Psychoaktiv oder psychotrop? Was THC, CBD und CBN machen
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Psychoaktiv oder psychotrop? Was THC, CBD und CBN machen

Warum CBD streng genommen psychoaktiv ist, aber nicht high macht, und was CB1, CB2 und GPR55 damit zu tun haben.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Cannabis wirkt psychoaktiv vor allem über THC: Es bringt Euphorie und Entspannung, verändert die Wahrnehmung von Zeit und Raum, und wie stark das ausfällt, hängt von Sorte und Menge ab. CBD wirkt ebenfalls aufs zentrale Nervensystem, macht aber nicht high. Die Pflanze wird seit Jahrhunderten wegen ihrer psychoaktiven und medizinischen Wirkung genutzt, und ihre Beliebtheit ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen.

Von Euphorie und Entspannung bis zu einem verschobenen Zeit- und Raumgefühl: Diese Effekte können die Erfahrung der Konsumierenden stark prägen. Wer über Cannabis reden will, egal ob als Genussmittel oder als Medizin, sollte verstehen, was es mit Kopf und Körper macht.

Psychoaktiv und psychotrop: Was ist der Unterschied?

In der Cannabinoid-Forschung wird vor allem zwischen THC unterschieden, dem psychoaktiven Wirkstoff schlechthin, und CBD, dem bekanntesten nicht berauschenden Cannabinoid.

Erntetag im Growraum

THC beeinflusst Stimmung, Empfindsamkeit und die Wahrnehmung der Realität. Aber nicht jedes Cannabinoid, das auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirkt, macht so breit wie Freizeit-Gras.

CBD ist insofern psychoaktiv, als es das zentrale Nervensystem beeinflussen kann, ohne dich zu berauschen.

Ein psychoaktives Cannabinoid wirkt aufs ZNS, ohne die Sinneswahrnehmung zu verändern. Ein psychotropes Cannabinoid wie THC kann dagegen die Wahrnehmung verändern und berauschend wirken.

Psychoaktiv vs. psychotrop: das Fazit

Wichtig: Auch wenn CBD und andere Cannabinoide Stimmung und andere Prozesse im Gehirn beeinflussen können, lösen sie nicht die psychotropen Effekte von THC aus. Deshalb wird CBD für seinen möglichen therapeutischen Nutzen geschätzt, etwa bei Epilepsie, und wird auch bei Parkinson erforscht, ohne die Nebenwirkungen von THC.

Kurz gesagt: THC und einige andere Cannabinoide wie THCV und CBN gelten wegen ihrer berauschenden Wirkung als psychotrop. CBD zeigt dagegen therapeutisches Potenzial, ohne zu berauschen, und gilt in diesem wissenschaftlichen Sinn als nicht psychoaktives Cannabinoid.

Wie Cannabinoide auf das zentrale Nervensystem wirken

Cannabinoid-Rezeptoren und wie sie funktionieren

Zum Endocannabinoid-System (ECS) gehören Cannabinoid-Rezeptoren, die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide) und die Enzyme, die diese Stoffe aufbauen und wieder abbauen. Als das System entdeckt wurde, wusste man noch wenig darüber, und es gab heftige Debatten über den medizinischen Nutzen von Cannabis, sein Missbrauchspotenzial und die Abhängigkeitsgefahr.

Neuere Forschung hat sich die wichtigsten Wirkstoffe der Pflanze, ihre Eigenschaften und ihre Wirkmechanismen im ECS genauer angesehen. Besonders aufgefallen ist dabei, dass das System die Immunfunktion im Nervensystem steuern kann.

Am besten untersucht sind die Rezeptoren CB1 und CB2. Beide sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) und regeln eine ganze Reihe körperlicher Reaktionen, etwa auf Hormone, Neurotransmitter und Umweltreize.

THC: psychoaktiver und medizinischer Wirkstoff

THC gilt als wichtigster psychoaktiver Wirkstoff in Cannabis und entfaltet die meisten seiner medizinischen Effekte über die Rezeptoren CB1 und CB2. Diese Rezeptoren durchspannen die Zellmembran mit sieben Abschnitten, sind an hemmende G-Proteine gekoppelt und steuern Signalketten wie Adenylatcyclase, cAMP und MAP-Kinasen, die auch den Calciumspiegel in der Zelle beeinflussen.

