PCOS und CBD: Kann Cannabis beim Ovarsyndrom helfen?
GESUNDHEIT

PCOS und CBD: Kann Cannabis beim Ovarsyndrom helfen?

Insulin, Gewicht, Angst: Was die Forschung zu CBD beim polyzystischen Ovarsyndrom bisher hergibt – und warum die Dosis Sache deiner Ärztin oder deines Arztes ist.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

CBD heilt PCOS nicht, wird aber als mögliche Ergänzung erforscht: Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass es bei Insulinresistenz, Gewicht und Angst, also typischen Begleiterscheinungen des polyzystischen Ovarsyndroms, helfen könnte. Die Daten stammen bisher größtenteils aus Beobachtungs-, Labor- und Tierstudien. Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter und macht sich durch unregelmäßige Zyklen, einen Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) und Zysten an den Eierstöcken bemerkbar. Die Erkrankung betrifft nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern das ganze Wohlbefinden, inklusive Stoffwechsel und Aussehen.

Auf der Suche nach wirksamen und natürlichen Behandlungen ist Cannabidiol (CBD) zu einem vielversprechenden Kandidaten geworden. CBD gilt als entzündungshemmend, schmerzlindernd und angstlösend und könnte deshalb bei vielen PCOS-Beschwerden Linderung bringen.

Cannabispflanze nach 48 Tagen Blüte

Wie kann CBD bei PCOS helfen?

Cannabidiol (CBD) wird als mögliche Unterstützung für Menschen mit polyzystischem Ovarsyndrom untersucht. Der natürliche Wirkstoff könnte auf verschiedenen Wegen dazu beitragen, die Homöostase, also das innere Gleichgewicht des Körpers, zu halten.

CBD könnte mehrere Bereiche positiv beeinflussen, die bei PCOS aus dem Takt geraten: Hormone, Neurotransmitter, Stoffwechsel und Nervenaktivität.

Mögliche Vorteile von CBD bei PCOS

Insulin und Blutzucker regulieren

Hyperinsulinämie, also zu viel Insulin im Blut, hängt eng mit Diabetes zusammen und kommt bei PCOS häufig vor.

In einer Beobachtungsstudie mit rund 4.600 Erwachsenen aus den USA hatten Cannabiskonsumenten einen um etwa 16 % niedrigeren Nüchterninsulinwert und eine geringere Insulinresistenz als Nicht-Konsumenten. Eine solche Studie beweist keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang und hat Cannabiskonsum gemessen, nicht CBD. Einige Forschende vermuten, dass CBD einer der beteiligten Stoffe sein könnte, weil es die CB1-Rezeptoren moduliert.

Wurden diese Rezeptoren in Tiermodellen blockiert, verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit. Das spricht dafür, dass das Endocannabinoid-System und die CB1-Rezeptoren eine wichtige Rolle für die Insulinfunktion spielen.

Sollte sich das beim Menschen bestätigen, könnte es Blutzucker und Insulin besser regulieren helfen, ein zentraler Punkt bei PCOS. Studien mit CBD am Menschen fehlen aber noch.

Abnehmen unterstützen

Viele Menschen mit PCOS haben Übergewicht, wobei die Schätzungen von Studie zu Studie stark schwanken. Gründe können Erschöpfung sein, die zu weniger Bewegung führt, Hyperinsulinämie, die die Fettbildung ankurbelt, und genetische Veranlagung.

Labor- und Tierstudien zufolge könnte CBD das Gewicht auf mehreren Wegen beeinflussen:

  • Es könnte die Funktion der Mitochondrien regulieren und so die Verbrennung von Zucker und Fett verbessern.
  • Es könnte die Insulinresistenz senken und damit den Blutzucker besser regulieren.
  • Es könnte den Appetit dämpfen und so die Kalorienaufnahme senken.

Falls sich diese Effekte beim Menschen bestätigen, könnten sie Menschen mit PCOS helfen, überschüssiges Gewicht zu verlieren, was für die Besserung der Symptome entscheidend ist.

Angst und Depression lindern

Angst ist eine häufige Begleiterscheinung von PCOS, vermutlich wegen des Stresses, den die Erkrankung mit sich bringt, und der hormonellen Schieflage.

CBD gilt als angstlösend. In kleinen doppelblinden, placebokontrollierten Studien senkte eine einmalige Dosis CBD die Angst, allerdings mit deutlich höheren Dosen als den Einstiegsdosen, die weiter unten stehen.

