
Was machen Cannabinoide im Körper? Wirkung von Gehirn bis Lunge
Phyto-, Endo- und synthetische Cannabinoide: wie sie an CB1 und CB2 andocken und was das für Psyche, Herz, Hormone und Atemwege bedeutet.
Cannabinoide docken im Körper an das Endocannabinoid-System an, vor allem an die Rezeptoren CB1 (überwiegend im Gehirn) und CB2 (vor allem im Immunsystem). So beeinflussen sie Stimmung, Appetit, Schmerz und Gedächtnis, aber auch Herz-Kreislauf, Hormone und Atemwege; THC löst über CB1 das High aus.
Zu diesem System gehören Rezeptoren, Endocannabinoide (also Cannabinoide, die der Körper selbst herstellt) und Enzyme, die diese Stoffe aufbauen und wieder abbauen.
Wenn Cannabinoide an die Rezeptoren binden, vor allem an CB1 und CB2, beeinflussen sie eine ganze Reihe von Körperfunktionen. Sie können körpereigen (endogen) sein, wie Anandamid, oder von außen kommen (exogen), etwa aus der Cannabispflanze.

Dieses Zusammenspiel mit dem Endocannabinoid-System kann je nach Cannabinoid und Konsumform medizinisch oder als Freizeitwirkung spürbar werden.
Welche Arten von Cannabinoiden gibt es?
Was sind Cannabinoide?
Cannabinoide sind chemische Stoffe, die mit den Cannabinoid-Rezeptoren in Körper und Gehirn interagieren und ähnliche Effekte auslösen wie die Pflanze Cannabis sativa L.
Man teilt sie nach Herkunft und Struktur in verschiedene Gruppen ein, und jede spielt im Endocannabinoid-System ihre eigene Rolle.
Phytocannabinoide
Was sie ausmacht und wo sie vorkommen
Phytocannabinoide sind Verbindungen mit 21 Kohlenstoffatomen, die vor allem in der Pflanze Cannabis sativa L. vorkommen. Bisher wurden über 100 Phytocannabinoide entdeckt, ihre sauren und neutralen Formen, Analoga und Umwandlungsprodukte eingerechnet. Die Pflanze bildet sie zunächst in ihren sauren, nicht psychoaktiven Formen, etwa Δ9-THCA, CBDA, CBGA und CBCA.
Wie werden Cannabinoide aktiviert?
Beim Trocknen und Fermentieren der Blüten werden die sauren Phytocannabinoide teilweise decarboxyliert und gehen in ihre aktiven, neutralen Formen über, etwa Δ9-THC, CBD, CBG und CBC. Hitze beschleunigt diesen Prozess: Beim Rauchen oder Kochen werden alle sauren Phytocannabinoide in ihre neutralen Formen umgewandelt.
So funktioniert die Decarboxylierung
Kleine Mengen Pflanzenmaterial kannst du im Ofen bei 120 °C für mindestens 20 Minuten decarboxylieren. Auch beim Kochen in Butter oder Öl startet der Prozess, wenn es lange genug dauert. Wichtig: Für die psychoaktive Wirkung von Cannabis ist vor allem Δ9-THC in seiner neutralen Form verantwortlich, die saure Form Δ9-THCA wirkt nicht psychoaktiv.
Endocannabinoide
Produktion und Funktion im Körper
Endocannabinoide sind körpereigene Liganden – also Botenstoffe, die Menschen und Tiere selbst bilden und die an Cannabinoid-Rezeptoren binden. Sie gehören zum Endocannabinoid-System, das eine Vielzahl von Abläufen regelt: die Feinsteuerung von Neurotransmittern, das Schmerzempfinden sowie Funktionen von Herz-Kreislauf-System, Verdauung und Leber.
Die wichtigsten Endocannabinoide
Die beiden wichtigsten Endocannabinoide sind Anandamid (N-Arachidonoylethanolamid, AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Sie funktionieren wie natürliche Schlüssel für die Rezeptoren CB1 und CB2, aktivieren sie und lösen deren Wirkung aus. Der CB1-Rezeptor sitzt vor allem im zentralen Nervensystem und steht mit psychoaktiven Effekten in Verbindung, der CB2-Rezeptor findet sich im Immunsystem und wirkt immunmodulierend.