Was CB1 und CB2 jeweils machen

Der CB1-Rezeptor kommt reichlich im zentralen Nervensystem und in anderen Organsystemen vor. Er regelt Schmerz, Stress, Fettstoffwechsel und Immunfunktion und ist laut neueren Studien entscheidend für die psychotrope Wirkung von THC.

Der CB2-Rezeptor hängt dagegen vor allem mit dem Immunsystem zusammen und sitzt auf Immunzellen, auch auf der Mikroglia im Nervensystem. Im ZNS ist er aber deutlich seltener als CB1.

Weitere Rezeptoren: GPR55 und Co.

Neben CB1 und CB2 können Cannabinoide auch an andere Rezeptoren binden, etwa GPR55. Dessen Aktivierung hängt von der THC-Dosis ab (in niedriger Dosis aktivierend, in hoher blockierend), und er wird von CBD, bestimmten synthetischen Cannabinoiden und körpereigenen wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) beeinflusst. Anders als CB1 und CB2 erhöhen diese Rezeptoren beim Aktivieren den Calciumspiegel in der Zelle.

Unterm Strich wirken Cannabinoide über ihre komplexen Wechselwirkungen mit dem ECS und seinen Rezeptoren deutlich aufs zentrale Nervensystem. Die Forschung dazu läuft weiter und dürfte noch einiges darüber zeigen, wie sich das therapeutisch bei verschiedenen Erkrankungen nutzen lässt.

Wirkung von Cannabis: Nutzen und Risiken

Was über die psychische Wirkung von Delta-9-THC bekannt ist

Delta-9-THC, der wichtigste psychoaktive Wirkstoff in Cannabis, löst die gleichen psychischen Veränderungen aus wie Cannabis selbst. Delta-8-Tetrahydrocannabinol ist etwas schwächer, kann aber in kleineren Mengen zum High beitragen.

Cannabinol (CBN) bringt in hoher Dosis geschluckt keine spürbaren körperlichen Veränderungen, kann aber intravenös ähnliche psychotrope Effekte auslösen wie Cannabis.

Was CBD und andere Cannabinoide auszeichnet

Cannabidiol (CBD) gilt als psychotrop inaktiv, selbst wenn es geschluckt oder intravenös in Dosen gegeben wird, die weit über der wirksamen Dosis von Delta-9-THC liegen.

Studien an Primaten und anderen Tieren zeigen, dass Cannabinoide wie Delta-8-THC und CBN schwächer wirken als Delta-9-THC, während CBD keine nennenswerte psychotrope Wirkung hat.

Psychotrope Effekte in Tierversuchen

Versuche mit Rhesusaffen, Totenkopfaffen und Hunden haben gezeigt, dass verschiedene Cannabinoide Verhaltensänderungen auslösen können, die mit denen vergleichbar sind, die psychopharmakologische Studien beim Menschen beschreiben.

Cannabispflanzen im Grow

Dazu gehören eine Aktivierung des Dopaminwegs im limbischen System, Lachen, veränderte visuelle Wahrnehmung, verzerrte Größenwahrnehmung von Gegenständen, ein verschobenes Zeitgefühl und Einbußen beim Kurzzeitgedächtnis.

Warum die Wirkung so unterschiedlich ausfällt

Die psychotropen Effekte von Cannabinoiden schwanken stark und hängen deutlich vom sozialen Umfeld und der Umgebung ab, also von Set und Setting. Sie können Stimmung, visuelle und räumliche Wahrnehmung sowie Gedächtnis und gezielte Aufmerksamkeit beeinflussen. Weil die Effekte in Wellen kommen, kann das Gefühl für Zeit und Raum zwischendurch schwanken.

Worauf es bei Cannabis-Studien ankommt

Die Ergebnisse von Cannabis-Studien sind aus mehreren Gründen schwer zu deuten: die vielen verschiedenen Inhaltsstoffe, die schwankende chemische Zusammensetzung je nach Verarbeitung und Lagerung und das Zusammenspiel der Cannabinoide mit anderen Bestandteilen der Pflanze.

Fazit: Psychotrope Cannabinoide wie Delta-9-THC und CBN wirken deutlich auf Verhalten und Wahrnehmung, und viele Faktoren beeinflussen das. Die müssen Forschung und Klinik im Blick behalten.