
Wie medizinisches Cannabis das Kiffer-Stigma abbaut
Von der Propaganda zur Patientenversorgung: warum das Bild vom kriminellen Kiffer langsam verschwindet.
Wie medizinisches Cannabis das Kiffer-Stigma abbaut
Medizinisches Cannabis baut Vorurteile ab, weil Forschung und Legalisierung zeigen, dass die Pflanze vielen Patient:innen hilft und Konsumierende keine Kriminellen sind. Je mehr Länder und Regionen Cannabis für medizinische und private Zwecke legalisieren, desto mehr bröckelt das schlechte Image. Zwar gibt es unter Nichtkonsumierenden noch Gruppen, die Gras komplett ablehnen, aber viele sehen den Konsum inzwischen als persönliche Entscheidung, ob aus medizinischen Gründen oder zum Genuss, so wie beim Alkohol.
Cannabiskonsum lässt sich bis ins Jahr 4000 v. Chr. im alten China zurückverfolgen, wo die Pflanze als wichtiges Schmerz-, Stimmungs- und Beruhigungsmittel galt. Schon vor unserer Zeitrechnung schrieb man Cannabis krampflösende, schlaffördernde und antibiotische Eigenschaften zu. Heute erforscht die Wissenschaft weiter, was medizinisch in der Pflanze steckt. Das war aber nicht immer so. Anfang der 90er-Jahre wusste man schon deutlich mehr über die Substanz, und das Interesse an neuen medizinischen Anwendungen wuchs.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam Cannabis in die USA, und mit ihm ein frühes Stigma, das aus Rassismus und Vorurteilen gegenüber den Konsumierenden entstand. Weil die Droge psychoaktiv wirkt, stellte die Propaganda vor allem die gesundheitlichen Schäden in den Vordergrund. Wer zum Spaß kiffte, galt meist als Krimineller, dem man Diebstahl, Vergewaltigung und Mord zutraute.

Durch die Kriminalisierung bekamen alle, die mit Gras in Verbindung standen, ein Etikett verpasst: „Kiffer“ oder „Stoner“.
Mit dem Fortschritt der Forschung ist klar geworden, dass Cannabis viele Vorteile hat. Alkohol, die andere große Alltagsdroge, hat deutlich mehr gesundheitliche Schattenseiten, ist aber viel weniger stigmatisiert. Warum das so auseinanderklafft, ist schwer zu erklären. Noch vor rund zwanzig Jahren galten Kiffer als gefährliche Mitglieder der Gesellschaft und wurden von den Medien verteufelt.
Die US-Cannabisplattform Weedmaps hat eine Analyse zum Verhalten von Konsumierenden und Nichtkonsumierenden erstellt. Sie zeigt, wie beide Gruppen über das schlechte Image der Pflanze denken.
Laut der Studie gilt: „Von den 41 % der befragten Nichtkonsumierenden, die Cannabis-Konsumierende im Freundeskreis haben, begegnen mehr als doppelt so viele Cannabisprodukten mit aktiver oder passiver Unterstützung (13 %) wie mit Ablehnung oder klarer Entmutigung (6 %). Die meisten in dieser Gruppe sehen Cannabis neutral: 58 % sagen, dass es ihnen egal ist und sie den Konsum auch nicht fördern.“
Trotzdem halten sich falsche Vorstellungen über Cannabis unter Nichtkonsumierenden hartnäckig, geprägt von Jahrzehnten der Desinformation und fehlendem Wissen. Dieselbe Analyse zeigt: „77 % der Nichtkonsumierenden bezeichnen sich beim Thema Cannabis als Anfänger oder Laien.“ Das liegt vor allem daran, dass es an glaubwürdigen Informationsquellen fehlt.

Dank der Forschung zu den medizinischen und therapeutischen Eigenschaften von Cannabis und seinen Cannabinoiden wie THC und CBD schwindet das negative Stigma weltweit. THC wird häufig eingesetzt oder erforscht bei Angst, Depression, Glaukom, Entzündungen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Schlafstörungen, Reizdarmsyndrom, Migräne, Multipler Sklerose, Muskelspastik, Übelkeit, Schmerzen, Appetitlosigkeit, posttraumatischer Belastungsstörung, Krampfanfällen und Symptomen im Zusammenhang mit HIV/Aids. CBD wiederum wird vor allem bei Krampfanfällen untersucht und eingesetzt, außerdem bei Entzündungen, Schmerzen, Psychosen und anderen psychischen Erkrankungen, Übelkeit, Migräne, Depression und Angst. Patient:innen berichten von Linderung, die Studienlage ist aber je nach Beschwerde sehr unterschiedlich.
Je weiter das Stigma rund um Cannabis zurückgeht, desto entspannter gehen Konsumierende wie Nichtkonsumierende mit Cannabisprodukten und Kiffer-Kultur um.
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