Cannabis bei Krebsschmerzen und den Nebenwirkungen der Krebstherapie helfen kann: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Das heißt aber nicht, dass man damit den Krebs selbst behandeln sollte, sondern die Beschwerden, die er verursacht. Auch wenn manche Studien Fortschritte zeigen, reicht die Datenlage längst nicht aus, um Cannabis als Krebstherapie einzusetzen.
Alzheimer
Bei Alzheimer lagern sich Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden geistigen Abbau führt. Ein im Journal of Alzheimer's Disease veröffentlichter Bericht zeigte, dass THC die Beta-Amyloid-Werte kurz nach der Gabe senkte. Das waren allerdings Laborversuche, keine Studien an Patient:innen.
Auch wenn mehrere Studien Vorteile von Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden zeigen: Sprich unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor du eine dieser Erkrankungen mit Cannabis behandelst, denn manche Medikamente vertragen sich nicht mit einer Cannabistherapie. Jeder Körper ist anders und reagiert anders, deshalb ist der Weg zu Fachleuten immer die beste Entscheidung.
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