In Studien, in denen Angst über eine simulierte Rede vor Publikum ausgelöst wurde, verbesserte CBD die Angstwerte im Vergleich zu Placebo deutlich.

Es wird angenommen, dass CBD die Wirkung von GABA verstärkt, dem wichtigsten hemmenden Botenstoff im Gehirn. Das könnte helfen, ein überaktives Gehirn zu beruhigen und Angstspitzen abzufangen.

Cannabis-Stecklinge

Wo CBD sonst noch erforscht wird

CBD wird außerdem bei verschiedenen Erkrankungen rund um das Hormonsystem untersucht, zum Beispiel bei:

  • Typ-2-Diabetes
  • Wechseljahren
  • Osteoporose
  • Adipositas
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Prämenstruellem Syndrom (PMS)

CBD-Öl bei PCOS: Warum es keine Standarddosis gibt

Eine feste CBD-Dosis für PCOS gibt es nicht: Was passt, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Das liegt an mehreren individuellen Faktoren, die beeinflussen, wie der Körper CBD verstoffwechselt und darauf reagiert.

Was die CBD-Dosis beeinflusst

  1. Körpergewicht: Schwerere Menschen brauchen unter Umständen höhere CBD-Dosen, um dieselbe Wirkung zu spüren wie leichtere.
  2. Alter: Das Alter kann den Stoffwechsel beeinflussen und damit, wie der Körper CBD verarbeitet.
  3. Verhältnis von Muskeln zu Fett: Menschen mit mehr Muskelmasse können eine andere Dosis brauchen als Menschen mit mehr Körperfett.
  4. Genetik: Die Gene können beeinflussen, wie der Körper CBD abbaut.
  5. Aktivität der Leberenzyme: Diese Enzyme bauen CBD ab, und ihre Aktivität unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
  6. Vorerkrankungen: Andere Erkrankungen können die nötige CBD-Dosis beeinflussen.
  7. Verdauung: Wie gut der Verdauungstrakt CBD aufnimmt und verarbeitet, ist individuell verschieden.
  8. Medikamente: Manche Medikamente treten mit CBD in Wechselwirkung und verändern Wirkung und benötigte Dosis.

CBD bei PCOS: So gehst du mit ärztlicher Begleitung vor

Wenn du CBD bei PCOS ausprobieren willst, dann gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt: niedrig anfangen und nur langsam steigern. So siehst du, wie dein Körper reagiert, und ihr könnt die Dosis gemeinsam anpassen. Diese Schritte helfen dabei:

  1. Niedrig starten: Beginne mit einer kleinen Dosis, die du vorher ärztlich abgesprochen hast – nicht mit dem, was auf der Flasche oder im Forum steht.
  2. Langsam steigern: Erhöhe nur in kleinen Schritten und lass dir zwischen den Schritten Zeit, so wie es mit deiner Ärztin oder deinem Arzt vereinbart ist.
  3. Wirkung beobachten: Achte darauf, wie dein Körper auf jede Erhöhung reagiert, und notiere Veränderungen bei deinen PCOS-Symptomen.
  4. Bei Bedarf anpassen: Wenn du eine Dosis gefunden hast, die deine Beschwerden lindert, ohne unerwünschte Nebenwirkungen, bleib dabei. Halten die Symptome an oder verändern sie sich, passe die Dosis erneut an.

Hab Geduld, die optimale Dosis zu finden kann dauern. Und ganz wichtig: Sprich vor dem Start mit CBD immer mit einer Ärztin oder einem Arzt, vor allem wenn du andere Medikamente nimmst (CBD kann mit einigen Mitteln wechselwirken, die über die Leber abgebaut werden, etwa bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika und Blutverdünner), wenn du Leberprobleme hast oder wenn du schwanger bist, schwanger werden willst oder stillst. CBD kann die PCOS-Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Fazit: Was Cannabis bei PCOS leisten kann

Die passende Dosis CBD-Öl bei PCOS ist wegen vieler Faktoren von Mensch zu Mensch verschieden. Die beste Strategie: in Absprache mit medizinischem Fachpersonal niedrig anfangen, langsam steigern und genau beobachten, wie dein Körper reagiert. Diese Rücksprache ist Pflicht, damit der Einsatz von CBD in deiner Situation sicher und sinnvoll ist.