Synthetische Cannabinoide
Entwicklung und medizinischer Einsatz
Synthetische Cannabinoide werden im Labor hergestellt und können Phyto- und Endocannabinoiden ähneln oder völlig anders aufgebaut sein. Ein Beispiel ist Dronabinol (synthetisches Δ9-THC), der Wirkstoff von MARINOL®, das bei Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust eingesetzt wird. Ein anderes ist Nabilon, der Wirkstoff von CESAMET®, das gegen Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie eingesetzt wird.
Synthetische Cannabinoide in „Smart Drugs“
In den letzten Jahren tauchten synthetische Cannabinoide wie JWH-018 und JWH-073 als Inhaltsstoffe von „Smart Drugs“ auf, die als Cannabis-Ersatz verkauft wurden – bekannt als „Spice“.
Sie wirken stärker und lösen häufiger Angst und Panik aus als Phytocannabinoide. Ursprünglich wurden diese Stoffe für die Forschung entwickelt und haben nie die klinischen Prüfungen durchlaufen, die ihre Sicherheit beim Menschen belegen würden.
Fazit
Ob Phyto-, Endo- oder synthetische Cannabinoide: Alle wirken auf unterschiedliche Weise auf das Endocannabinoid-System und lösen eine ganze Palette körperlicher und potenziell therapeutischer Effekte aus.
Wer diese Zusammenhänge und Gruppen versteht, kann mögliche Vorteile besser nutzen und Risiken kleiner halten.
Wie wirken Cannabinoide auf den Körper?
Δ9-THC und seine synthetischen Abkömmlinge bringen das natürliche Gleichgewicht der Endocannabinoide durcheinander und lösen im Körper eine Reihe deutlicher Reaktionen aus.
Wirkung auf Denken und Psyche
Kognitiv ist belegt, dass Cannabinoide Bewegungskoordination, Zeitwahrnehmung und assoziatives Lernen beeinträchtigen. Weil es im Kleinhirn Rezeptoren gibt, verändern sie auch die kognitive und auditive Wahrnehmung.
Psychisch sind die Studienergebnisse widersprüchlich: Einige deuten darauf hin, dass Dauerkonsum das Risiko für Psychosen und Angst erhöhen könnte, andere kommen zum gegenteiligen Ergebnis.

Immunsystem und Krebsforschung
Neuere Untersuchungen an Tiermodellen deuten darauf hin, dass Δ9-THC und CBD krebshemmende Eigenschaften haben könnten – beim Menschen ist das bisher nicht nachgewiesen. Im Labor können diese Stoffe den programmierten Zelltod (Apoptose) von Krebszellen fördern, die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor hemmen und die Wanderung von Zellen bremsen, möglicherweise über eine erhöhte Bildung reaktiver Sauerstoffspezies.
Cannabinoide und HIV/AIDS
Erste, vorläufige Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide dem Körper helfen könnten, die Viruslast bei HIV/AIDS zu kontrollieren und das Überleben zu verlängern.
Herz-Kreislauf und Verdauung
Am Herz-Kreislauf-System können Cannabinoide Herzrasen (Tachykardie) und steigenden Blutdruck auslösen, in hohen Dosen dagegen niedrigen Blutdruck, einen verlangsamten Puls und eine Erweiterung der Herzkranzgefäße. Außerdem bremsen Cannabinoide die Bewegung des Magens und könnten die Magen-Darm-Schleimhaut schützen.
Hormone und Atemwege
Im Hormonsystem können Cannabinoide die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin senken und so die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse sowie Hormone rund um die Fortpflanzung beeinflussen.
An den Atemwegen hat akuter Cannabiskonsum eine bronchienerweiternde Wirkung gezeigt, Dauerkonsum kann dagegen zu Atemwegsproblemen wie akuter und chronischer Bronchitis führen, ebenso zu strukturellen Veränderungen der Bronchialschleimhaut und der Fresszellen in den Lungenbläschen (Alveolarmakrophagen).
Fazit
Cannabinoide, allen voran Δ9-THC und seine Abkömmlinge, wirken auf vielen Ebenen auf den menschlichen Körper: von Veränderungen beim Denken und in der Psyche bis zu Effekten auf Immunsystem, Herz-Kreislauf, Verdauung, Hormone und Atemwege. Wer diese Wirkungen kennt, kann Risiken und mögliche Vorteile des Konsums realistisch einschätzen.
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